Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 09/2017)

Ein Dachs, der liebte Lachs … Doch weil er dadurch immer wieder zum Mörder wurde, kam er zum Entschluss, er wolle sich aus der Welt schaffen. Aber vorher wenigstens zum Ausgleich noch ein paar von denen totbeißen, deren Leichname dann als ausgleichende Gerechtigkeit die Waage in der Schwebe halten würde, zu all den toten Fischen in der anderen Schale. Und so biss er hunderte Jäger tot. – Damit endet dieses Leerchen.
 
 
 
 
Jeder Schriftsteller sollte sein Buch vor Veröffentlichung zwei Mal laut vorgelesen bekommen!
 
 
 
 
Au! – – – ??? Reh! – Lia!
 
 
 
 
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Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 08/2017)

Wenn man doch
Einmal noch
Ganz von vorn
Weg den
Durch die Flasche
Könnte wählen
 
 
 
 
Mein Arzt zu mir: Wenn ihnen nichts mehr weh tut, Herr Riedo, sind sie tot.
Ich (schlag ihm auf die Fresse): That’s life for you, ha!
 
 
 
 
Das seit 2004 vom Verfasser aufgebaute ›Wolf-von-Niebelschütz-Archiv‹, das inzwischen das zweitgrößte Archiv zu diesem Schriftsteller sein dürfte (neben dem Literaturarchiv Marbach), welches – zumindest auf Anfrage – jedem seriös Forschenden offensteht. Man schreibe an: dr@dominikriedo.ch oder an die jeweils aktuelle Postadresse, die man auf meiner Homepage findet: www.dominikriedo.ch. Gegenüber Marbach sind vor allem gut drei Dutzend Bücher aus der ehemaligen Bibliothek von WvN vorhanden, einige seltene/spezielle Ausgaben seiner Werke, Wehrmachtszeitschriften mit Artikeln von ihm, signierte Ausgaben (auch von anderen an WvN), sowie als Ergänzung zu Marbach einige alternative Manuskripte, Typoskripte, Druckfahnen, handgeschriebene Briefe, ein Plakat zu Eulenspiegel in Mölln, Visitenkarten, Tondokumente, ein Tagebuch, eine von ihm benutzte Landeskarte der Schweiz, Materialien zu ihm sowie ein großer Teil seiner Veröffentlichungen und der Sekundärliteratur inklusive Rezensionen.
 
 
 
 
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Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 07/2017)

Traditionen stehen als eine Art Dach und Dachbegriff bei Wolf von Niebelschütz über allem in seinem Leben (also ist es ein sehr breiter Traditionsbegriff). Dabei wurden die Traditionen selbst beziehungsweise das Erfüllen seines Traditionsverständnisses von WvN und auch von außen (vor allem in seiner Haltung zu einzelnen Phänomenen) teilweise enorm ambivalent erlebt. Man kann aber zeigen, dass er, was ihm in diesem Zusammenhang oft vorgeworfen wird, kein Nazi war, sondern eher ein feiger Schweiger, der sich ethisch möglichst korrekt durchwursteln wollte, im Einklang mit seinen ihm inhärenten Traditionsvorgaben. Auch in seinem Werk behinderte ihn seine eigene Traditionsfixiertheit lange Zeit eher. Außer beim Blauen Kammerherrn, wo eine Art Barockstil absolut passte, verhinderte dieser immer und immer wieder angewendete Stil weitere bedeutende Werke – bis er es in den 1950er-Jahren schaffte, aus seinem bisherigen Stil zu fliehen und für das zweite Hauptwerk, Die Kinder der Finsternis, entscheidend zu ändern (persönlich gesehen seine bedeutendste Innovation); er schaffte es also, seiner ihn behindernden Verwurzelung und den Traditionen teilweise zu entfliehen, über den Umweg von Auftragsarbeiten, bei denen er sich von Beginn weg freier bewegte, nicht von den eigenen Traditionslinien behindert wurde und fest verwurzelt bleiben zu müssen meinte.
 
 
 
 
Sie bringt sich um; aber der Postvasektomieschmerz erinnert ihn zum Glück an sie …
 
 
 
 
Der Omibus ist wieder voll!
 
 
 
 
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Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 06/2017)

Komm in den Kunstbunker: Der Aufschlitzer zerfickt Deine Träume!
 
