III Kleine Formen, Semiose

In I. erläuterst Du, welche Bedeutung und Folgen für Dich selbst die eigene Handschriftlichkeit besitzt. Welche Folgen hat darüber hinaus das handschriftliche Verfassen von Texten etwa in formalästhetischer Hinsicht und nicht zuletzt in Hinsicht auf den Inhalt des Textes und sein Bedeutungspotenzial? (sja)

Zu schreiben, oder überhaupt: an ein Schreiben zu denken, ausgehend von einer Idee, die sich noch auf der Suche nach ihrer Form befindet, einer kaum umrissenen Einheit also, die sich bislang lediglich in einer Wolke von Begriffen (tag cloud) zusammenziehen könnte, näherte ich mich dieser Unternehmung, wie auch schon einigen vorangegangenen, über ein Denken in Modulen, oder vielleicht besser: einem, wie bei vielen Schreibenden üblich, Erzeugungsprozess von kleinen Elementen, die in sich schon gewisse poetische Spuren oder Kerne, Ansätze oder Skizzen hinsichtlich eines Themas tragen, also möglicherweise einen Satz von Variablen darstellen, die aber offen genug sein müssen, als Gerüst und Baustelle eines grösseren Zusammenhangs zu dienen, gleichzeitig aber auch als unabhängige, frei stehende Skulptur figurieren könnten, soweit und insofern ausgeführt, dass ein klarer Gedanke oder eine Idee, zumindest extrahierbar, ableitbar oder zu erahnen wäre, dies wenigstens mit einigen, wenn auch kleinen Schnittmengen zu Elementen mit vielfach anderen „Variablen“. Dies sollte ein Grundzug sein dessen, was ich (auch jenseits aller klassischer Gattungen) immer wieder „kleine Form“ (oder deren Sammlung) nannte, und die auch hier eine Rolle spielen soll.

Waren frühere kleine Formen und deren Verbünde ganz oder hauptsächlich fiktionale heterogene (Die Träume meiner Frau), fiktionale homogene (Dranmor, ein Passagenroman) Mischtypen aus Sach- und fiktionalem Text (Bibliotheca Caelestis), so geht dieser Ansatz noch einen Schritt weiter und bezeichnet als „kleine Form“ o.g. Amalgam unterschiedlichster Textsorten. So gesehen, können also in einer (Ichschrift-)Einheit narrative, poetische, prosaische, assoziative, automatische oder automatisierte, deskriptive und transkriptive Passagen ineinander übergehen oder sich miteinander in Beziehung setzen, bzw.: sie werden miteinander konfrontiert. Erklärtes Ziel war es ausdrücklich nicht, solide, abgeschlossene Texte zu fabrizieren, die dann auf Kohärenz analysiert werden könnten, sondern – so oder so – ein Ergebnis anzustreben, eine Schrift, ein Schriftstück, das einen gesamten ästhetischen Prozess abbilden konnte, aber unter einem anderen Modus der Bewusstseinsübung. Vielleicht mag man das ein stark strukturalistisch beeinflusstes Verfahren nennen, aber, wie gesagt, soll diese Produktion, da nicht wiederhol- oder verfeinerbar, auf stabilen Parameter aufbauen, die ein spezifisches Gewebe oder Geflecht, zumal mit offenem Ausgang konzipiert, – und vor allem jenseits üblicher literaturkritischer Gattungsdiskussionen oder Bewertungen – sprachlich auch wieder einzufangen vermag. Mit der hier also als Variante oder Spezialgattung vorgestellten „kleinen Form“ soll also nicht eine poetische Schablone im herkömmlichen Sinne gemeint sein, sondern die Poetizität einer Textur meint hier gleichzeitig noch eine weitere, produktionsästhetische Kategorie im wortwörtlichsten Sinne mit. Das Hinzudenken der Bildlichkeit des Produkts und die Planierung (Nivellierung) inhaltlich ureigener, divergierender Textmuster durch die Oberfläche eines gleichgestaltenden Zuges (der Handschrift, nämlich).  Weiter zu untersuchen, ob dieses Verfahren auch auf (fremder) Rezeptionsseite fruchtete oder bestimmte Effekte zeitigte, kann nun leider nicht von dieser Schrift geleistet werden. Aber aus eigener Beobachtung heraus, bin ich versucht zu sagen, dass, was die Beurteilung des eigenen Textes angeht, eine über die Handschrift produzierte, kleine Form tatsächlich qua solcherlei Massnahmen der Ästhetisierung von heterogenen Texten, und zwar viel mehr noch als „kleine Form“ im o.g. Sinne gelesen wurde, als sie (6) bei der Wiederbeschäftigung mit diesen den Eindruck erwecken konnten. Oder, zeichentheoretisch gesprochen: arbeitet handschriftliches Schreiben direkt oder hat Einfluss auf den Inhalt eines Textes. Und: die Verbindung von Signifikant (Handschrift) und Signifikat ist eine andere, als letzterer mit typographischen Signifikanten.

