How to read (Personal Ed.) (notula nova supplement XIII)

1. Fast alles ist Text. Der Text ist das Medium.

2. Es gibt viele gute Texte. Lies wenige davon!

3. Es gibt sehr viele schlechte Texte. Lies wenige davon!

4. Wenn Du einen Text nicht verstehst, muss das nicht an Dir liegen. Lies weiter, wenn Du noch neugierig genug bist!

5. Texte, die von Maschinerien zu Texten gemacht werden, sind in der Regel zu vernachlässigen.

6. Ausnahmen bestätigen diese.

7. Lies nur, was Dir die Möglichkeit lässt, zu notieren!

8. Hör auf zu lesen, wenn Dich ein Text langweilt, Du Redundanzen entdeckst oder sich das Antizipierte einstellt!

9. Lass Dich nicht von goldenen Sternchen beeindrucken!

10. Lies, wann immer Du kannst! Halte es mit dem Schreiben ebenso!

Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 02/2011)

Höll Dir Hell-Fetzi-Pah

Höll Tier Hill-Witz-I-A

Hol’s Dir Höch-Viel-Psi-A

Höck’s Mir Hump-I-Mina

Etc.

Wahrer ›elitärer‹ Schriftsteller: Der durch die Fassade des Gesagten hindurch die Lineatur einer Wahrheit, die anders nicht mehr oder überhaupt nicht sagbar wäre, durchschimmern lassen will – zu unserem Entsetzen.

Während das Wort ›Kultur‹ leider schon lange verschiedenste Bedeutungen hat, versinkt auch ›Kreativität‹ zunehmend im Vorsumpf der Zivilisation.

Nur ein 18-Jähriger kann sich der Solipsismus-Idee voll und ganz anhängen. Lasst ihn älter werden und die ersten körperlichen Beschwerden haben: Er wird euch was pfeifen auf »nur im Gehirn vorhanden«. (Qualia, Qualia hoch!)

Dass der Mensch nicht gehen kann und wohnen, wo überhaupt er will, ist Wahnsinn. Merkt das überhaupt einer in aller Deutlichkeit?

Das Leben als wahrer Künstler kann mit einer Quitte verglichen werden: Roh keinesfalls genießbar, werden die nicht schmackhaften Gerbstoffe durch Kochen abgebaut und ein herrliches Endprodukt resultiert daraus, der zwar logischerweise kleinere Teil des Ursprünglichen, aber dafür gewissermaßen eine total vergeistigte Essenz dessen und in eine Transzendenz überführt, die einzig lohnt und anzustreben ist.

Ganz im Gegenteil zu Nabokov, der das Schreiben von Aphorismen für ein Zeichen von Arteriosklerose hält, finde ich, dass es nur die konsequente Fortführung seiner Methode wäre: Statt Interviews nur noch schriftlich zu geben (also das Aufzeigen der eigenen Gedanken in nuce), gibt man gar keine mehr und schreibt die deutlichen Worte in Aphorismen nieder.

Die so genannte ›Intelligenz‹ kommt bei den meisten Menschen nur aus Gewohnheiten heraus, nicht aus dem Begreifen einer Situation.

Ewig blauen licht die fernen Wehen: ewig, ewig … ewig, ewig … ewig, ewig … ewig …

Unser Sinnesapparat (Kant) liefert uns doch nur ein sehr beschränktes Bild von der Welt; das, was wir aufnehmen müssen, um zu überleben. Wer nicht bloß überleben möchte, sondern darüber hinaus etwas mehr erwartet (nicht alle tun es), sollte versuchen, den eigenen Sinnesapparat zu übersteigen – sofern das möglich ist. Hier spielt die Kreativität meines Erachtens ihre wichtigste Rolle: Phantasie geht eben über Visionen hinaus, die nur die Zukunft betreffen, etwa eines Bauwerks oder der Einrichtungsvariante des eigenen Zimmers oder des möglichen Haarschnitts beim Frisör. Gerade, weil viele Bilder, Töne etc. dieser phantasierenden Kreativität ›nicht zwingend nötig‹ sind.

Es gibt allerdings auch noch einen weiteren Weg: Indem wir über diesen Weltbildapparat nachdenken, uns über die Beschaffenheit dieses Weltbildapparates Gedanken machen, arbeiten wir ebenso an einem ›Auszug‹ der Menschheit aus dem (nicht selbstverschuldeten) Reichweitebereich unseres Sinnesapparates und der bisherigen Selbstverständlichkeit der Welt: Wir greifen zu auf eine eigentlich un-begreifliche, sinn-lose Welt. Man nennt es auch Philosophie (in ihrer streng logisch-›mathematischen‹ Form).

Ich bin der lebende Kulturverträglichkeitsartikel!

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