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ab sofort lieferbar ist der Titel:

ONPOS. Wörter, die es gar nicht gibt

Fritz Michel / Hartmut Abendschein (Hrsg.)

Motivserie: Körper

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Unter Onomatopöien verstehen wir Wörter, die es gar nicht gibt! Onomatopöien imitieren Laute oder Geräusche der allgemeinen Phänomenologie im Sinne physikalischer Vorgänge oder der Materialkunde als grobe Kopien akustischer Realität. Onpos versuchen mit Hilfe der Schrift – häufig Grossbuchstaben mit Ausrufezeichen – einen Laut nachzuahmen und greifen ein in das gesetzlose Gebiet der Wortschöpfungen. (Auswahl auf Grundlage von Ernst J. Havlik: Lexikon der Onomatopöien. Die lautimitierenden Wörter im Comic, Frankfurt a. Main 1981)

Dezember 2010, limitierte Sets, beinhaltend:

1 komplette Sammlerbox mit

20 unterschiedlichen ONPOS-Buttons auf Stoffmustern

5 Karten mit ONPOS-Lexemen nach Havlik

1 etkbooks-Button

ISBN: 978-3-905846-13-3, €40 / 50 SFr + p&p

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Eine Einzelbestellung enthält:

1 ONPOS-Button

1 Karte mit ONPOS-Lexemen nach Havlik

1 ONPOS-Etui

je €3 / 4 SFr +p&p.

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Üxhöl-Dügüx-Kedröm-Diggs

Sie lagen dann wieder eine Weile still in ihren Liegestühlen und lauschten dem Plätschern des Uferwassers, das von dem ferneren Rauschen der Strömung weiter draussen im Fluss untermalt war.

Ist schon verdammt gut eingerichtet hier draussen, um einem als Cro-Magnon-Mensch ein wenig Erholung zu bieten, dachte Aaron. Diese Ruhe, dieses Plätschern, dieses Sonnenlicht. Ja, alles einfach dafür eingerichtet, um sich ein wenig gehen zu lassen.

Als wäre das alles dafür gemacht, dass sich der Cro-Magnon-Mensch darin ausruhen kann.

Und ja, es gab diese verrückten Theorien über die Erde, das Sonnensystem, die Galaxis und das gesamte verdammte Weltall, dass alles, angefangen von den Gesetzen der Natur bis zu den Gewichtsverhältnissen zwischen den Elementarteilchen verdammt präzise daraufhin abgestimmt ist, vier Cro-Magnon-Menschen an einem Fluss ausruhen zu lassen. Naja so ungefähr jedenfalls hatte Aaron das einmal an einem dieser Anny-Elling-Vernissagen von einem dieser Oberkosmologen auseinandergesetzt bekommen. (Aaron konnte sich vage daran erinnern, dass die ganze Geschichte darauf hinausgelaufen war, das Liegen in einem von Anny Ellings Liegestühlen als das grandiose Endresultat des ganzen verdammten Universums zu erklären; und verdammt nochmal, genau das tat Aaron jetzt: Er lag in einem dieser unendlich bequemen Anny-Elling-Liegestühle und liess es sich verdammt gut gehn).

(Aus: L.E.M., Üxhöl-Dügüx-Kedröm-Diggs, S.138)

L.E.M. ist Lukas E. Meier, Sänger der Band kleinerHAi und Science-Fiction-Autor. Er hat bisher unter dem Namen Louis Hagendorn die zwei Kriminalromane Der Abgang und Black Day veröffentlicht. Er ist 1971 geboren, hat Psychologie studiert, etwas Philosophie und etwas Informatik. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich mit dem Weltall-Projekt, einem mehrere Romane umfassenden Kosmos, dessen erster Band Üxhöl-Dügüx-Kedröm-Diggs darstellt. Der zweite Roman des Weltall-Projekts wird im Dezember 2010 erscheinen.

Kleine Formen nach Ponge (notula nova supplement X)

Ein Credo der notula nova (und zur Poetologie dieses Blogs).

(…) “…Ich habe mich entschieden”, schreibt Ponge in einer Vorbemerkung zur Buchausgabe der “Wort-Feige”, und zwar “für diesmal, ohne den geringsten Rückhalt, die ganze große Anzahl der Blätter vorzulegen, die ich habe vollschmieren müssen, um fertigzustellen (will sagen: um wirksam zu machen) – ja, was denn? Was für eine Art von Werk?” Und ironisch fügt er bei, es handle sich um einen “edizierten”, einen von ihm “befohlenen” Text, der ausschließlich seinem privaten Spaß zu dienen habe …

Doch auch dieser private Spaß (wenn es denn ein solcher – ohne Anführungsstriche – gewesen sein sollte) gewinnt bei Ponge den Charakter eines “edizierten”, eines selbst-„befohlenen“ Vergnügens, das einerseits darin besteht, grundsätzlich jedes zur Schrift gewordene Wort – und sei es auch noch so “banal”, noch so „derb, noch so “falsch” – für literaturfähig zu erklären, es in den Rang einer sakrosankten “Gravur” zu erheben; andererseits darin, der überkommenen Gattungstheorie wie auch der literarischen Rhetorik und Stilistik den Abschied zu geben zugunsten eines im eigentlichen Wortsinn poetischen, nämlich selbsttätig schöpferischen, also permanent im Entstehen begriffenen Diskurses, der sich – anders als die nach vorgegebenen Regeln instrumentierte “schöne Literatur” – dem zuwendet, was „nicht der Rede wert“ ist, wobei der scriptor lediglich die Aufgabe zu übernehmen hat, die „Ungeschicklichkeiten“ und „Verzerrungen der eigendynamischen Sprachbewegung durch willentliche “Imperfektionen, überflüssigen Flaum, Warzen, Mängel, Asche” zu verstärken.

Vom Spaß an derartiger “Imperfektion” sind auch die “Schreibpraktiken”, Ponges bislang letztes Werk, geprägt; es handelt sich dabei um eine Sammlung höchst disparater Texte, die vor der Drucklegung offensichtlich weder redigiert noch geordnet, sondern in dem – unabgeschlossenen – Zustand und in der – zufälligen – Reihenfolge veröffentlicht worden sind, wie der Verleger sie vom Autor übernommen hat. Ponge selbst charakterisiert diese Texte in einer knapp gefaßten Vorbemerkung zu seinem Buch als “Skizzen, Entwürfe oder Konzepte”, betont jedoch, daß sie, trotz ihrer formalen Unvollkommenheit, “Fragen zum Gegenstand” haben, die ihn “seit jeher und für immer in quasi obsessioneller Weise beschäftigen”, und daß sie – wohl gerade wegen ihrer Unvollkommenheit – geeignet seien, eine “neue literarische Gattung” zu begründen. (…)

Aus dem Nachwort von Felix Philipp Ingold zu Francis Ponge, Schreibpraktiken oder Die stetige Unfertigkeit (1988).