—-

(6) vgl. Transkriptionsseiten, unten

@etkbooks twitterweek (20100220)

@bov morbus bohlen? / Verleger Egon Ammann als “Blick“-Kolumnist http://www.boersenblatt.net/362990/ (staun.) … #lbn / new blog post: 2007-12-04 (ich) liebe am Wasser http://bit.ly/czvntk / mauszfabrick: @etkbooks nicht dass ich wüsste, wäre aber amüsant; sollte generell mal wer machen / @mauszfabrick wurden die von hegemann auch verarbeitet? / @verlagsreport paul boldt hätte aber seine freude an ihr gehabt … / huiuiui. ganz schön viel flash für ne 4stündige lesung … http://www.uv-lesung.de/ #lbn / aus der laokoondebatte sollte man aber auch mitnehmen, dass intertextuelle verfahren rein gar nichts mit sampling zu tun haben … / Ein ma(h)lendes, dominantes Nagerchen mit seinem Gott als privat-öffentlichen Herrensignifikanten. Eignend. http://bit.ly/aXEDlN / new blog post: Kleine Abschweifung (notula nova 73) http://bit.ly/aXEDlN / new blog post: Über das Schreiben als Bauen und Entwerfen II http://bit.ly/9WmPmI /binary turn #wörter / new blog post: Kölner Trilogie III: Aschermittwoch http://bit.ly/932HDo /und: vergnügt sein, heisst einverstanden sein. / new blog post: isla-volante-literaturpreis 2010 http://bit.ly/csL3QX /new blog post: II Materie, Material, Materialität (Zu den Rahmenbedingungen) http://bit.ly/d5QeIw / new blog post: Kölner Trilogie II: Rosenmontag http://bit.ly/bsbrgg / @goncourt das hakerl der veröffentlichung. /

2007-12-04 (ich) liebe am Wasser

träumte nach. nachricht? träumte

nach nachmittag un pisolino

nachfüllen. nachts einander?

sah dann nachsaison nachleben

next sie hatte das nachsehen? ge

blümt nachricht je nach dem nach?

nachlehen? nachleben? nacken

fingers schleier? tuch? laken am zeh?

sendet nausikaa gemalte barke

träumte den kampferbaumnachen

naht nachbar? oder susanna? nah

tiefrot. planken man drechselte. nach

mit händen und lippen hopple : ich.

und dies am frühen morgen – dem

(ich) liebe am Wasser zu sein, in Wasser, auf, beobachte, auf welche Weise Wasser hier seine Gegenwart findet, höre das Plätschern der defekten Spülung, der Wasserhahn tropft, sehe wiederholtes Ausschütten von Wasserrest aus Wasserflasche, kleiner Restschlucke aus Trinkglas, das Ausblasen des Zuviel an Wasser aus der Wasserpfeife, sage löffelweise versprühen von zuwenig oder zuviel. Erblicke kehren, wischen, 1 Frau bitten um etwas von dem Wasser im Glas auf dem Beistelltisch vor uns für 1 Kind, das Feuchte anstelle von Staub, den einen Nil, 1 Brunnen, ich mag das tagelang plötzliche Verschütten von Wasser

index

Kleine Abschweifung (notula nova 73)

Im Zug: Die Dame gegenüber, graues Haar. Zopf. Ohrringe. Muschelkette. Seidenschälchen, klassisch. Dunkles Jäckchen. Übermalt in flächendeckender Mehrfarbtechnik ein Buch über christliche Ethik. Interessante Art der Musterung. Schrift, die im Lektürevorgang zu einem Teil von Tapete wird. Christliche Ethik, die unter ökonomischem Druck, zur Tapete wird. Aber wir schweifen etwas ab …

(Eigentlich, in ihrer Artigkeit, etwas von einem Häschen. Eine aber etwas gemeine Häschenartigkeit. Oder ein Mäuschen. Ein ma(h)lendes, dominantes Nagerchen mit seinem Gott als privat-öffentlichen Herrensignifikanten. Eignend.)

Limango

brands for friends

nein, brands4friends

(Nicht in Shopping communities einkaufen: 1 neues Handy für die Gattin. (Das alte hat die Fassung verloren). Mitbringsel für die Söhnchen. Und einen neuen Wecker. (Damit wir wieder snoozen können).)

Hoffte treffen. Abend essen. Talisker verkatern.

Und: 1 neues Notizbuch. Dieses hier ist jetzt nämlich fast VOLL.

Nebenbei: den Espresso für Rainer nicht vergessen. („Mitten im Spiel. Lehmanns irre Pipi-Pause”. Und: Das Bespucken der Strasse von Leuten, trotz allen Ekels, prinzipiell als freien Handlungsakt empfinden (erfühlen / bewerten). Als logische Aktion entfesselter Körper. (Bei 2001 das Abecedaire von Deleuze gekauft. Für 50 Euro. Frohe Weihnachten, lieber hab.)

Und: Man muss sich nur mal Walser (M.) in einer Strassenbahn mit einer Einkaufstüte vorzustellen versuchen. Man merkt dann nur allzugut, wie stark Vorstellungskraft von Vorwissen abhängt.

Über das Schreiben als Bauen und Entwerfen II

(Florian Neuner spricht mit Elisabeth Wandeler-Deck, Teil II)

(…)

In dieser »Durchfahrlandschaft« siedelst du Fragmente von Geschichten an. Dient dieser Nicht-Ort da gleichsam als leere Leinwand?

Gerade nicht. Es findet eine Hineinschreiben statt, in einen Raum, der selbst schon als Text verstanden werden kann, und auf welchen das noch nicht ganz ausgewaschene Wort Palimpsest nicht schlecht passt. Umgekehrt baue ich, vielleicht lässt sich das so sagen, an dieser »Durchfahrlandschaft« weiter, nicht mit Hilfe von Stahl und Beton, Licht und Laut und Zeit der Durchfahrt, sondern mit der Sprache und ihren Eigenheiten und Antrieben und ihrer Zeitlichkeit, Räumlichkeit. Hänge weitere Architekturen hinein mit ihren Personenfiguren – es entstehen Architexturen. Es blitzt Erzählen auf. Es entsteht Abwesen, das, was nicht da ist. Und da ist als Text und somit in Sprache.

(…)

Weiter Teil II / Quelle …

Teil I / Quelle …

Da liegt noch ihr Schal