September

Du, Neunter, einst der Römer Siebter,

bist nur zu Recht ein ganz Beliebter.

Ach, Spender letzter Sommerwonnen,

granatgefärbter Abendsonnen,

von roten Äpfeln, blondem Weizen.

Du musst auch nicht so maßlos heizen

wie diese Julis und Augüste.

(Angeber, die man streichen müsste.)

Nein, du bist feines Sinnensausen,

bar sinnentleerter Fußballpausen,

und bleibst – anders als Grass’ Gedicht –

doch mehrdeutig und vielgeschicht.

Erfüllst uns auch mit schlimmem Schauder:

Geburtsmonat des Volker Kauder.

Frech fegst du uns die Haare platt,

sofern man denn noch welche hat.

Lässt böse es an Börsen stürmen,

die Banker fallen aus den Türmen,

ganz wie der DAX steil abwärts sausend.

(Tipp: Monatsende knapp fünftausend)

Was mich noch an dir hängen lässt,

Eröffner des “Oktober“fest

und Todesmond so vieler Ochsen,

das ist dein Hang zum Paradoxen.

Der hebt dich aus der Monatsmasse.

September, du hast wirklich Klasse.

Nur was ich nicht so an dir mag:

Nicht ein einziger Feiertag!

taz > (GROa)