Elysium

(B48 zu M48)

Woran wäre dann noch die Menge der Lesenden zu erkennen? Wäre jene Arbeit tatsächlich von Erfolg gekrönt und hätte man Interesse an dieser Skriptur: sie berauschten sich an einer völlig kostenfreien Lektüre vollständig individualisierbarer Stoffe, an etwas, das alles, wirklich alles enthielt, wonach das Herz begehrte. Gratis und verfügbar. Von den gewissen Substanzen abgesehen, die man freilich von staatlicher Seite aus fördern müsste. Und was hätte es für einen Zweck, der diesen Aufwand rechtfertigte? Nun, zumindest den einen, dass die Menschheit sich ziemlicher verhielte und wenig mehr täte, als schweigend in die Luft zu starren oder im Dunklen an sich selbst zu lauschen. Distanzen müssten nicht mehr überwunden werden, wir sprechen hier von einem umfänglichen telepathischen und telematischen System. Ein – ökologisch wie ökonomisch – unglaubliches Remedium. Das alles, man muss das allerdings realistisch sehen, wäre selbstverständlich nur vorstellbar nach einer totalen politischen und gesellschaftlichen Zäsur, weltweit. Nach einem, wie sagte man so schön?: BIG BANG.

Die Muschel am Ohr

(B46 zu M46)

Selbstverständlich ist der Versuch, die Luftbibliothek in ihrer Völle lesbar zu machen, kein augenblicklicher geblieben. Man versuchte sich ebenso an Experimenten mit weiteren menschlichen Sinnesorganen. So schien das Rauschen, das eine Muschel am Ohr eines jeweiligen Empfängers zurückgab, sich nicht nur für eine Selbstbelauschung auf der Grundlage geschwätziger Blutströme zu eignen, sondern, eben weitergehend auf der Idee der Abteilung der Druckwellenarchive innerhalb des Babaggesystems, geradezu ein zusätzliches Medium oder Quelle von Audioinformationen zu sein, die – fände man nur ein geeignetes Verfahren – diese denkbarerweise erst in audiovisuelle und daraufhin visuelle Kommunikate zu überführen wären. Tatsächlich arbeitete man schon an Apparaten, die dieses ansatzweise vermochten. Apparaten, allerdings, die bislang noch das mehrfache eines Menschenkörpers raumnahmen und nicht annähernd so praktikabel erschienen, wie die vergleichsweise simplen Methoden der Dehydretination.

Wellness

(B45 zu B45)

Aber der Ort des Leibs wider dem Abort der Seele. Stellen wir ihn uns als wellformed data vor. Als Körper in richtiger Temperatur und Feuchtigkeit. Als Gebilde, worin alles seinen Platz gefunden hat. Organ wie Erscheinung. Der After: Die Papierpressen und Kleinmulden hinter der Türe neben der Telefonzelle. Die Adern: Die Aufzüge für Bücher und Menschen, kurz: Zirkulate. Der Mund: das Fressloch für Medien, auch Erwerbung genannt … Suchen wir Fassaden für Fassaden und Extremitäten. Gehen wir systematisch vor. Sind wir listig. Beginnen wir mit zunächst im Alphabet mit der einen Seite des Aussen. Sagen wir Arm Auge Augenbraue Bauch Bein Brust Daumen Ellenbogen Faust Finger Fuß Fußgelenk Gesäß Haare Hals Hand Handgelenk Hüfte Kinn Knie Kopf Lippe Nase Nasenloch Oberarm Oberschenkel Ohr Po Rücken Unterarm Unterschenkel Schulter Stirn Taille Wade Wange Wimper Zahn Zeh Zunge undsoweiter.

Warum alles speichert und nicht vielmehr Nichts

(B44 zu M44)

Ein Ding der Unmöglichkeit? Wo es heute schon möglich ist, einen frühneuzeitlichen, sonoren Zustand zu rekonstruieren. Denken Sie an die Schallwellen, die sich in das Medium eines archaischen Töpfers eingegraben haben und die wir gerade transkribieren. Denken Sie noch etwas kühner und Sie werden ahnen, was wir mit Druckwellenarchiven meinen. Mit ewigen Lichtbildarchiven und am Ende einer Luftliteratur. Die Instrumente werden noch viel feiner und präziser werden, auf unserer Suche nach einem Schicksal. Man wird schon bald aus Bäumen, aus kleinen Borketeilchen sinnliche Vollspektren einer Vergangenheit heraufbeschwören, wie es sie nie gegeben hat. Und schon jetzt experimentieren wir mit künstlichen Netzhäuten, die uns aus den Schraffuren eines Himmels vor zig vergangenen Jahrhunderten vorlesen sollen. Es ist alles mehr als das. Es ist das Faktum der Machbarkeit, das sich stets erfüllt. Aber Sie werden schon sehen. Sie werden sich noch ins Angesicht blicken.