äussere umstände

die milch wird zehn cent teurer hast

du das denn schon vernommen

im infoblättchen steht es

wird zu aggressionen kommen

der altersdurchschnitt steigt heisst

das am ende etwa leben

an kassen wird gemunkelt es

wird aggressionen geben

sind neue nachbarn bunt mit

seltnen schuhen vor den türen

ist man am stammtisch eins das

wird zu aggressionen führen

und gestern sagt dein chef man

muss auf ebendich verzichten

nicht einen wundert dort dein

plötzlich aggressives reimen/dichten*

für georg raabe und, naja, ganz am ende ein bisschen heinz ehrhardt

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* (edit: 7.7.): nach lob und tadel, nach für und wieder wurde der reimbruch “reimen” an dieser stelle zu “dichten” verändert. es wurde mit dieser aktion äusseren umständen (pietätischen, resp. des zwischenzeitlichen todes robert gernhardts) rechnung getragen. ich danke den diskutanten georg raabe und stefan ruess.

(edit2: 7.7., mittags): äusserer umstände halber wurde die stelle bis auf weiteres gestrichen und geweisselt, bis zur verhandlung endgültiger, maximaler, bester sinnstiftung.

(edit3: 7.7., später, mittags): die finale version des gedichts wird nur noch in bilateralen gesprächen mit SRU erörtert. der bewidmete georg raabe bleibt wegen renitenz leider von diesen verhandlungen ausgeschlossen.

2.3

gleich neben dir // ist noch platz und der / platz zu besetzen wir geben / uns lautlos ein zeichen der platz sei noch / frei und der ort auch der / einzige den ich besetzte und gleich sitze / ich neben dir und / danke mit höflichem nicken ein / längliches weilendes nicken es / möchte sich nicht mit der menge / vermischen die stumm mit an fenster / und türen prallenden blicken mit / mir mit uns beiden den / atem behält bis in achtloser sekunde mir / umschlag und blätter geräuschvoll / zu boden mehr fliegen als fallen das wasser / betretener sohlen zu ziehen beginnen greifst / du mir sehr hilfsbereit unter / die arme bist sammlerin meines geschriebenen lange / noch vor seiner reise bist / leserin weniger zeilen des ersten / kapitels fragst ob ich denn schreibe sagst / schön ohne raum einer antwort zu lassen wie / schön dass das noch jemand täte fragst lachend ob / das denn auch jemand verstünde / sagst beiläufig auch du / läsest sehr gerne //

Das Leben

Ach, ja! Ja, ja! Es ist schon was!

So geht’s! Was willste machen!

Nein, wirklich! Nee! Mensch, glaubt man das?

Das Leben macht schon Sachen!

Man hat schon manchmal seine Not!

Oh, Gott! Ach, ja! Oh, weh!

Das Leben? Ist ein hartes Brot!

Und einfach auch nicht! Nee!

Tjaja! So läuft’s nun mal! Wie wahr!

Oft ist es nur zum Weinen!

Die Frage: Geht es gut? Na ja.

Die kann man nur verneinen!

Zum Teufel! Wirklich! Ach, man stöhnt!

Ja, ja! Bei Gott! Ein Graus!

Und hat man sich erst dran gewöhnt,

dann ist es auch schon aus!

taz > (GROa)