An der Reling (ist002)

I Zit. aus Herbold, Eingesaugt: Über Tinte als Ersatzflüssigkeit für Tränen. Schriftkörper, trockengelegte Körper, Seele. // Denkbar. Und doch dem Maschinengezeugten, einem weiter[e]n Zwischenwesen, ein Intimes. Ich könnte auch Nichts schreiben. Geht das? Das Nichts zu Papier bringen? Mit Ersatzflüssigkeiten? Nein. Es bleibt ein fast pornographischer Akt. Eine Ausstellung, die auch diese Anhäufung will. ZEICHNUNG SEIN. Der nackten Schrift des Selbst. (Gestern auf einer Wölfli-Ausstellung gewesen. W. bringt beides gleichberechtigt zusammen. II Bild und Schrift. Beides fliesst zusammen zu reinem Ornament. Immer und immer wiederholt, kaum Spuren von Veränderung in der Werkreihe. Psyche. Wölfli. Das am Rande.) Das Intimste also, was gezeigt werden kann. Von meinem nackten Körper in Abwesenheit. Verlängerung [Verhängung]. Ist man schon peinlich berührt. Durch nackte Schrift also vollständige [unbeständige] typographische Entkleidung. Und will ich Nichts schreiben, könnte ich mir ein paar Zeilen einer abgelaufenen Zeitung vornehmen und diese kopieren (die aneinander gesetzten Zeichen im eigenen, nicht mutmasslichen Sinn. Kein Akt der Kopie, also. Und dennoch ein Bild. Ein biographischer Rest, um der Peinlichkeit [Willen]. Die Berührung, die sich vielleicht einstellt, sollte es doch jemanden geben, der die Zusammenhänge beobachtete. Und die Ordnung? Man könnte von vorne anfangen. Mit den [dem] ersten der 6 Alben [Affen], käm[e] vielleicht zu dem Schluss, d a s ist das früheste Bild (die Bilder befinden sich lange schon nicht mehr in ihrer Ordnung, wurden [werden] vielleicht eingeklebt, um [nun] nicht mehr III auf den [dem] Kartonböden zu scheuern.): Schwarzweiss, also, an den Rändern ausgebleicht. Sepia. Eine Frau ist zu sehen, läuft auf ein paar groben [gro ben] Planken, hat ein Kopftuch auf, helles Halstuch. Ein paar dunkle Strähnen verweht der Wind. Sie trägt einen dunklen Sack[mantel], weisse Nähte [Nackte] schaffen Konturen. Drei riesige [rissige] Knopflöcher. Darin [Daran] (in den obersten) 2 riesige Knöpfe. Mode? Wann [Warum]? Mitte der 60er vielleicht. Im Hintergrund, 6, 7 Meter entfernt steht ein Mann mit Hut [Flut], lehnt [letzt] legère an einem Holzhäusschen. Eine [Kombüse]. Uns den Rücken zugewandt. Trenchcoat. Dann Reling [Renig]. Und Meer. Eine Szene auf einem Schiff. Die Öffnung des Mundes [Mondes] der Frau lässt darauf schliessen, dass sie ein Liedchen pfeift. Meine Mutter. Die Geräumigkeit [Genauigkeit] des Mantels könnte bedeuten, dass sich dort ein gewölbter Bauch befindet. Vielleicht war sie also schwanger. Mit mir. Und das Bild: von 1969. // Ich. Ersatzflüssigkeit im Mutterschoss. Geburt. Identität. Beschriftung der Welt durch den Körper. Usw. // IV Dankbar?  Trunkene Tränen. Tupfen, Empfindungen, Ähnelungen. „Der Schrift Kripo“ (Der Kripo Schrift). Ihr Nachtun. Ein Bergen. Bild und Schiff, verweinte Osmanen, Kaminspuren von Veränderung. Das am Rau – das Trachten in Abwesenheit. Könnte ich Satiren vornehmen und diese kopieren. Der Peinlichkeit Urdu. Und die Orden. Von vorne anfegen. Leerton Göde zu scheuern. Ein paar Giro, eine Kopfbinde, uns den Rüden zugewandt. Dass sie im wilden pfeift. Vielleicht war sie also schräger.

Debütantenball (notula nova 37)

Und: liegt die Kraft im Detail? (Das einmal Fischli/Weiss fragen.)

Und: nach Sursee – noch Maibaum 08? oder schon Maibaum 09? (Saisonale Symbole verharren lassen. Die Ordnung der Zeit dekonstruieren. Andere Freiheiten. Andere Zwänge.)

Landpomeranzen

Hairspray an Fingernägeln

Und pretty in pink

(das: en francais)

Und 1.: Die Welt ist alles, was online ist. (Ist eine (Verlags-)Veröffentlichung, die 10-20 mal verkauft wurde, eine Veröffentlichung? Ist sie ein Debut zu nennen? Und Texte, die 2000 bis 10000 Male angeklickt wurden und sicher 100 mal gelesen wurden: sind es in diesem Sinne Veröffentlichungen? Oder auch Debuts? … Debuts macht oder hat man nicht. Merke: Man wird debutiert. Das Dispositiv debutiert.)

Und: Das Debut im Vorhof der Startschussmetapher. Die Intention künftiger Messbarkeit. Die qualitative, vor allem aber: quantitative Anmutung von Literarizität. (Wiedergefunden: “Ein Mann, der die Wahrheit will, wird Gelehrter; ein Mann, der seine Subjektivität spielen lassen will, wird vielleicht Schriftsteller; was aber soll ein Mann tun, der etwas will, das dazwischen liegt?” Robert Musil, Gesammelte Werke, ed. Aldolf Frisé (Reinbek: Rowohlt, 1978), 1:254 … An dieser Stelle die Ichschrift ansiedeln …)

Und: heute dem Ältesten die Stiefel falsch angezogen. Den rechten an den linken Fuss. Den linken an den rechten Fuss. Das wurde von mir erst beim Ausziehen bemerkt. (Die meisten Dinge passieren. Und passieren gleichzeitig nicht.)

Die Bambushexe läutet eine neue Saison ein. Erste Giessübungen an den Herzsträuchern. Man spürt förmlich ihre Gedanken. Wittert den Salat. Das Abwägen einer Entfernung der Isolatoren, oder nicht.

Überhaupt: Kerben Kleinstein raucht nicht mehr nicht. Überhaupt das Rauchen, die Revision, der double-bind. Dahinter: die Gewalt der Sprache und ihrer Ordnung, die zur Aussprache zwingt. (Hier das Faschistische der Sprache an sich entdecken. Ja. Schon wieder Barthes.)