J. L. Pierce (1958-1996)

Jeffrey Lee Pierce: Herzinfarkt nach langem Alkoholismus. In “Making Tracks: The Rise Of Blondie” von Debby Harry und Chris Stein gibt es diese Passage, die sich 1980 in Los Angeles anlässlich der Aufnahmen zum Blondie-Album “Autoamerican” zugetragen haben soll:“Orson Welles sprach gerade im Raum nebenan für irgendetwas auf Band, Perry Como nahm sein “Christmas In Israel-Special” auf – mit einem Mormonen-Tempel-Chor im Hintergrund, so ähnlich hörte es sich an – in diesem Augenblick jedenfalls setzte ein Junge draussen auf dem Parkplatz mit seinem Wagen weit zurück, holte aus, gab Vollgas und fuhr mit einem Schlag ein riesiges Loch in die Mauer des Studios. Der Audi hatte Totalschaden, und es stellte sich heraus, dass seine Freundin die Besitzerin war. Der Junge hiess Jeffrey, seine Freundin Susie. Beide hatten zuvor miteinander gekämpft, sie waren auf dem Weg zu einer Blutuntersuchung, um die Heiratserlaubnis zu bekommen. Jeffrey aber hatte die Schnauze voll und der Rest dieser Geschichte ist auf der B-Seite von “Tide Is High” zu hören (…).” Ein paar Jahre später. Es drohte alles sich unter Wirklichkeitsdruck in seine Bestandteile aufzulösen, Sehnsucht und Pragmatismus, Kunst und Kalkül, Kitsch und Kapitalismus. Da tauchte – 1983 – eine Rock’n’Roll-Band auf. Eine leidenschaftliche, jammernde wie fordernde Rock-Band, also das sozusagen abgeschaffteste und erledigteste Programm des alten Authentizismus, und es war der Gun Club von Jeffrey Lee Pierce und sie sangen auf einer Platte mit dem altmodischen Titel “The Fire Of Love” Lieder von härteren Dingen, als unsere Selbst-Programme es sich träumen ließen, schrieb Diedrich Diedrichsen in “Sexbeat” (KiWi, 2002). THE GUN CLUB, Sex Beat, JODY REYNOLDS, The Fire Of Love

Bibliotheca Caelestis, TiddlyWikiRoman, Demoversion

Wie angekündigt mache ich nun eine Demoversion der Bibliotheca Caelestis in neuer Umgebung zugänglich. Konzipiert waren der Text (den ich vorsichtig „Roman“ nenne), die Vielzahl der Elemente und ihre Verknüpfungen massgeblich auf eine Präsentationsform hin: ein Wiki. Genauer gesagt: die TiddlyWiki-Software, die jüngst ein gewisses Reifestadium erreichte und für das Projekt günstig schien. Bislang wurden – zumindest im angelsächsischen Sprachraum – einige wenige literarische Experimente hiermit unternommen (Google-Stw.: tiddlywikifiction), im dtspr. Raum (vgl. aber bspw. pommerlands tunnel) sind mir dagegen in diesem Umfang und Ansatz, nämlich auch als Simulation eines OPAC, keine bekannt. Diese Version beschränkt sich zunächst auf die Abbildung der (auch weiterhin noch zu bearbeitenden) „Struktur“ des Gesamttextes. Mit den wesentlichen Inhalten, vor allem der dort noch nicht sichtbaren Hauptstränge (Anna, Die Briefe, Wie sie vielleicht wissen) beschäftigt sich derzeit ein Lektor (Typoscriptumfang des Manuals: ca. 200-230 Normseiten), und ich rechne mit Mai/Juni, bis ich eine erste „Vollversion“ im kleinen Kreis vorstellen kann. Natürlich freue ich mich jetzt schon auf Bemerkungen, Rückmeldungen oder Hinweise zu technischen Unzulänglichkeiten dieser Unternehmung …