Neid (notula nova 83)

Und: die Schachspieler in der Familienzone. (Und die wiederholte Erkenntnis: das Lächeln in seinem Gesicht war nicht das des Gönners, sondern das des Profiteurs).

Ich hätte schon gerne dieses dunkle, knurrige Stangenbrot. (Und, weil Sie das sicherlich auch interessiert: Ich fand diese Genieposer auch schon immer lächerlich. Und die nicht-stufenlose Verstellbarkeit literarischer Güte. Und Dranmor. Mit den krummen Beinen und Sätzen. Mit den falschen Bildern und Konjunktiven. Mit all seiner kognitiven Dissonanz. Und das Anthologiewesen. Die Textur literarischer Tombolas.)

Überhaupt muss man betonen: Die alleinige Existenz von Kommentaroption als Schaltstelle der Dimension von Autorschaft. (Ah, und endlich ein guter Titel für meine geplante Busnovelle: “Sie wollte lieber stehen.“)

Überhaupt: müsste der Begriff der Literatur von Projekt zu Projekt neu gefasst werden. (Erfordert eine Situation ein Pardon und es wird vom Anderen nicht gegeben, so erwähne ich es, meine aber “Prost”. A.H. von der F.D.P. lächelt mit einem satten Lobbyistenlächeln. Machen statt meckern, heisst es. Klotzen statt kleckern, usw. Meint aber das Gegenteil.)

Spannend ist es auch zu beobachten, wie ein Blog immer mehr Oberfläche seiner selbst wird. (Und: Hilfe! mein Chef ist von der Marburger Schule. Und: das Recht auf Jetzt. Und so weiter.)

Heute morgen kotzt mich mein Neid an. Ich bastle:

Frühlingsfrische

Bambushexe

Arsch frisst Hose

Riedo, Dominik: Sprünglis Genoxidis für Feinschmecker

(Ein Beitrag zur Urheberrechtsfrage)

Im Anfang schuf Sprüngli den Schokohimmel und die Nusserde; die Nusserde war sofort schön lecker und süß, und beste Qualität lag in den Schaufenstern des Stammladens, und der Geist Sprünglis schwebte (schleckmaulig) über der Zuckerfläche.

Da sprach der Sprüngli-Confiseur: «Es werde ein Éclair!», und es ward ein Éclair. Und der Sprüngli-Confiseur sah, dass das Éclair gut war; da schied der Sprüngli-Confiseur das Éclair von den Pralinen und nannte das Éclair auch «Liebesknochen», den Pralinen aber gab er den Namen «Heimatliebe». Und es wurde geschätzt und gekauft: erster zuckriger Erfolg.

Dann sprach der Sprüngli-Confiseur: «Es entstehe ein festes Nougatherz inmitten der Caramelsauce und bilde eine Scheidewand zwischen den beiderseitigen Zuckerbomben!» Und es geschah so. So machte der Sprüngli-Confiseur das feste Nougatherz und schied dadurch die Caramelsauce unterhalb des Nougatherzens von den Zuckerbomben oberhalb des Nougatherzens. Und der Sprüngli-Confiseur nannte das feste Gewölbe «Mampfi-mampf». Und es wurde Morgen und dann Weihnachtsmorgen: zweiter zuckriger Erfolg.

So waren an nur zwei Tagen drei neue Confiserie-Leckereien vollendet. Da machte der Sprüngli-Confiseur sein Werk, das er geschaffen hatte, zum vollendeten Verkaufserfolg und ruhte mit einem dicken Ranzen auf ewige Lebenszeiten in seinem Lehnstuhl, wo er Praktikantinnen begrabschte und sich mit Süßigkeiten aus dem eigenen Laden füttern ließ. Nach einigen Jahren aber segnete ihn das Zeitliche, worauf das dicke Geschäft mit seinem Namen erst recht begann.

Sein «Verbindliches Testament an meine Kundschaft» aber wird überleben und uns vorausleuchten in eine hoffentlich niemals dürre Zukunft:

Verbindliches Testament an meine Kundschaft

1) Du sollst keine anderen Confiseurs haben neben mir!

2) Du sollst den Namen Deines Confiseurs nicht missbrauchen! Kauf bei ihm und lob ihn auf allen Deinen Wegen. Und vergiss nicht: Am besten lobt es sich mit vollem Mund!

3) Gedenke des Sonntags, dass Du dort nichts als Süßigkeiten issest! Sechs Tage sollst Du nur einige Kilo Schokolade pro Tage essen, aber am Sonntag schlag Dir den Ranzen voll! Zur schwereren Ehre Deines Confiseurs.

4) Ehre den Zucker und die Eier, sie machen die Leckereien süß und binden wichtige andere Zutaten.

5) Du sollst nur mit Pralinen töten! Die Anleitung dazu findet man in Friedrich Dürrenmatts «Durcheinandertal».

6) Du sollst nicht ehebrechen! Das Bett ist dazu da, Pralinen in sich reinzustopfen.

