Freitag, 09. Februar 2007

Kleine Zettelkunde V (EuD)

(Wie Nachschlagen?)

Hin und her überlegt, was - nach der GestaltundGenesePassage - dem Text noch mitzugeben ist. Es handelt sich ja hierbei nicht (wie üblich) um eine Enzyklopädie des Suchens, sondern eine des Findens, und dieses “Aufs Finden gehen” braucht einen Impuls. (Vielleicht handelt es sich aber auch nur um ein gefühltes Nutzerbedürfnis). Genau das liesse sich wieder paraphrasieren und theoretisieren und vornanstellen. Ich fand aber, dass so eine Passage den Haupttext etwas belästigen würde. Ein Verschweigen und Übergehen dieses Gedankens schien mir aber auch nicht glücklich. Was mir nun weitaus geschickter scheint, ist das Herausgreifen eines Zitates, eines “Eintrags” also, der gleichsam einleitet, buchstäblich einführt ("→"), und selbst in seiner Art und Weise die Poetik des Textes vertritt, also bspw. dieser:

Du brauchst nur kreuz und quer durch mein Lexikon zu lesen, so wie Du Dich ja auch an Deinen Feldwebel, die erste Flaschenmilch und Dein zukünftiges Zimmer im Altersheim durcheinander erinnern kannst. Das ist die Welt. In der vorgeschriebenen Reihenfolge vorgeschriebene Blicke zu werfen, ist hingegen klassische Lektüre oder vortauwetterlicher Ost-Tourismus. Ich will Dich - versuchen wir es einmal - aus der Lektüre in die Welt befreien.
Quelle: Andreas Okopenko, Lexikon Roman - eine sentimentale Reise zum Exporteurtreffen in Druden, 1970
→ Enzyklopädie

text #4407 (hab) ∈ kleine zettelkunde
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kommentare

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#1

perfekter text für die klappe.
(haben enzyklopädien überhaupt ein vorwort?)

mah  am  09.02.07
#2

depends. das nächstbeste im griffbreich - der kleine fremdwörterduden - hat eins. Fremdwörter müssen nicht Glückssache sein. - so gehts da los. genau so einen einstieg will ich aber vermeiden. aber mal wörtlich genommen: wo kämen wir denn hin, wenn ein wort, ein ganzer text, kein vorwort hätte?

hab  am  09.02.07
#3

wörtlich genommen: vorwort als vorwörtliches, so wie die vorsprache zur sprache steht?

mah  am  09.02.07
#4

richtig. so eine alleinstellung eines wortes: macht doch keinen sinn. o.a.: zuviel des sinns. so ein wort will doch geschichte und erfahrung. will doch ahnen und urahnen.

hab  am  09.02.07
#5

aber woanders heisst’s doch auch: man solle die toten ruhen lassen. 

mah  am  09.02.07
#6

du sagst es selbst: “woanders” und “auch”. (hat das wort einen ort, dann nur dort, wo es ist. das gilt zeitl. und räuml. alles andere ist in ähnlichstem falle: synonym. nichts spricht aber gegen die existenz - nun - verschiedenster räume.)

hab  am  09.02.07
#7

dann ist das vorwort kein ort für das wort, denn vor dem wort ist es nicht. das vorwort ist die schwelle, an der man die schuhe auszieht, sich das gesicht und die hände wäscht, anklopft und hofft, das wort bitte einen hinein. jeder raum dient seinem zweck. es gibt auch den ort der stille. logischerweise befindet sich dieser vor und nach dem wort. 

mah  am  09.02.07
#8

da kann und will ich gar nicht mehr nachdoppeln. das ist schön so. und darum wahr. und logisch. barfuss. h.

hab  am  13.02.07
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