Die Frau im Auto











































Quote „Der Exekutor ist schon verschwunden, man hört dann sein Auto starten und wegfahren. 1. GENDARM: (zu Hedwig und Robert, deutet auf die Straße) Raus! Ja, wird’s bald? Hedwig geht heraus auf die Straße, bleibt da stehen, Robert folgt, …“ (o.S.)
Source Die Frau im Auto: ein Theaterstück. Autor Felix Mitterer. Verlag Haymon, 1998, 112 Seiten
Keywords Strasse, Papier, Auto, Frau
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Produced 14.06.2009, 10:14 AM
Added 25.11.2009, 02:56 PM
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(grundmuffel (symbolbild))

Rohm, Guido: Eine kurze Geschichte der Brandstifterei

… er schleift den Jungen in sein Arbeitszimmer, hier kommt der Junge nur herein, wenn es Schläge setzt, und leider, leider, ja, leider, setzt es die oft, diese harten Schläge mit den Büchern, er kennt den Raum also zur Genüge, er kennt ihn inwendig, kennt die Titel der darin aufbewahrten Prügelbücher nahezu auswendig, da sind einfach alle vertreten, dort, der Hölderlin, der Rilke, Schiller, auch Benn,

da wird dem Jungen schlecht, wenn er den Benn entdeckt, da wird ihm immer schlecht, er weiß nicht, ob es an Benn oder den Schlägen liegt,

dort der Goethe, natürlich der Goethe, und während der Junge verdroschen wird und auf die Goethe-Ausgaben starrt, auf ihre Rücken, ihre stummen Rücken, überlegt er sich eine Geschichte, weil er sich von den Schmerzen ablenken will,

er dichtet sich eine Dichtung, vielleicht hat er das vom Vater gelernt oder geerbt, den irgendetwas steckt von den Vätern immer in uns, der Junge erträumt sich einen Roman, den er irgendwann schreiben wird, nur nicht heute, denn heute ist er mit den Schlägen beschäftigt, einen Roman, dem er den Titel,

der Endzauberer,

geben wird, um in eben diesem Roman einen Antigoethe auftreten zu lassen, einen Antihumanisten, einen Brandmeister, der seine Gedichte mit Feuer schreibt, dessen Worte aus Flammen bestehen, ein Antigoethe, der in seiner Kindheit ein Puppenspiel geschenkt bekommt, damals in Frankfurt, könnt ihr euch noch daran erinnern, aber nicht, um seine ersten Theaterschritte zu machen, um die Welt nachzuspielen, sondern um es abzubrennen, ein gefährliches Spiel, weil die Flammen auf das Haus übergreifen, ein Spiel, bei dem der Vater verbrennt, nur die Mutter überlebt es, die arme, arme Mutter, die ihn fortan alleine aufziehen muss, einzig ihm, dem Endzauberer, ist das egal, denn ihm kommt es einzig auf das Spiel mit dem Feuer an,

er zieht als junger Mann in die Welt, die nach Flammen ruft, er zündelt sich durch Straßburg, dann weiter bis nach Weimar, um schlussendlich dort einen finalen Brand mit seinem Weggefährten Lenz zu legen, sie reiten aus der Stadt, in ihren Rücken lodern die Flammen, das Haus am Frauenplan vergeht in einer Feuersbrunst und mit dem Haus deren Besitzer,

es ist eine bösartige Geschichte, der Junge weiß das wohl, aber er braucht sie zum Überleben, er muss die Schläge durchstehen, überstehen, und da kann eine solche Geschichte recht nützlich sein, denn es wird mit ihm so enden, wie er es sich für den Endzauberer überlegt, er wird zu einem Brandstifter werden, jetzt noch nicht, auch noch nicht in den nächsten Jahren, es wird noch dauern, aber er wird zu einem Brandstifter werden, der die Bibliotheken mit Feuer überzieht, schon sieht er sich in der Anna-Amalia-Bibliothek stehen, er hält eine Fackel, die Fackel der Unaufgeklärten, gleich wird die Bibliothek brennen, und nicht nur sie, sondern auch all die Buchhandlungen, eben alle Orte, die ihn an die Grausamkeiten seiner Kindheit erinnern, er wird sie aus der Welt brennen,

