Erntetag

Jeder, der Gemüse mag,

liebt den Ausruf: Erntetag!

Weil man gern der Arbeit Früchte

schließlich auch genießen möchte.

Frisch, gesund und ungespritzt.

Hier wird kein Konzern gestützt.

Also steh ich vor den Beeten,

froh zunächst, doch dann betreten:

Übers Fallobst zieht der Schimmel

unter dunkelgrünem Himmel.

Fünfzehn gingen ans Getier,

sieben Äpfel bleiben mir.

Der Salat: fatal geschossen.

Schnecken: froh und unverdrossen.

Winzig ist die Möhre bloß.

Herr, der Sommer war doch groß!

Sieh dort die Kohlrabi-Form,

ist die nicht total abnorm?

Dito die Kartoffelknollen –

die kann keiner wirklich wollen.

Welke Wicken! Kranke Kressen!

Und ich brauch doch was zu essen.

Wo einst Wirsing war, wächst nichts.

Liegt es an der Art des Lichts?

Liegt es am Diktat der Sterne?

Hat Gemüse mich nicht gerne?

Oder liegt es gar daran,

dass ich gar nicht gärtnern kann?

Ja, da wären noch die Beeren,

wenn da nicht die Amseln wären.

Kommt doch jährlich das Gefieder

nur der Beeren wegen wieder.

Auch der Lauch ist knochentrocken.

Mausetot, die Artischocken,

wie auch Gurkenart “Grimaldi”.

Bleibt jetzt bloß der Gang zu Aldi.

taz > (GROa)

Die Badenden (notula nova 7)

Das Gras ist nieder. Der Feigenbaum trägt dieses Jahr zwei Früchte mehr. Die Frösche sind schon am morgen heiser. Das Schwimmbad auf der gegenüberliegenden Seeseite öffnet früh. Man kann sie nicht sehen, die Badenden, aber der Wind trägt Stimmen der Heiteren über die Wasseroberfläche. Eine Schwanenfamilie rüstet sich am Ufer. Bald werden die Birnen reif sein. Und mit ihnen das gesamte menschliche Geschlecht.

In der NZZ: Wenn Volksmusik im Radio ertönte, hiess es bei uns in Zürich einst: “Stell ab. sonst regnet’s morgen.”

Noch zu schreibende Ratgeberliteratur: “Belohnungsaufschübe wirksamer gestalten”.

Und: „Das gelungene Kind“.

It takes a long long time (notula nova 6)

Ein Wasserhahn tropft

langsam vergeht der Morgen

ununterbrochen

(Die Dauer, nur unterbrochen vom Bewusstsein der Dauer. Für einen flüchtigen Moment).

Die Katze starrt in ein Mauseloch. (Unbewegt). Das Loch starrt zurück. (Voller Konzentration).

Demnächst beginnt ein Zivildienstleistender seine Arbeit bei meinem Münchner Freund. Sei Name ist Paul Polz.

Mauersegler sein – in einem Land ohne Mauern.

T. schnarcht. Aber sie schnarcht sehr schön.