Sprayer (Like a Sprayer) (ist006)

I Zit. Aus Frutiger, Nachdenken über Zeichen und Schrift: umsprühte Handnegative aus gekauter Kohle. Pustungen, Speichel. Tatzenschriften, fixierte. // Früher Siebdruck. Se[ri]graphie. Einlassung durch Auslassung. Mundbeteiligung [Mondbeteiligung]. Plosive ([Sprechen]), [Scheiterndes] Sprechen, Sprühschreibung. // Die Sommer im Freibad der kleinen Stadt SHA. Wasserschlachten und Wasserschäden. Die Backen mit [Gechlortem] geplustert – zum Bersten gefüllte. Der Afterduft des Chlors in der Nase . Der Geruch des Beinahe-Ertrinkens. Blaue Beckenränder unterhalb der roten Kacheln. Ein Sprungturm [im] Gegenlicht. Eine SIEBEN. (Nur einmal gesprungen vom 10er – Eintauchen in Schräglage. Unvergesslich II – [In] weiter Ferne. Wassereis. Pommes Frites, Ketchup auf dem Boden und zwischen den Zehen vor der Bude am Ausgang. Zerbrochene Freundschaften. Flipperspiel, an [dem] ich nicht teilnehmen durfte. Aber zusehen. Graue [Grame] Urzeit. Weiter Auszuloten [Auszulosen]. Wir schreiben das Jahr …, nein, wir tasten uns langsam an einen Zeitraum. Mitte der 70er? // Die Kindheit: Die Kleinbuchstaben des Lebens. Besser: Die Kindheit – Das Kleingedruckte des Lebens. Und dazu: Modalitäten der Haftbarkeit III Herdweg wimmelt sprüht wider Scheine. Leben Rohr-Kurden. Felsen als Finals. Abbildungen von Händen und Taten. Zeilen und Seift. Der After duft des Ehlers. Blaue Bedienender hecheln. Gegen Witt ein liften. Pommes Forbes und die Dominanz der Gosse und Mitte der Zoo.

2007-11-04 WAS anfangen anbelangt, ich

streifen abgerissen ein stück lappen

legalisierte willkür raucht schönheit schleier

aber woher immer wieder das wasser

charcoal schwärzliche brühhitze ein

was reinemachen so zwischen fassaden

braucht

WAS anfangen anbelangt, ich fange an, ich fange in Kairo an, ich fange mich in Kairo an, ich fange etwas an mit Kairo, ich fange mit mir Kairo an, wer kann etwas mit Kairo anfangen, ich schnappe etwas von Kairo auf etc. oder anders Sprechen der Vielen, was anfangen anbelangt, ich fange an, ich, langsam, fange in Kairo an, ich fange mich in Kairo an, ich, mich kühlend, fange etwas an mit Kairo, ich fange mit mir Kairo an, ich schnappe etwas von Kairo auf etc. Ich schnappe Kairo auf mit mir fange an, hier zu sein, nein. Oder ein Geschäft gefunden für Tapeten, Ansichtskarten, Kunstdrucke, Flugpostumschläge. Nein, nicht den Übergang übergehen im Dazwischen i wo denn, ja doch, ob damit

index

Jede Erinnerung vergeht, bleibt einmalig, im Nu. (GuU01)

Im Lichtkegel einer Laterne sitze ich noch eine lange

Weile vor dem nächtlichen Meer. Draußen, an einer

Grenze, still aus glattem Schwarz, entsteht, springt

zum ungezählten Mal jenes nervöse Weiß. Es nähert

sich, beginnt leise zu plätschern; und verschwindet

kurz vor meinen nackten Füßen im beleuchteten Sand.

Draußen, an einer Grenze, still aus glattem Schwarz …

Nennen wir es augenblickliches, erstes Schreiben, erste Sprache der Erinnerung – ihre grünen Früchte … 

Momentum: das Noch-Nicht-Geronnene – als suche, beginne das Schreiben, gerade jetzt eine Form zu finden, oder als dürfe, könne es selbst bleiben, verharren, einen Augenblick in der unendlichen Fülle, in der Brüchigkeit und Flüchtigkeit seines Stoffs: sich fremd in dessen Ungestalt.

Die Zeit – kurz nach dem Ereignis, den Zwischenfällen, Begebenheiten, nahe ihrer Wahrnehmung, ihrer Beobachtung. Die Zeit – kurz vor der Ablagerung, Verschüttung oder gar ihrem Verschwinden. Die Zeit vielleicht noch vor der Skizze.

Nicht der Stoff im Hinblick auf ein Thema, Motiv. Belanglose Folge. Ohne Absicht, ohne Zweck, ohne Linie – sein Eigensinniges und Eigentätiges: sein Zufälliges, Unbändiges, Diffuses.

Nicht der Glaube an die Freiheit (oder gar Unschuld) dieses Augenblicks – der Wille zum Unmittelbaren erliegt zuerst dem Zwang. Das Unmittelbare – seltsames Begehren, merkwürdig fixe Idee – flieht unserem Bewußtsein immer schon voraus in die Unendlichkeit … 

Der Glaube aber an die Neugier der Sprache – auf die Leichtigkeit der Ordnung, die dunkle Organisation des Erinnerns, die Ästhetik seiner Augenblicklichkeit.

Ich berichte nicht. Ich analysiere nicht. Ich eigne mir nichts an. Ich liefere mich aus … – einer unmöglichen Erzählung des Erinnerten. (Ihre Unmöglichkeit ließe sich definieren, über folgenden Ort: eines Schreibens ausschließlich von innen her.)

Vor diesen wenigen Pfählen am Abgrund beginnen. Den wahnwitzigen, den paradoxen Versuch, inmitten eines jungen Erinnerns teilnehmend nachzubilden, wie dort verwandelt geschieht, was geschah. Und daher niemals so geschehen ist. Jede Erinnerung vergeht, bleibt einmalig, im Nu. (Klappentext)

Aus “Gestell und Ungestalt. Fassung erster Hand” von Rainer Hoffmann. Gestell und Ungestalt erscheint im September 09 bei etkbooks.

ZKg (notula nova 42)

Zu allem anderen, vorläufig: Ich habe das zur Kenntnis genommen. (Auch lese ich heute nun schon den 3. Artikel in dem die “Chefökonomen” in Anführungszeichen behandelt werden. Die Kultur der Abgewandten nach der Crisis.)

In der NZZ am Sonntag das getAbstract von Manzonis Verlobten. Der Entschluss, solcherlei Extrakte nicht einmal zu überfliegen, um sich nicht an der Entstellung der Texte zu beteiligen. Umständehalber: Der Lektüreverzicht als moralische Handlung des Lesers. (Ihre Sprachbox ist leer. Um eine Nachricht zu verfassen, wählen Sie bitte 75 …)

Und: interessant auch jene Beobachtung beim Söhnchen. Die Nutzung des Hochdeutschen als Spiel- und Fiktionssprache. (Ehrlich gesagt, rochen die Kinder heute etwas streng nach altem Hühnchen, als sie aufwachten.)

Überhaupt, was muss man sich da wieder die Augen reiben. In meiner favorisierten Online-Postille die Provinzprosa der badischen Dichterin Maja Mund. Schrecklich. Kein Wort, darüber.)

Oberpanne, das

So hat man es vor

Jahrzehnten bezeichnet

(An einem Abend, an dem man fortwährend nach Worten gesucht hat. Die Frauen tanzten. Die Männer bildeten einen Kreis. Im Abseits die 2 Boxen und ein Sender. Und ich.)