7) Du sollst bei mir nichts stehlen. Alles andere ist mir egal.

8) Du sollst meinen Laden stets loben, auf allen Deinen Wegen. Wehe Du verleugnest mich!

9) Du sollst begehren Deines nächsten Zuckerbomben. Sei neidisch und kauf solche bei mir. Immer und immer wieder.

10) Du sollst nie Deines nächsten Weib oder Dein eigenes begehren. Sex macht schlank. Das ist ungesund. Iss lieber nochmals mehr Schokolade.

Als aber das ganze Volk die Werbung vernahm und die flammenden Vorschriften für die Zuckerbomben, so frassen sie alle, bis ihnen die Bäuche platzten und sie den Confiseur vor sich sahen, den kugelrunden Bauch vor Lachen haltend …



(c) Dominik Riedo (* 1974 in Luzern) lebt und arbeitet als Schriftsteller in Romoos/Schweiz. Bisher acht Buchveröffentlichungen, zuletzt: «Baustelle Kultur» (2010); als Herausgeber: «Heidis + Peters. Vorsicht: Kulturraum Schweiz! Eine Anthologie» (2009); beide im Verlag Pro Libro, Luzern. Riedo wurde von den Kulturschaffenden der Schweiz und der interessierten Schweizer Bevölkerung direktdemokratisch zum Kulturminister der Schweiz ernannt (2007–2009). In diesem Umfeld ist der Text «Sprünglis Genoxidis» entstanden. Er wird hier zum ersten Mal veröffentlicht.

Mehr Informationen zum Autor unter http://www.dominikriedo.ch.

XII Eine Art Fazit

Könntest Du – vielleicht in einer Art Abstract – noch einmal die wesentlichen Aspekte dieser Arbeit zusammenfassen, vielleicht auch etwas skizzieren, was sich möglicherweise daraus entwickeln liesse bzw. welche Konsequenzen daraus zu ziehen wären. (bhfr)

Mit dieser Schrift und seinen Teilen sollte weniger etwas bewiesen, als gezeigt werden. Die Handschrift als Thema, als persönliches Thema, das aber in teilweise sehr unpersönlicher Art und Sprache bearbeitet wurde, führte zu einem heterogenen und auch zwittrigen Anschwellen von Text.

Ich versuchte Fragen nachzugehen, die man niederschwellig vielleicht so (re)formulieren könnte: Geht etwas verloren, wenn nicht mehr – oder tendenziell: viel weniger – mit der Hand geschrieben wird? Was kann und wird sich verändern unter solchen Voraussetzungen?

Die Antwort zur ersten Frage – geahnt wurde das von mir schon zu Beginn, allein die Art der Antwort, die ich (für mich) geben werde, hat mein Interesse geleitet – würde sicher lauten: Ja. Auch wenn der Verlust nur schwer zu objektivieren ist. Weiter interessiert haben mich allerdings Überlegungen zu diesem „etwas“, dessen Beschreibung, wie ich feststelle, sich sehr im Nuancenhaften bewegt.

Neue, andere Aufschreibesysteme schaffen Prädispositionen von Textualität. (Man denke hier vielleicht an unterschiedliche Tastensysteme, Apparate, oder auch schnell emergierende, massenmediale Kommunikationstechniken und -kanäle, die das Schreiben generell verändern, die quantitative und qualitative Auswirkungen auf die Texterstellung zeitigen und die schon jetzt omnipräsent in den verschiedenen Arbeitswelten anzutreffen sind.)

Solche technischen Dispositive verdrängen also meine/unsere Wahrnehmungsweise, auch der Skulpturalität von Handschriftentext. Spezifische Bildlichkeit und die Möglichkeiten von deren Verflechtung. (Andere, multimediale Formen dagegen, entstehen und werden weiterentwickelt werden.)

Und was das Lesen, Interpretieren und dessen (auch produktives) Scheitern angeht: die (Miss)Lektüre von Handschrift, auch als récriture unter speziellen Bedingungen ästhetischer Differenz zu verstehen, wird allmählich und in dieser Form aus dem Denkkatalog hermeneutischer Textbegegnung ausgeblendet werden. Ein Spiel von und mit Text, nämlich mit den Möglichkeiten von Nichtlesbarkeit, die anderes, alternatives Lesen induziert, könnte bzw. wird verkümmern.

Oder, im Falle beabsichtigter Unlesbarkeit – auch das kann ein Begehren (oder: eine Strategie) von Text und Autorschaft sein: können solche Effekte nur noch auf der Ebene normierter Signifikation gedeihen.

Auch wenn Walter Benjamin den Begriff der Aura auf das Kunstsystem abgestellt hatte: Diesen hier wieder einzuführen und ihn auf veränderte, technische Rahmenbedingungen (nämlich: der zusätzlichen Abbildungsmöglichkeit einer Schriftbewegung als Gedankenbewegung), kann die Bedeutung von Handschriftlichkeit aufwerten. Doch selbst diese Möglichkeit wird nur eine theoretische Möglichkeit sein und von aktuellen Entwicklungen in den Schatten gestellt.

