Metaphysik

Am Anfang war das A. Dann sangen Schaben.

Doch oben zogen Wolken. Drohend flog

Ein Schwarm kohlrabennachtpechschwarzer Raben.

Ein Holzkoloss, der wohl zwo Tonnen wog,

Schult Unterholz im Umstellen von Uhren.

Worauf sich mit der Zeit der Raum verbog.

Unterm Gemurmel schläfriger Lemuren

Entzieht ein Käfer sich dem Spätgebet.

Und ein Kastrat kommt anderswo auf Touren.

Es quält Gelächter gellend hell und – seht! –

Ein Nietensplint will in den Fakir dringen.

Im Schuppen schlenkert scheppernd Blechgerät.

Und im Gewirr von irrsinnigen Dingen

Hockt hoheitsvoll ein Höhendemagog,

Den Reißverschlüsse inniglich besingen.

Und diese Zeile dient als Epilog.

taz > (GROa)

In: Die Liebe zu den Heitergeistern

“Eine still begonnene, inzwischen rauschende Renaissance des witzigen Reims hat schon Mitte der neunziger Jahre die “tageszeitung” initiiert, auf deren letzter Seite sich neben Meistern wie Fritz Eckenga („Oben lag der Apennin / Unten legte ich mich hin“), und Thomas Gsella auch immer wieder Nachwuchs wie der Rilke-Parodist Raabe findet, der sein Talent erst einmal nebenberuflich verwirklicht.”

Die Liebe zu den Heitergeistern > (GROa)

Eröffnungstag

Herr: es ist Zeit. Im Frühjahr war nichts los.

Schenk Sonne Portugiesiens Wiesen

Und Rudis Riesen auch mal einen Freistoß.

Empfiehl den Fans nicht allzu voll zu sein,

Gib Ballack brasilianischere Tage.

Pass auf die Kirsche auf – und bitte jage

Sie nicht zu oft in Ollis Kasten rein.

Wer jetzt nicht Karten hat, kriegt keine mehr.

Wer jetzt kein Bier kalt stellt, muss warmes saufen.

Wer GEZ nicht zahlt, muss Kicker kaufen

Und durch verwaiste Straßen hin und her

unruhig wandern, wenn wir Holland kaufen.

taz > (GROa)

Großes Finale

Es beginnt leicht, locker, lose.

Viererkette. Flache Bälle.

Ein paar Schwalben. Ein paar Fälle.

Gelb gegen Ziege (wegen Meckern)

Kein Klotzen. Nur ein bisschen Kleckern.

Eins Rivaldo. Eins von Klose.

Verlängerung! Härte im Spiel.

Geschrei. Auch Jancker möchte spielen.

Schade, Carsten! So geht’s vielen.

Manch Schienbein wird jetzt klein gehäckselt,

Kaiser Franz noch eingewechselt.

Doch diesmal nützt auch das nicht viel.

Zum Schluss wird Kahn zwölf Elfer halten,

darauf selbst einen noch versenken

und der Nation den Titel schenken.

Die Welt versinkt im Schrei der Massen.

Brasilien kann’s gar nicht fassen.

Dann toben höhere Gewalten.

Der Himmel wird entzwei zerreißen.

Siebenmähnige Hyänen

mit solchen wie Ronaldos Zähnen

gehen nieder. Seraphims

auf die Fans und Teams

nasse Adiletten schmeißen.

Der Fußballgott wird niederfahren,

Walters Fritz zu seiner Rechten,

und dann alle jene schächten,

die an ES nicht glauben wollten,

die mit den Augen zweifelnd rollten,

die Rudi niemals hörig waren.

Es wird das Ende aller Arten.

Es wird das große grause Richten

mit Hagel, Feuer, Rauch, Vernichten

und ekelhaften Elixieren.

Die Erde wird zugrunde gehen

und als Fußball neu entstehen!

Kerner wird dann kommentieren:

“Das war so nicht zu erwarten!”

taz > (GROa)