September

Du, Neunter, einst der Römer Siebter,

bist nur zu Recht ein ganz Beliebter.

Ach, Spender letzter Sommerwonnen,

granatgefärbter Abendsonnen,

von roten Äpfeln, blondem Weizen.

Du musst auch nicht so maßlos heizen

wie diese Julis und Augüste.

(Angeber, die man streichen müsste.)

Nein, du bist feines Sinnensausen,

bar sinnentleerter Fußballpausen,

und bleibst – anders als Grass’ Gedicht –

doch mehrdeutig und vielgeschicht.

Erfüllst uns auch mit schlimmem Schauder:

Geburtsmonat des Volker Kauder.

Frech fegst du uns die Haare platt,

sofern man denn noch welche hat.

Lässt böse es an Börsen stürmen,

die Banker fallen aus den Türmen,

ganz wie der DAX steil abwärts sausend.

(Tipp: Monatsende knapp fünftausend)

Was mich noch an dir hängen lässt,

Eröffner des “Oktober“fest

und Todesmond so vieler Ochsen,

das ist dein Hang zum Paradoxen.

Der hebt dich aus der Monatsmasse.

September, du hast wirklich Klasse.

Nur was ich nicht so an dir mag:

Nicht ein einziger Feiertag!

taz > (GROa)

Blatt 13 (V. ALLRAUNEN.)


V. ALLRAUNEN.

CICERO ITALIQUE.

     Wahrlich ein fratzenhaft seltsam Geschlecht, scheusslich das Gesicht, tiefliegend die Wahrzeichen der Augen und hohl, grob, wollig das Haar, übel alle Gliedmassen verwachsen, den Zaghaften ein Schrecken und greuel.
     Aber sie bringen Seegen und Heil, und Reichthum und gutes Gedeihen, drum halten die Menschen sie sauber und warm im eigenen Bettlein, baden und salben sie sorglich im Weine und nehmen ihrer zärtlich sich an.
     Ihr wisst, sie werden unter dem Hochgerichte aus dem Blut der juristificirten Sünder geboren, und von schwarzen Hunden in Gestalt von lebendigen schwarzen Knäblein aus der Erde gescharrt.
     Wohl Unter diesem Volke nun ist gegenwärtig die Krone erledigt, die Lusttragenden sollen am bewussten Orte sich einfinden, dort wird die Wahl den Glücklichen treffen. Vorher aber müssen sie Alle die Seelen verschreiben.

VI. SCHLARAFFENLAND.

CICERO ROMAIN AUF MITTEL KEGEL.

     Viel Hoffnungen haben sie noch sich für die Zukunft gesammelt. Sicher, habt ihr einmal durch den Berg von Hirsenbrey euch glücklich gefressen, dann kommt ihr wohlbehalten im Schlaraffenland an!
     Das aber wäre zu rathen, dass, tretet ihr die Reise wirklich nun an, ihr sorget für warme, wohl schützende Kleidung, denn es soll kalt und unfreundlich geworden seyn da drüben, seit der Comet so derb an die Erde gestossen.


024

niemals fährst du auf den

purpurnen wegen allein

der bus ohne titel

ist deine familie

du bist der grund

ich selbst zu sein

nach links nach rechts

wäre er echt

die klammer zu schliessen

und zuhause geblieben

Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 09/2012)

Verschiedene Schriften desselben Schriftstellers oder gar aller Schriftsteller: die fortwährende Interpolation des Ewig-Gleichen. Was ist der Ur-Text?

Anverbandelt.

Der feste Busen der Wahrheit! – Ja, den möchtet ihr anfassen, nicht wahr?

Zur Zahlenmystik: Friedrich Rückert lebte von 1788 bis 1866 (88 und 66!). Aber er wurde nicht etwa 78 Jahre alt, sondern ausgerechnet 77 Jahre. 77 Jahre! Was meint das nun? … Oder was man an allen Tagen so macht …

Was ich auch mal schreiben sollte: Eine Ode an den Fön. Der mich so zärtlich streichelt mit seiner Warmluft. Und nur ab und zu ein Fangbein stellt mit seinem schwarzen Kabel. Mein kleiner Gebärmutterersatz der Wohnung. Der mich sanft wärmt auf Stufe 1. Und heißmacht auf Stufe 2.

Während aber eine Symphonie polyphon erklingen kann (und dazu ein Orchester braucht) und ein Bild wohl poly›phon‹ gemalt sein mag, einfach zum Beispiel dadurch, dass es aus dem Rahmen fällt, aus der Zweidimensionalität (und also auch ›Material‹ braucht), kann das die Sprache nicht derart einfach. So muss man wohl spätestens seit dem 19. Jahrhundert von zwei sehr verschiedenen Arten von Erzählen ausgehen: Dem, welches das Poly-Whatever abzubilden versucht (und dazu Papier braucht oder zumindest eine Schreiboberfläche wie auch immer, aber wo Lese-Laut und Lese-Schriftbild ›auseinanderklaffen‹ können) – und dem, das nach wie vor Sprache versteht als ›Erzählen‹, ohne dass es dazu Papier braucht. Ich sage nicht, dass das zweite veraltet wäre. Im Gegenteil: Wer es hier fertigbringt, doch etwas vom Ur-Gefühl abzutönen, dem gelingt wahrlich große Literatur.

Nicht immer ist der Inhalt eines Textes der Entwurf einer Gegenwelt. Bei guten Texten kann das zudem oder gar ausschließlich das Erzählen selbst sein. Was ich damit meine? Ja, spricht denn der Esel davon, warum er so muht, wie er muht. Der Witz mit den großen Ohren und Geschlechtsteilen kommt ja von außen …

Scheint mein Schatten nicht besoffen?

Zum Blog Salzkristalle & Trüffelpilze