neue serie: “Wieviele Deutsche verträgt die Schweiz?”

man fröstelt schon ein wenig. man ersetze hier “deutsche” mit “siewissenschonwas” und “die schweiz” mit “deutschland” und wir haben eine 1a-schlagzeile des völkischen beobachters nach 1933. mit dem kleinen unterschied natürlich, dass es sich beim blick um eine, wenn nicht d i e auflagenstärkste zeitung des landes handelt.

krausens fackel würde hier vielleicht einen diskurs starten über das verhältnis von ertragen und vertragen, bei dem möglicherweise zum ausdruck käme, dass man sich, wenn man etwas erträgt, doch wenigsten einen ertrag erhofft …

edit, nachtrag vom 19.2., abends: inspiriert von perkampus wurde dieser text ebenfalls als leserbrief verschickt.

postkarte

das meer läutert die luft

oliven schlummern ich

warte auf magdalena und

rosenohr, ja, wir haben

alle affären mit dem wind

insel III

(Julia Rhomberg, grashalme statisten, S.53, 2006)

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taberna kritika mit EE

es war lange überfällig. ich habe nun die alte pmachine zur expression engine importiert. eine heidenarbeit war das und es funktioniert immer noch einiges nicht. sollten sie den einen oder anderen fehler, broken link finden bzw. einen heissgeliebten text nicht mehr, freue ich mich über ihre rückmeldung.

bei dieser gelegenheit wurde das layout auch etwas aufgedonnert. die fabelwesen, die sie nun im banner finden, wurden aus skizzen und vorstudien von francisco toledos illustrationen zu borges zoologia fantastica entnommen und bearbeitet …

16. Schachtel (Rebus)

Die Arbeit nimmt überhand. Erst jetzt stelle ich fest, dass sich hier noch keine Überlegung zu einer Truhe jedeweder Form eingefunden hat. Sie hat sich, könnte man sagen, bislang sehr im Hintergrund gehalten. Vielleicht entspricht das auch ihrem Wesen. Wen mag das wundern, wird sie doch klein geschrieben und von einem dunklen Kreuz eingeleitet. Und es herrscht Frieden, woimmer sie auftaucht, wo sie sich am Ende befindet. Eine sich alles versagende Immobilie, die in meinem Keller fast zuhinderst steht.

ungewöhnlich, hier ein zitat einzufügen, nein, ein zitat noch einmal zu zitieren, aber genau das entspricht dem lauf der dinge, einem desiderat, einem: Schreiben auf eine Weise, dass jeder Satz schlichte Mitteilung ist. Nicht literarische Möblierung des Raums zwischen Autor und Leser.

Eine Mitteilung, die sich nach einer Reaktion (Was sagtest Du?) leichthin reduziert (Ach nichts).

um genau zu sein

Einer der es nicht sehen kann, fragt mich: “Hast du zwei Hände?” So würde ich mich nicht durch hinschauen davon vergewissern. Ja ich weiss nicht, warum ich meinen Augen trauen sollte, wenn ich überhaupt daran zweifelte. Ja warum soll ich nicht meine Augen damit prüfen dass ich schaue ob ich beide Hände sehe? Wittgenstein1

gerade weil wir uns nicht sicher sind, nehmen wir die verdächtige gestalt über den spiegel wahr. um genau zu sein: nehmen wir sie auf mit einer kleinen kamera – wer würde uns sonst später glauben? um noch genauer zu sein: über zwei spiegel, um damit auch noch unsere hinterköpfe ins bild zu rücken.

nachdem der typ* sich seit mehr als fünf minuten nicht bewegt hat, genauer gesagt: nicht der hauch einer bewegung zu sehen war, und wir haben aus drei metern entfernung sehr intensiv beobachten können, sehr genau hingeschaut und wenigstens das bierglas hätte sich neigen müssen, nur ein wenig, wenigstens, oder die oberfläche hätte sich kräuseln müssen, oder das glas runterfallen und mit ihm der erlahmte arm, hegen wir den verdacht, dass da etwas nicht echt ist.

wir sind nicht zufällig hier, spinnen wir weiter und wir trinken nicht zufällig diese getränke, denn wir sind ausersehen diesen typen, den wir nun nicht mehr als typen, sondern in der folge unserer annäherungen (ja, mit der kamera zuerst, mit erst scheuen blicken, dann mit ernsthaften, ernsten, stechenden, sezierenden röntgenblicken, die über die fein geäderte, gearbeitete haut der hände und des halses gleiten, dann mit zaghaften berührungen an den wangen, den borstigen barthaaren, der mütze, den ohrmuscheln, den knorpeln entlang – vergessen wir nicht zu erwähnen: im hintergrund die musik so laut, dass wir uns nicht an sie erinnern werden) als geniales machwerk aus plaste und elaste bezeichnen, zu bezeichnen, das damit – sozusagen im handumdrehen – alle weiteren spekulationen zerstört.

etwas ist nicht echt in diesem raum, und, nachdem wir in das immer noch im selben winkel geneigte glas des typen blasen und sich die oberfläche aus schaumlosem, abgestandenem bier endlich kräuselt, wissen wir, was da nicht stimmt, und die zuschauer dieser szene ahnen es vielleicht sowieso.

nicht nur der typ ist falsch – möglicherweise ist er noch das echteste, was hier ausgestellt wurde. wir sind nicht ganz richtig, alle anderen die falschen, nicht einmal die überfüllten aschenbecher ernst zu nehmen. das einzige, was noch als halbwegs echt, ursprünglich, wahr, wieauchimmer durchgehen könnte, in diesem raum, in diesem augenblick, kommen wir zu dem schluss, sind diese gottverdammten spiegel, die sich überall und immer noch gegenüber stehen. und das könnte uns fast wieder ein bisschen beruhigen, was auch der fall ist.

* zu der skulptur “BARt” von leif bennett in der cargobar

1 so zit. ebd.