Heterotopoietisches (notula nova 21)

Da geht F. an mir vorbei. Und erkennt mich nicht. (Im öffentlichen Raum verschwimmen die Konturen.)

Und: Wider die optimierten Buchzyklen. Wozu auch? Verlegt man Texte an den Grenzen der Lesbarkeit. (Dort drüben! Eine Frau mit einem buchfernen Äusseren. Und ihr Name? “Kerben Kleinstein” vielleicht? Dies für den Figurenkatalog.)

Noch einmal zu Barthes: Nicht: Ich schreibe an einem Roman. Oder: ich schreibe an (Romantitel). Sondern: Ich schreibe (Romantitel). Hier an die Ausweitung denken. Konzeptuell: Nicht nur: Ich schreibe an einem Verlag. Sondern (auch): Ich schreibe den Verlag. In etwa. (Das, wenn ich alle Teile dessen bin. Ad: “Der Verlag als poietischer Text”.)

Weiter, anders: Der Verlag muss also als “Werk” angesehen werden. Es finden funktionale Verschiebungen an Betrachtung statt. Der Verleger wird Herausgeber, wenn er nicht nur Autor ist. Die Textteile (Werke) sind die Kapitel des Romans. Romantischer Extremismus. Folgerichtig muss der Verlag als Werk eingereicht werden. Das VLB, die Nationalbibliothek wird schön grüssen. Wir verleihen ihm eine eigene ISBN. Die Kapitel sind auch medial heterogen. Sie müssen gesucht und entdeckt werden. Man selbst schreibt sich suchend fort. Schreibend: sowieso. Ein Projekt in 100 Stücken?

Luftbuchung oder Akzentverschiebung? (Theoretische und praktische Folgen? Der Begriff des Kunstwerks vs. Reproduktion, Markt, Betrieb. Oder Metapherologisch: Verlagspoetik vs. Anthologie). Vgl. auch den textuell ähnlichen Ansatz der “edition haus am gern”.

Um 16 Uhr 20: Wenig Nebel. Flache Sonne. Sekunden der Freiheit.

Na ja, jetzt haben wir uns …

Na ja, jetzt haben wir uns ein bisschen abgeschlachtet, jetzt tun wir das andere, wie früher auch. Und hoffen auf eine bessere Zukunft. Na ja, die Brücke ist weg. Sophies Nacht. Ihre Nächte. Und darüber hinaus? Nein. So nicht, das kann nicht sein, so geht das nicht. Wie schön es ist, wenn das Tal sich öffnet und wieder, der Graureiher im fliessenden Wasser stehend, wartet er, und weiter, die runden Flusskiesel, winters kaum überspült, das Wasser klar, spärlich, trotz des gestrigen Regens. War es Bellen. Robert Alder geht jeden Abend zum Hafen hinab ins Aquarium und sieht sich die Fische an. So ist es im Sommer. Oder Robert Alder ersetzen durch Georges Perec. So wäre dann Georges Perec da. Schön. Von drüben von der Tankstelle her ist es Georges Perec mit ihr. Oder ist es doch Robert Alder? Wie die sich ähnlich sehen. Im Januar erhielt der Immobilienhändler Alder den Auftrag. Seither ist er in Verhandlungen vor Ort. Von drüben von der Tankstelle her ist es Georges Perec mit ihr. Der erste Kreisel, der zweite Kreisel, die Brücke, die Station, der Fluss, der Zigarettenautomat, die Zigaretten. Allerdings Schneegehen, allerdings das Konkrete. Die Zeit. Allerdings die Nachtschwalbe. Wie sich die Nachtschwalbe bei Gefahr tot stellt, als ein zitterndes schwankendes Blatt im Wind, sie ist gerettet. (3/18. Aus DlniS, Kap.2)