2007-11-05 Wenn nicht Prosa, wenn

vom fünften tag ohne textspur geblieben

was soll ich nun was soll ich nun

die freundin zeigt mir tamiya wir

reden französisch da das kaffee wo

die revolution begann und dort ihr

be wahrer von schätzen

Wenn nicht Prosa, wenn nicht Prosa im Nach also Nachnotiz und dann hinein in, denn was Prosa sei. Oder die Farben der Stadt, wie sie sich zeigen. Die hitzeverhüllten Farben, kann man von Puder sprechen. Schlieren von Schwarzfarben von Braunstaub Sand auch Ölschlieren oder Abrieb Kohle charcoal viele Detailhändler nämlich Motorendetails auch Auspufftöpfe Stossstangen Achsen mit Wörtern versehen Bestandteile meinetwegen Arabisch oder ich sehe nach in Bildlexikon. Möchte lieber NICHT überwältig möchte lieber nicht. Techniken der Strassenquerung; als hilfreich erweist sich, dass die grösseren Strassen

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ICH in ATH. (GuU02)

Olympic Airways. DUS – SKG – ATH – MJT. No smoking. – Zu Anfang fahrig, unkonzentriert. In Zeitungen blätternd, flüchtig lesend. Nach zwei Stunden eine nervöse Leichtigkeit. Nach etwa drei Stunden jedoch, nach zwei Fläschchen Wodka mit Orangensaft in dünner Luft, seltsame Wahrnehmungsspalten: für Momente die Empfindung, mein Körper verlasse seinen üblichen Aggregatszustand. Erste Verflüssigungen an seinen Rändern, dann flimmernde Ausstülpungen, ihr Dehnen ins Gasförmige. – Ein Irgend-Asiatisches begann zu kichern, in 10.000 Meter Höhe, und konnte, wollte schon nicht mehr aufhören damit. Die pikierten Blicke der hübschen, alten Stewardess – obwohl es sich bemühte, seriös ihr gegenüber zu erscheinen – als ich am Boden, in Thessaloniki, einen weiteren Drink bestellte („Mylady, hello! Would you please … – epharistó!“)

Zuletzt irrte es durch den neuen Athener Flughafen, Eleftherios Venizelos, ein animiertes Architekturmännchen unter vielen, unterwegs in diesem real gewordenen Modell. Es fand meinen Vornamen („Rainer! Schluß jetzt!“) und einen Platz zum Rauchen. Als er da endlich saß, bewegungslos in einer offenen Bar, in einer Nische des langen, breiten Korridors, wurde sein Körper wieder scharf gestellt. Er war zurückgekehrt, schien beinahe wieder anwesend an jenen Orten, die mit drei Buchstaben zu bezeichnen, abzukürzen, wir übereingekommen sind: ICH in ATH.

Aus “Gestell und Ungestalt. Fassung erster Hand” von Rainer Hoffmann. Gestell und Ungestalt erscheint im September 09 bei etkbooks.

Der Beter (notula nova 43)

Oder: das angelutschte Bonbon, wem mag es gehören?, am Waschbeckenrand, als dürfte es nicht weggeworfen werden. Als Versprechen für den nächsten Tag. Dem frühen Sonntagmittag

Toter Bambusstrauch

Bist rausgenommen worden

Bist ein ersetzter

(Mit dem blasphemischen Gedanken, irgendwo aus dem Off: Nicht zu glauben bedeutet praktisch (aber auch: je nach dem) eine grosse Zeitersparnis. Gewisse Skrupel bei dieser Niederschrift. Weitere Arbeit am Gedanken, sodass der Gedanke bald eigentlich kaum mehr erkennbar.)

Überhaupt: ist heute unser Glückstag. Wir bekamen die Bambushexe vor die Kamera und fertigten einen Kurzfilm an, der einmal ihre Existenz und ihr Treiben belegen wird. Sicherlich wird es nicht vor Gericht verwendbar sein, für uns ist es aber ein Dokument realer Fiktion. Ein Ausschnitt unverbrüchlicher, fiktiver Realität.)

Nicht aber: die Arbeit an einer Poetik einer nuancenhaften Differenz, sondern: das Unterlaufen von Paradigmen, schlechthin. (Hier!)

(Ein Wort noch zur Kunst von Herrn. Q., das aber gleichermassen auch die Herren und Damen R., S. und T. beträfe. Die Qualität des Schreibens sei dabei gar nicht in Abrede gestellt. Vielmehr aber die Beobachtung, dass sogenanntes “Schreiben über” sich dort als Theorie aufspielt, die gar keine ist. Vielmehr handelt es sich um Behauptungsprosa ohne Wenn und Aber. Ein “Schreiben über”, das den Konjunktiv nicht kennt, ist weder Kunst noch Theorie, allenfalls eine Behauptungskunst. Behauptungskunst aber kennt und will keine Erkenntnis. Und was ist das also für eine Kunst, die sich nicht um Erkenntnis schert? Es ist eine Unterhaltungskunst, wie Behauptungskunst immer eine Unterhaltungskunst sein muss. Diese aber möchte man, wenn überhaupt, viel lieber nur im Schreiben sehen.)