Loslabern (fast)

(Kleiner Messenachtrag, Olten 09)

ol10 (wie die Werber schreiben)

Die wechselseitige Pfropfung von Zeichensystemen. Jetzt auch im Selbstverständnis des Mainstreams. Darüber muss man mal nachdenken. Geht so der Weg der Sprache, in näherer, in mittlerer Zukunft?

Mit der Tochter von Rolf-Dieter Brinkmann den halben Tag gesprochen. (Labern, heisst das nun auf Messen.) Auch über Kaffee (JURA, sponsoring à discretion) in several flavours (Vanille, Karamel, Baileys, Grappa) ausgetauscht. Und natürlich auch über ein gemeinsames Projekt. Bevor wir aber das Geschäft deckeln konnten, wurden wir übertönt vom

(notula preview)

etkbooks @ Buchmesse Olten 2009

Die Buchmesse Olten findet dieses Jahr vom 29. Oktober bis am 1. November 2009 statt:

Stadttheater Olten, Kultur und Tagungszentrum, Froburgstrasse 5, 4603 Olten

etkbooks präsentiert am Freitag und Samstag sein Verlagsprogramm am SWIPS Gemeinschaftsstand. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Öffnungszeiten:

Donnerstag 10 – 18 Uhr

Freitag und Samstag 9 – 18 Uhr

Sonntag 9 – 16 Uhr

die ersten Mordgelüste aus Mitleid. (GuU12)

Am Lepétimnos stauen sich dunkle Wolken. Ein Nescafé, viele Zigaretten, kaum Sätze. Früher Spaziergang durch die Stadt, unten, noch in der Sonne. – Scharfe, unwirkliche Kontraste. Doch Molyvos ist anstrengend heimisch geworden: Dieses Heimische kann von den Augen kaum überwunden werden. Das Wiedererkennen ereignet sich an jeder Ecke. – Ich empfinde zum ersten Mal Überdruß beim Anblick zweier Mädchen auf der Ufermauer; überhaupt geht mir Feininger auf die Nerven. Er ist berechenbar geworden. Als fülle er bald einen mir bekannten Raum nur noch aus, als kenne ich bereits seine Formel.

“Aber nein”, antwortet er mir, “Mädchen sind unergründlich – wir wissen nie, was wir von ihnen wollen.”

Der blinde Sohn zerrt eine junge schwarze Ziege am Seil über die Wiese. Mit den Augen des einbeinigen Alten, der ihm Anweisungen gibt, bindet er sie an einem Holzpflock fest. Zufrieden gehen sie Arm in Arm (der Blinde ist bemüht, seinen Vater zu stützen), Schritt für Schritt zurück zum Haus. – Die junge schwarze Ziege versucht sich anfangs loszureissen … – ich lese auf der Terrasse (ein Brief von Anne, später Starobinski), während sie zu jammern beginnt, herzzerreißend schreit nach ihrer Mutter. – Ein bemerkenswerter Plan der beiden, ungeliebte Nachbarn in den Wahnsinn zu treiben: nach einer halben Stunde die ersten Mordgelüste aus Mitleid.

Aus “Gestell und Ungestalt. Fassung erster Hand” von Rainer Hoffmann. Gestell und Ungestalt ist soeben bei etkbooks erschienen.

dort immer nur gewesen. (GuU11)

Sehr früh aufgestanden. Mit Kopfschmerzen im Ziegengebimmel. Eine Tasse Tee am Küchentisch. Plötzlich fährt eine Hand durch Solanges Einschlupfloch und drückt von unten innen die Klinke. Die Tür geht auf. Susana steht vor mir mit einem Teller “griechischer Krapfen”. Sie erschrickt („er ist schon wach!“), entschuldigt sich, erzählt, sie sei erkältet, und schimpft wie üblich, wie immer, über das Wetter.

Zu vertraut bist du, störende, kaum zu ertragende Figur. Ich drohe dir:  Bald vernehme ich nur mehr deine Stimme, registriere nur mehr deine Anwesenheit …

Spaziergang zu den Klippen hinter dem Hafen. Eine Mulde oben auf dem Plateau. Eine bewachsene Bühne mit Blick hinunter aufs Meer. Eine versenkte Ruine, eine junge Blumenwiese.

Erst das Verlangen, mich wie ein Fohlen auf ihr zu wälzen, mich in ihr zu panieren im gelben Blütenstaub. Im gleichen Moment, beinahe, ein stärkeres, zu bleiben. Hier, in der Ruine, zwischen den Trümmern ihres Fundaments, überwuchert von hohen Gräsern; jetzt, inmitten des Frühlings, die verschwindende Zeit.

Es ist mein Blick, der sie dehnt, die Landschaft endet. Hinter einer Reihe Pinien, an einem kleinen Kap – der erstarrten Zunge hinaus ins Meer.

Wie es sagen, jetzt, noch im Gesumme der Bienen? Andere Augen sogen hungrig das Bild in mich ein, ein Fremdes sprang in mir auf, erkannte es wieder und schwieg, und flüsterte doch: Du bist immer nur dort, dort immer nur gewesen.

Aus “Gestell und Ungestalt. Fassung erster Hand” von Rainer Hoffmann. Gestell und Ungestalt ist soeben bei etkbooks erschienen.

2007-11-13 über das Averbal jedoch

wenn ich mich nun schon wenn

mich eingeholt hat mich ein

habe eingeholt die segel laken

schlierig schleirig mir einge

holt taschen brot eingeholt guava

wiederholtes ein ein

über das Averbal jedoch ein Austausch möglich sei. Erste Metrofahrt. Es gibt die Wagen der Frauen und es gibt Engnis. Da quetsche ich mich dazu. Das Visum muss verlängert werden. Es gibt die amtlichen Prozedere und das Plaudern. Ich quetsche mich vor. Scheinverstehen Scheintüren Scheinzuhören ich befasse mich weiter mit dem Wort “rau”, das sein schönes “hhh” hergeben musste, denke an Ruach, das Rau(h)e, und das ähnlich lautende Wort aus der Schöpfungsgeschichte, dieser wunderliche Geruch des Abends. Und schon vertagt, das schöne Crescendo und Decrescendo der Rede, habe darob vergessen, nach dem Inhalt der Voten zu fragen der rauchenden Teetrinker um mich herum,

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