der kleine Junge, der sich die Geschichte vom Endzauberer erträumte, wird selbst zu einem werden, er wird die Flamme der Barbarei durch Europa tragen und niemand wird ihn aufhalten können, Europa muss brennen, wird er denken, Bücher und Menschen müssen brennen, er wird einen Brand in Europa legen, den niemand so schnell vergisst, es wird lange Zeit so sein, erst ein paar wagemutige Amerikaner werden ihn bremsen, weil die Amerikaner, das weiß er vom Fernsehen und aus dem Kino, für ihren weltweiten Wagemut bekannt sind, die Amerikaner, Abenteurer und Industrielle, die, wenn es an die Vernichtung des Kapitals geht, keine Gnade kennen, dann schlagen sie unbarmherzig zurück, dann brennen auch sie die Welt entzwei, zur Not mit Napalm,

aber all dies bedeutet dem Jungen in diesem Moment noch nichts, er nimmt seine Schläge entgegen, schluckt seine Schreie wie bittere Medizin hinunter, er starrt auf die Goethe-Ausgaben und träumt seinen Traum,

so wie ich meinen Traum träume, hier am Tisch meines Vaters sitzend, darüber nachdenkend, welche dieser Geschichten ich aufschreiben könnte, vielleicht packe ich sie alle in eine Geschichte, denn einen Titel habe ich ja bereits, ich könnte sie an ein Magazin senden oder in ein Buch packen, diese kurze Geschichte der Brandstifterei …



(c) / Auszug aus: Guido Rohm: Eine kurze Geschichte der Brandstifterei (Textem, 2010)

Guido Rohm wurde 1970 in Fulda geboren, wo er heute auch lebt und arbeitet. Er schreibt Rezensionen und Essays für verschiedene Onlinemagazine. Dabei entdeckte er auch den amerikanischen Kultautor Tom Torn für den deutschsprachigen Raum. Sein Debüt, der Kurzgeschichtenband „Keine Spuren“, erschien 2009 im Seeling-Verlag (Frankfurt). Der deutsch-französische Schriftsteller und Übersetzer Georges-Arthur Goldschmidt schrieb das Vorwort zu „Keine Spuren“. Sein erster Roman – „Blut ist ein Fluss“ – erschien im Frühjahr 2010 ebenfalls im Seeling-Verlag.

Links / Mehr:

http://de.wikipedia.org/wiki/Guido_Rohm

Textem Verlag

http://auslage.wordpress.com/

Die Kunst hatte die Parabase erbrochen.

Die Kunst hatte die Parabase erbrochen. Sie schaute zwanghaft auf die Lache neben ihr, ekelerregt. Und rannte davon.

Vorbild. – Die Vorstellungswelt eines vor kurzem Erblindeten. Das Imaginierte muß praktikabel werden.

Kunstgeschichte. – Kaum sichtbare Bewegung von Erstarrtem. Gletscherartige Langsamkeit. Bruchkanten am Meer des Vergessens.

Es ist ihr Horizont, der sie einschnürt.

Tierkern. – Ein Kater kam zum mir gelaufen, legte sich auf meinen Schoß. Ich kraulte gedankenverloren seinen Kopf, streichelte sein Fell, ich weiß nicht mehr, wie lange. Ich fiel, verlor mich immer tiefer in diesem Tun und seinem wohligen Schnurren. Plötzlich, in dieser Selbstvergessenheit, beugte sich mein Oberkörper zu ihm hinunter, öffnete sich mein Mund … Er hob irritert den Kopf, schaute mich mißtrauisch an. Ich zögerte, hielt inne, erschrak: Ich spürte schon das Fell auf meiner Zunge.

p18

Woyzeck vs. UBS (notula nova supplement 16)

Märchen der Großmutter

GROSSMUTTER : Kommt, ihr kleinen Krabben! – Es war einmal ein arm Kind und hatt’ kein Vater und keine Mutter, war alles tot, und war niemand mehr auf der Welt. Alles tot, und es is hingangen und hat gesucht Tag und Nacht. Und weil auf der Erde niemand mehr war, wollt’s in Himmel gehn, und der Mond guckt es so freundlich an; und wie es endlich zum Mond kam, war’s ein Stück faul Holz. Und da is es zur Sonn gangen, und wie es zur Sonn kam, war’s ein verwelkt Sonneblum. Und wie’s zu den Sternen kam, waren’s kleine goldne Mücken, die waren angesteckt, wie der Neuntöter sie auf die Schlehen steckt. Und wie’s wieder auf die Erde wollt, war die Erde ein umgestürzter Hafen. Und es war ganz allein. Und da hat sich’s hingesetzt und geweint, und da sitzt es noch und is ganz allein.

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