Antwortbogen

1) Die Existenzform. Oder Daseinsform. Inemuri. Der Anwesenheitsschlaf.

2) Das Erscheinungsbild. Verblutet, bis zur Unkenntlichkeit.

3) Allgem.: Auftrag. Bildungsenteignung durch Bildungsaneignung.

4) Z.B. die allmähliche Verknüpfung des Geschriebenen mit dem Schreiben.

5) Die Schule: Neue Weimarer Klassik.

6) Hauptfach: spekulative Physik.

7) Sozialkompetenz. Verblutet mit seiner Umgebung.

8) Ein Urlaubsziel. Geliebt vom Meer, wohnt in den Bergen.

9) Unwetter. Wenn Saugnäpfe nicht mehr haften.

10) Nasalanz, Nasometrie, Nasalitätsmessung.

11) Gegenfrage: Was ist kein Roman?

Werner

(M10)

35 Jahre. Es ging mit Riesenschritten auf die 40 zu. Er war immer noch Bibliothekar. Viele seiner Altersgenossen leiteten große Betriebe, versahen hohe politische Posten oder amteten als Professoren. Hatte er versagt? Nein, er war mit seiner Arbeit zufrieden! Hoher Verdienst lockte ihn nicht, hier konnte er sich selbst sein. Er beneidete niemand, weder den Direktor noch irgendeinen Vorgesetzten.

In: Vollenweider, Ernst: Die Stadt der Gerechten. Zürich, 1968

Perkampus, wie Sie vielleicht wissen

Heute bekommen Sie kein Gedicht von mir. Oder eine andere kleine Form. Heut gibt’s was aus der Mikrowelle. Die wöchentliche Geheimschrift, an der ich wohl über einen längeren Zeitraum arbeiten werde und die noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, ist noch zu schreiben. Das nenne ich einen Privatroman. Doch habe ich für Sie wieder ein hübsches Bibliotheksfragmentchen ausgegraben, das sicherlich bald noch eine Rolle spielen wird. Dann gilt es noch eine gelbe Nelke zu besorgen, denn so will der mich heute besuchende Dichter Michael Perkampus am Bahnsteig von mir in Empfang genommen werden. Worüber werden wir sprechen? Hierüber vielleicht. Natürlich hierüber und hierüber. Vielleicht auch hierüber. Sicherlich wird er grossen Durst mitbringen, wenn er nicht gestern schon mit dem Kollegen Hediger über die Stränge geschlagen hat. Der Klimawandel. Wir werden sehen …

23. Schachtel (Zu wissen glauben)

Als Kinder hatten wir eine grosse Wolldecke über den Tisch geworfen, sodass an allen Seiten die Decke bündig auf den Boden fiel. Wir kletterten darunter, krochen in unsere Höhle und waren verschwunden. Die Eltern mimten die Ahnungslosen und suchten, so taten sie, lange Zeit jeden einzelnen Winkel der Dreizimmerwohnung ab.

Wir wollten für immer unter dem Tisch bleiben. Wir hatten nicht einmal vage Vorstellung, was für immer bedeutete. Wir zitterten aber, wenn sich die Decke durch unsere Ungeschicklichkeiten bewegte. Im Jahr darauf zogen wir um. In diesem Winter verschanzten wir uns in Umzugskartons.

fast biographisch. fast gemeingut. nicht erzählenswert und man erzählt es doch, auf die eine oder andere weise. vielleicht auch das basteln eines kaufladens oder einer poststelle aus diesem material. daran klebt immer noch kinderblut. von aufgerissenen fingern und handinnenflächen auf scharfen kartonkanten. dunkelrot.