Lieferbar: Das TamTam Grand Hotel

Das TamTam Grand Hotel.

Erzählung von Markus A. Hediger

Ein Schweizer Schriftsteller wandert nach Brasilien aus. Mit seiner Familie will er in dem Land, in dem er aufgewachsen ist, an geliebte Jugenderinnerungen anknüpfen. Zudem erhofft er sich, dass mit der Rückkehr in seine frühere Heimat sich auch endlich der schriftstellerische Erfolg einstellt. Unglücklicherweise ziehen auch gescheiterte Ideen und Figuren mit ihm um und mischen sich dort in sein Leben ein. Ein Verbrechen geschieht. Mehr und mehr sieht sich der Erzähler in einen Kriminalfall verwickelt, in dem er selbst das Mordopfer ist. Bei seinen Ermittlungen zum Tathergang erhärtet sich der Verdacht, dass seine eigene Schöpfung hinter dem Verbrechen steckt. (Klappentext, mehr …)

Oktober/November 2008, 130 S., 19 x 12 cm, Paperback

ISBN: 978-3-905846-04-1, €13.00

Das Buch ist erhältlich über den Buchhandel, den Verlag bzw. Amazon.

Markus A. Hediger, Rio de Janeiro (*1969). Aufgewachsen in Brasilien. Nach dem Abitur in Sao Paulo Studium der Germanistik und Theologie an der Universität Zürich. Danach einige lehrreiche Jahre in der Bank- und Versicherungsindustrie. Lebt seit Ende 2007 in Rio de Janeiro. Mitbegründer von litblogs.net und Mitherausgeber von “spatien – zeitschrift für literatur”. Seit Anfang 2007 Radioarbeiten. Im Juli 2008 erschien sein erstes Buch «Krötenkarneval – Autobiographische Fiktionen» in der edition neue moderne. Markus A. Hediger betreibt auch den Podcast «skyradio» bzw. das Weblog «hanging lydia». Mehr …

Am Ende (notula nova 10)

Nun vermag ich nicht zu entscheiden, ob – am Ende eines Tages – zu sagen, „nun habe ich gelesen, aber nicht geschrieben“ oder umgekehrt, das unangenehmere Fazit ist.

„Das Schreiben ist das Ziel, nicht das Buch“ lautet der Titel eines Buches zu Urs Widmers 70. Geburtstag. (Wer hat noch nicht nach einem Verdauungsprozess das Resultat bestaunt oder bezweifelt?)

Und: Leben: verdammt sein zu tun.

Nebelsuppe nennt es das Kind. Wie ein dünnes Brett, eine Stange, schiebt sich die Wolkenschicht über den See. Ich balle meine linke Faust, oder forme sie, als wollte sie zupacken. Mit dem Zeigefinger der rechten drücke ich auf den Auslöser. Werde Zeus oder eine andere Gottheit, die diese Erscheinung begreift.

Alleine im Haus

Die Fensterläden schliessen

fast automatisch

Theaterkulissen

Ich lief einige Stunden durch die zerstörten Aussenquartiere Neu-Berns, durch Breitenrain und Lorraine, dann linker Hand über den Behelfsponton wieder hoch in Richtung der recht gut erhalten gebliebenen Altstadt. Die Träger der von Deutschen gesprengten Lorrainebrücke ragten wie graue Gräten aus den eisigen Wassern der Aare. Der Bärengraben war leer, die Faschisten hatten die Tiere vor langer Zeit verhungern lassen. Bei einigen bombardierten Häusern waren nur Hausfronten übriggeblieben, Fassaden. Sie standen am Strassenrand oder etwas weiter hinten auf einem Feld, ohne Dach, nur die Hausmauer selbst war zu sehen. Durch die Löcher der Fenster sah man auf das, was dahinter lag, man sah wie durch eine Kastenkamera in das weissbestäubte Grünbaum, dort auch in das schneebedeckte Stoppelfeld, dahinter der blaue Himmel. Es war erneut, als seien diese ruinierten Häuser Theaterkulissen, die jemand dort hingeschoben oder –gezogen hatte, neben den von deutschen Granaten aufgeworfenen Erdhügeln und den zerborstenen Holzbalken, deren Enden schwarz verkohlt und schartig aufwärts ragten.

In: Christian Kracht, Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten, S.26, 2008

Herr Holle (notula nova 9)

Dieses oder jenes kann man nur mit einem Stift denken.

(Und der See neigt heute eher ins Blaue. Seltsame Interferenz mit dem Sonnensegel in orange. Wechselseitige Missgunst. Ein böses Omen? Nachdenken über das Selbstbewusstsein von Farben. Über ihre Selbstbehauptung.)

Semper fidelis

Waldstättia

Alemannia

Zähringia

Burgundia (Diese im Zweispänner)

(Die Kultur der Burschenschaften. Die (gute?) alte Zeit. Die Fresken an der Wand des Partykellers, Cantina genannt. Emblematik auf Aschenbechern, Bierhumpen und Tassen. Der Kult der Wappen und verschwurbelten Majuskeln mit Exklamation, z.B.: B!)

„Ein kleines Beet mit blühenden Bohnen verbreitete einen feinen, lieblichen Heliotropduft; den aber trug uns nicht die heimatliche Brise zu, sondern ein wilder neufundländischer Wind, der keine Beziehung zu der fremdländischen Pflanze hatte, keine aus Erinnerung und schwelgerischem Behagen gespeiste Sympathie. In diesem Duft, den keine weibliche Schönheit einatmete, in ihrem Busen verfeinerte und auf ihren Spuren verbreitete, in diesem Wohlgeruch, den man unter eine andere Sonne, in eine andere Kultur und in eine andere Welt versetzt hatte, lag die ganze Melancholie der Sehnsucht, der Trennung und der Jugend.“ (François-Rene de Chateaubriand, Erinnerungen von jenseits des Grabes)

Von Herrn Holle weiss man nicht viel. In den meisten Erzählungen hält man ihn für keiner Erwähnung würdig. Ich stelle ihn mir als alten, ergrauten Mann vor, der in einem Hinterzimmer schweigend eine Zeitung liest.