Schliesslich wollte ich im Anschluss an diese Überlegung zeigen, dass – man denke hier an die im skizzierten Verfahren angelegten Möglichkeiten der Sichtbarmachung einer Doppelschrift, einer doppelten Signatur oder Urspur – solch ein Ansatz auch unweigerlich Konsequenzen für einen (dahingestellt sei, ob nun idealistisch oder strukturalistisch formulierten) Subjektbegriff hat. Eine Untersuchung, wie dieser allerdings zu reformulieren wäre, würde den Rahmen der Arbeit sprengen.

Last, but not least, müsste man sich auch – ob nun mit oder ohne Einbeziehung dieser Doppelschriftidee – ganz generell Gedanken machen, was es für den theoretischen und also abstrakten Begriff von Autorschaft und dem breiten Spektrum seiner Semantik bedeutete, wenn immer mehr Text nicht mehr „abgeschrieben“, sondern vor allem und z.B. durch Copy-Paste-Verfahren verbreitet wird. Man müsste sich also auch unweigerlich mit Art und Menge von Adressierungsmöglichkeiten bzw. –funktionen von Text unter expliziter Nichtberücksichtigung von Handschriftlichkeit beschäftigen. Ein kleiner Impuls hierzu, soll auch von dieser Arbeit ausgehen.

@etkbooks twitterweek (20100501)

letzteres nur mal als info. es soll da gar nichts gegen @Zweitausendeins gesagt sein, dessen produkte ich schätze, zb. http://trunc.it/7p2cp / ramsch: banker, zweitausendeins, ikea http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/2010/04/ramsch.html / @frescosecco http://trunc.it/7l6pc . klein, charmant und leise. und ideal für kleine dies&daswerkeleien. und webstamptauglich … /frescosecco: @etkbooks Und wieviel Tonnen wiegt die? (ich hoffe, sie ist im Dauereinsatz) / nbp: 2007-12-14 leider haben wir uns http://bit.ly/aUmG7U / hat ein neues spielzeug: eine etikettendruckmaschine. / http://en.wikipedia.org/wiki/The_Enemies_of_Books /heute mittag werden die mitarbeiter mit erdbeeren erotisiert. / http://www.thedailyfrown.de/verlag/ #lbn / der wunsch nach besitz einer symbolisch zertifizierten universalbibliothek. / ist doch auch mal was. bibliotheksausweise sammeln. http://bibliotheksausweis.npage.de/ / nbp: Gestell und Ungestalt. Cahier. Faksimile II http://bit.ly/a8HeJ3 / völlig aufgepumpt mit nicht weiter verwertbarer theorie. / bei buildor natürlich an bösor, höllor und freunde denken … / Mani Matter und die Liedermacher : Zum Begriff des ‘Liedermachers’ und zu Matters Kunst des Autoren-Liedes #pipeline / nbp: Die Interimsdenkenden (notula nova 82) http://bit.ly/bHYx2X / in “Mental Force” http://trunc.it/7iyhv=1 sitzt die krawatte sehr anders, was zu produktionsästhetischen rückschlüssen anlass geben könnte. / goncourt: @etkbooks @mediumflow Ich kann mir den gut als eine Figur wie der Vater in “King of Queens” vorstellen. Seine geheimen Aktivitäten. / @goncourt hat er aber recht: “kauffreudige besucherscharen lassen sich aber leider nicht so einfach per mouseklick downloaden.” / die kleidungsangebote des personalshops sehen heuer wieder nach ruhestand in den 80ern aus. / lieber …-verlag: “auf twitter” veröffentlicht man keine romane. twitter i s t ein roman. / celan: jetzt spricht die geliebte. / nbp: Lesung Elisabeth Wandeler-Deck (Berlin) http://bit.ly/9bvE2N / nbp: XI Formen der Repräsentation http://bit.ly/djcWxe / hightatras: @etkbooks I ♥ Einwärtsverschlaufung. / @hightatras uns gehts so mit kartonierten solchen mit intakter einwärtsverschlaufung. / ★★☆☆☆ / die idee bleibt damit nur objekt einer passiven witzigkeit, kann sich nicht verselbständigen, bleibt etwas einsam, zerstört auch nichts. / lustige idee eigentlich. aber: man wird das gefühl nicht los, dass da jemand eine metapher für seinen semesterapparat gesucht hat. / unser autor hat sich einen zeh gebrochen. dann gehn wir halt jetzt auf einen abenteuerspielplatz. / “es gibd ned nur coci-nasä, es gibd au hürlimann” („warum isch züri so beliäbt“) #schtärneföifi / … stattdessen hornbach und levi’s … überlegt sich, was das für die queer theory bedeutet. / @spex : vermissen in eurer jüngsten ausgabe das h-v-eden-ad. ist doch hoffentlich nix passiert?