 
 
 
Wolf von Niebelschütz (1913–1960) polarisiert. Man mag ihn seiner Sprache und seiner Erzählkraft wegen, oder man findet ihn irgendwie abstoßend. Dazwischen gibt es fast nichts. Folglich geben die einen dem zum Beispiel so Ausdruck: »[D]ie Sehnsucht nach dem irdischen Paradies ist so alt wie die Dichtung, und sie kann immer wieder zu ihrem Gegenstande werden. Ein einziges Mal ist das in der Nachkriegsliteratur geschehen, im ›Blauen Kammerherren‹ des deutschen Dichters Wolf v. Niebelschütz, einem Roman, der die gesamte Elendsliteratur durch seine Schönheit, Poesie und Kunstfertigkeit überragt.« Die anderen zum Beispiel so: »An diesen 995 Seiten [von ›Der Blaue Kammerherr‹] hat der Verfasser sieben Jahre lang geschrieben. Rechnen wir nach: also etwa seit Stalingrad. Es gingen Hunderttausende nach Sibirien, der Autor schrieb an dem galanten Roman. Es fielen täglich und nächtlich Menschen und Bomben – der Autor schrieb galant weiter. Es geschah dann noch einiges, aber der Autor ließ sich nicht beirren: seine Gedanken waren bei Danae, sechzehnjährig, blond und süß. Kann sich einer sieben Jahre lang irren?«
 
 
 
 Die Zeiten wiederholen sich: Früher wurden die Gerbereien in die Armenquartiere gedrängt; heute liegt die Lederproduktion vor allem bei Brasilien, China und Indien (und in den USA) …
 
 
 
 
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Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 05/2017)

Solothurn/Bern, den 29. Mai 2017

Sehr geehrte Frau Wirtz Eybl

Bei den Solothurner Literaturtagen am Tisch der Literaten ist mir die Idee gekommen … Seit dem Jahr 2000, als ich in einem Kolloquium des Schweizer Literaturarchivs an der Universität Zürich («Von der Leine ins Netz» oder so ähnlich; ich haue das nur grad rasch in die Tasten; es ging um die berühmten Wäscheleinen von Ludwig Hohl und darum, was von den Schriftstellerinnen und Schriftstellern im Internet-Zeitalter an nicht-digitalen und/oder digitalen Spuren, vor allem von den Werkstufen, noch bleiben wird) teilnahm, habe ich mir immer wieder überlegt, was eigentlich ab der Generation Digital von der Arbeit einer/eines Literatin/Literaten noch bleiben wird ausser dem Endprodukt des Buches und einiger Vornotizen. Selbstverständlich gibt es die Literaturschaffenden, die alle Stufen aufbewahren, alle Sicherheitskopien jeden Tag. Aber das sind nicht alle – und ausserdem sind das dann ziemlich viele Stufen, die wohl auch nur noch digital wiedergegeben werden könnten.
Die Idee nun, von der ich nicht weiss, ob sie irgendwo in einem Land schon besteht, von der ich und die hier gefragten Schriftstellerinnen und Schriftsteller aber noch nie gehört haben, bestünde darin, dass das Schweizerische Literaturarchiv den mit der Schweiz verbundenen Schriftstellerinnen und Schriftstellern die Möglichkeit anbietet, ihre gerade entstehenden Werke zu jedem Zeitpunkt, nach jedem Arbeitsschritt, der ihnen passend erscheint, digital ins Archiv stellen zu lassen. Das Schweizerische Literaturarchiv garantiert, dass diese Dateien aufgehoben werden, die Schreibenden garantieren, dass Sie sie behalten dürfen, auch wenn sie sich später für gewisse Zwischenstufen schämen würden.
Wir hier sind uns sicher, dass so mehr Material ins SLA wandern würde, als wenn eine Autorin/ein Autor am Ende des Lebens alles zurechtlegt und das aussondert, das sie/er aus welchen Gründen des späten Lebens auch immer er oder sie nicht mehr überliefert wissen möchte. Es würde wie die Schreibenden etwas überlisten, mehr zu hinterlassen als sonst …
Das würde noch nicht heissen, dass Sie sich verpflichten, dann den ganzen Nachlass zu übernehmen (ich weiss ja, dass dies vom Platz her gar nicht möglich ist), aber diese digitalen Formen könnten ein Zusatzarchiv zum regulären Archiv sein, bei dem die/der entsprechende Urheber/in für diesen «Vorlass» auch keine finanzielle Abgeltung erhielte.
Also ein «Archiv der Vorstufen» in digitaler Form.

Mit erlesenen Grüssen

Ihr
Dominik Riedo
 
 
 
 
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