Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 11/2017)

Es schlägt der Weltuntergong.
 
 
 
 

Viele Schriftis sind bloß schlechte Fälscher, die Kopien herstellen, ohne sich wenigstens gerade auch noch den Namenszug des Kopierten anzueignen.
 
 
 
 

Und dann diese erschreckenden Bilder: Weil der Urologe mir das angetan hat (nicht korrekt aufgeklärt, nicht korrekt vorabgeklärt und belogen über die Notwendigkeit der Operation) UND danach zu meinen Schmerzen sagte, das alles sei »psychodynamisch«, habe ich vor dem Einschlafen diese Gedanken: Ihn festzubinden, ihn mit einer brennbaren Flüssigkeit zu übergießen, ihn anzuzünden – und wenn er vor Schmerz schreit, ein Foto von ihm in Lebensgröße hinzuhalten mit den Worten: Aber sehen sie doch hier, ihnen geht es doch gut, sie bilden sich das alles nur ein!
 
 
 
 

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Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 10/2017)

Ob man spätestens mit 70 Jahren alle Menschen schnell und schmerzlos töten sollte? Man überlege es sich einmal: Jede/r weiß, wie alt sie/er höchstens würde. Wie befreiend! Man würde nicht mehr so vieles immer auf später verschieben etc. undsoweiter … Und alle würden gleichbehandelt. Egal wie berühmt, wie reich oder wie einflussreich.
 
 
 
 

Ich dachte schon früh, ich werde mal an etwas völlig Banalem zugrunde gehen. Aber ich war nicht darauf gefasst, dass es mich tatsächlich in der bürgerlich-biedersten Form treffen würde. Ich war eher gefasst auf einen billigen Raubüberfall in einem urbanen Südstaatenhinterhof der USA oder eine Infektion bei der Arbeit mit Straßenhunden in Rumänien.
 
 
 
 

Ich bin ein verdammter Kulturhysteriker.
 
 
 
 

Wenn man an Schmerz leidet, wartet man so sehr auf die Abwesenheit des Schmerzes, die man sich herbeiwünscht, dass man keine andere Gegenwart erträgt.

Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 09/2017)

Ein Dachs, der liebte Lachs … Doch weil er dadurch immer wieder zum Mörder wurde, kam er zum Entschluss, er wolle sich aus der Welt schaffen. Aber vorher wenigstens zum Ausgleich noch ein paar von denen totbeißen, deren Leichname dann als ausgleichende Gerechtigkeit die Waage in der Schwebe halten würde, zu all den toten Fischen in der anderen Schale. Und so biss er hunderte Jäger tot. – Damit endet dieses Leerchen.
 
 
 
 
Jeder Schriftsteller sollte sein Buch vor Veröffentlichung zwei Mal laut vorgelesen bekommen!
 
 
 
 
Au! – – – ??? Reh! – Lia!
 
 
 
 
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Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 08/2017)

Wenn man doch
Einmal noch
Ganz von vorn
Weg den
Durch die Flasche
Könnte wählen
 
 
 
 
Mein Arzt zu mir: Wenn ihnen nichts mehr weh tut, Herr Riedo, sind sie tot.
Ich (schlag ihm auf die Fresse): That’s life for you, ha!
 
 
 
 
Das seit 2004 vom Verfasser aufgebaute ›Wolf-von-Niebelschütz-Archiv‹, das inzwischen das zweitgrößte Archiv zu diesem Schriftsteller sein dürfte (neben dem Literaturarchiv Marbach), welches – zumindest auf Anfrage – jedem seriös Forschenden offensteht. Man schreibe an: dr@dominikriedo.ch oder an die jeweils aktuelle Postadresse, die man auf meiner Homepage findet: www.dominikriedo.ch. Gegenüber Marbach sind vor allem gut drei Dutzend Bücher aus der ehemaligen Bibliothek von WvN vorhanden, einige seltene/spezielle Ausgaben seiner Werke, Wehrmachtszeitschriften mit Artikeln von ihm, signierte Ausgaben (auch von anderen an WvN), sowie als Ergänzung zu Marbach einige alternative Manuskripte, Typoskripte, Druckfahnen, handgeschriebene Briefe, ein Plakat zu Eulenspiegel in Mölln, Visitenkarten, Tondokumente, ein Tagebuch, eine von ihm benutzte Landeskarte der Schweiz, Materialien zu ihm sowie ein großer Teil seiner Veröffentlichungen und der Sekundärliteratur inklusive Rezensionen.
 
 
 
 
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Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 07/2017)

Traditionen stehen als eine Art Dach und Dachbegriff bei Wolf von Niebelschütz über allem in seinem Leben (also ist es ein sehr breiter Traditionsbegriff). Dabei wurden die Traditionen selbst beziehungsweise das Erfüllen seines Traditionsverständnisses von WvN und auch von außen (vor allem in seiner Haltung zu einzelnen Phänomenen) teilweise enorm ambivalent erlebt. Man kann aber zeigen, dass er, was ihm in diesem Zusammenhang oft vorgeworfen wird, kein Nazi war, sondern eher ein feiger Schweiger, der sich ethisch möglichst korrekt durchwursteln wollte, im Einklang mit seinen ihm inhärenten Traditionsvorgaben. Auch in seinem Werk behinderte ihn seine eigene Traditionsfixiertheit lange Zeit eher. Außer beim Blauen Kammerherrn, wo eine Art Barockstil absolut passte, verhinderte dieser immer und immer wieder angewendete Stil weitere bedeutende Werke – bis er es in den 1950er-Jahren schaffte, aus seinem bisherigen Stil zu fliehen und für das zweite Hauptwerk, Die Kinder der Finsternis, entscheidend zu ändern (persönlich gesehen seine bedeutendste Innovation); er schaffte es also, seiner ihn behindernden Verwurzelung und den Traditionen teilweise zu entfliehen, über den Umweg von Auftragsarbeiten, bei denen er sich von Beginn weg freier bewegte, nicht von den eigenen Traditionslinien behindert wurde und fest verwurzelt bleiben zu müssen meinte.
 
 
 
 
Sie bringt sich um; aber der Postvasektomieschmerz erinnert ihn zum Glück an sie …
 
 
 
 
Der Omibus ist wieder voll!
 
 
 
 
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