Wege zum Manuskript (DTmF)

Liebe Leserin, lieber Leser

Wie Sie vielleicht bemerkt haben, wurden bis auf einige Ausnahmen die einzelnen Stoffe der Reihe Die Träume meiner Frau vom Netz (d.h. vom Weblog) genommen**. Die Rohmaterialien bleiben allerdings weiter im Readerbereich. Die übrigen ausgewählten dienen noch als Beispiele und Belege bzw. deren Kommentare* sind relevant für die Reihenstruktur. Aus den 100 Stoffen werde ich nun ein (ca. 110-seitiges) Manuskript basteln. Vorerst wird das Material gesichtet, leicht bearbeitet und klassifiziert, d.h. es wird mit einer Signatur und einem natürlichsprachigen descriptor (der später auch title-funktion hat) codiert. Das wird allerdings einige Tage (Wochen?) in Anspruch nehmen. Hier finden Sie ein Beispiel (Ausschnitt):

Die Vorgehensweise, die Ver- und Entschlüsselung, die auf die Mehrdimensionalität und Tiefenstrukturen des Materials hinweist und damit multiple Gruppierungsmöglichkeiten eröffnet, ist in Ansätzen hier (v.a. in den Kommentaren) beschrieben. Weitere Stufen und Schritte werden beizeiten bekannt gegeben. Das literarische Weblog “taberna kritika” wird wahrscheinlich wieder ab nächster Woche bedient …

“Ein Traum, was sonst?”, gibt Kleists Prinz von Homburg im letzten Auftritt des fünften Aktes Kottwitz als Frage zurück. Worauf sich aber die (Vor-)Frage bezieht, so eine Lesart (Kottwitz: “Nein, sagt! ist es ein Traum?“), bleibt offen.

Ich wurde nach einer sehr allgemeinen Beschreibung zu diesem Konvolut gefragt. Heute möchte ich behaupten: Diese Arbeit versteht sich als Arbeit am Traumbegriff (Der Traum als Text / Der Text als Traum) bzw. der plakativen Ausstellung menschlicher Unmöglichkeit adäquater Deutung bzw. “Ordnung der Dinge”.

* noch online: 94, 91, 88, 78, 77, 76, 75, 72, 71, 69, 58, 43, 33, 22, 21

** (strike-edit: 19.05.), alle texte sind nun offline

Erstes alexandrinisches Sonett über den Fussball

Es krönt das Länderspiel den Bundesligaknüller.

Nicht Niedersachsenroß, nicht Kölner Ziegenbock,

der Adler zeigt sein Haupt. Im schwarzen Nylonrock

das Linienrichterpaar erzürnt den Chor der Brüller.

Ein Flankenball von Kaltz, ein Paß von Hansi Müller

schlägt wie ein Schnabelhieb dem spröden Abwehrblock

die Spalte tief bis hin zur Fahne auf den Pflock,

wo Rummenigge steht: Vollstrecker und Erfüller.

O abgetropfter Ball! O eingeschlenztes Leder!

Der fußerzeugten Kunst begleicht und opfert jeder

Tribut und Obolus im hirnverzückten Schrei.

Die Sieger tanzen auf, leicht wie die Adlerfeder,

im Arme liegt und küßt und tröstet sich jedweder

in diesem Augenblick: gewonnen drei zu zwei.

(Ludwig Harig, Fussballsonette, S.9, 2006)

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100

Gegen Fertigungen. Gegen reuigen Eiter. Er neigt in nur ein Etui: Ein Tiger. Ein tiefer, enger Eifer reift ihn ein. Einen Einer reiten. In Ferien gegen Güte feiger Gerten. Gegen Grete. Ein Grete-Reiten in eure Neigungen. Eure Figuren gürten in einer Gier.

Ein Tier reiten. Gerne in Eiger, rief er. Rief Gunter. Eine neue Egge turnen. Eine Gute. Eine Grüne. Ungern genug … Nein, Ennui.

überschreibungen 21a

(schlaufen, rückkopplungen)

materialien zum verständnis von dranmor.

dm IV,1e, Wilde Wehen, beispielsweise

in: Villon, Francois: Balladen. Nachdichtung von Ernst Stimmel.

mit 8 ganzseitigen Illustrationen von A.P. Weber. Hamburg. Hauswedell, (1939). 25 : 17,5 cm. Original-Pappband. 66 Seiten, 2 Blatt. Erste Ausgabe (3. A.) mit den ausdrucksstarken Federzeichnungen von A. Paul Weber. – Schumacher I, 94.

(zu dranmor materialien; übersicht überschreibungen)

99

Aus der Ferne scheint es eine kleine, vertikale Krümmung auf dem Plateau. Die Annäherung mit kurzen Schritten lässt aber bald eine bucklige Figur entstehen, die gegen die untergehende Sonne mit den Ärmchen rudert. Noch ein paar Hundertmeter lassen sie schon ein Traktätchen wedeln, in der linken Hand, die – von der rechten festgehalten – das Papier zur Ruhe kommen lässt, sodass sich darum auch seine Stimme kümmern kann. Nur wenige Fusslängen trennen mich von dem Männchen auf der wackligen Kiste aus Holz.

Es ist der vollbärtige Anarchist mit seiner kunstvollschwarzen Hochfrisur aus dem zweiten Semester. Jetzt spielt er die Mundharmonika. Bald beginnt er zu tanzen, springt mir auf die Schultern, macht es sich dort gemütlich und blickt in die Ferne.