Donnerstag, 18. Dezember 2008

sunō

ein tiefer eindruck
im wald der wörter für schnee
verliert sich die spur
bäume heissen hier buchen
das wasser in einer hand

text #4908 (rin) ∈ shōji arazu
(12) kommentareprintpermalinkrss (dieser beitrag)
Verwandte Beiträge:


kommentare

hinweis: bitte erst denken, dann schreiben! kleine tippfehler werden von uns stillschweigend korrigiert. kommentarlose löschungen behalten wir uns vor.

#1

tief in das heißen
drückt in den schnee
das baum der buchen
die wasser haben
was handverloren
spuren verwortet

parallalie  am  18.12.08
#2

schnee heissen
baum buchen
wald wörtern

hab  am  18.12.08
#3

:-)...!

 am  19.12.08
#4

und buchen
bäumen wald
wo schnee
ein heiß es :
winter

parallalie  am  19.12.08
#5

wenn die wörter immer weniger werden und kombinationen immer wahrscheinlicher ... darf man noch schreiben?: gibt es eine lyrik nach buchenwald?

hab  am  19.12.08
#6

die wörter, die eigentlichen, sind wenige. was nie berechenbar ist, sind ihre zwischenräume. ihre beziehungen zueinander. kann man das so sagen: die wörter seien in einem gedicht menschen? die aufeinander wirken? - buchenwald: der immer nachwachsende. man darf nicht. aber auch nicht nichts sagen. wenn lyrik das schöne will, dann soll sie nicht. oder es dennoch dagegen behaupten. freibrief?

parallalie  am  19.12.08
#7

der buchenwald, hier auch als vergessensmetapher, wächst nach, das ist richtig. und aussagen verändern sich unter neuen nutzungsbedingungen. allerdings, wenn es stimmen sollte, dass dichtung auch wissen speichert, muss man dinge (vielleicht nicht immer im haupt- sondern auch im nebentext, wie hier) benennen, wenn man bspw. an einer assoziation gar nicht mehr vorbeikommt. (das ist vielleicht ein selbstauftrag, den ich hier ableite. ich musste #5 also schreiben, weil ich ab einem bestimmten zeitpunkt gar nicht mehr anders konnte, als das zu tun.) einen freibrief (und das ist kein moralischer sondern einer der geschichte) gibts wohl erst dann, wenn das wissen darüber komplett in infotainment aufgegangen ist oder sonstwie vergraben wurde. ob es dann allerdings noch diese gattung gibt? vielleicht historisiert sich die ja doch mit dem wissen über auschwitz. und adorno hätte recht behalten. irgendwie ...

hab  am  20.12.08
#8

Vielleicht gibt es da ja noch einen Teil der unter das ganze Wortgespiele fällt, einfach so unter den Tisch und das nennt sich Genozid oder vergißt man das auch je nach den neuen Nutzungsbedingungen, ein komisches Wort übrigens im Zusammenhang mit Leichenbergen

 am  20.12.08
#9

eben das habe ich ja versucht oben anzudeuten. fragen sie mal einen maturanden, was er mit buchenwald assoziiert. mit dem komischen wort, aus einem jargon der uneigentlichkeit habe ich auch eher lakonisch auf eine lehrverfassung angespielt, die alles andere wichtiger findet, als eine arbeit am eigenen gedächtnis.

hab  am  20.12.08
#10

würde er aber mit buchenwald nur eine abscheuliche geschichte verbinden, wäre es ebenso grauenvoll, als wenn er dem mechanismus seinen gang ließe, der eine solche ermöglicht. das gedächtnis hat der, der es (üb)erlebt hat. uns nachgeborenen (bewußt ein Brecht) bleibt der schrecken, den uns einerseits eine gewisse saubermacherei eingeimpft hat, andererseits aber bei denen haften blieb, die dafür ein empfinden entwickeln konnten, jenseits aller saubermacherei. das hat mit definitionen von wörtern nichts zu tun. vielmehr verliert sich alle sensibilität daran. die rede ist vom leichten und sanktionierten griff zur axt gegen den anderen. oi weh!

parallalie  am  28.12.08
#11

ganz der ihre. mir ging es da auch nicht um ausschliessliche bedeutungen oder monosemische konstruktionen, wegen mir auch: polysemismen, die dominant gekernt oder verpflichtend wären. allein: in diesem thread ging das wort der „wortgespiele“, auch der bedeutungsunterlassung, die ja eben – weil es nun einmal präsent wurde – vorher aufkam. und das ganz ohne intention einer blossen spielerei, sondern eben: eines spielerischen ernstes, also: dass in jedem spiel mit bedeutung eine ernstanlage da ist, wenn wirs mit sprache haben. und umgekehrt. darum gings mir. die länge der stile der äxte unbenommen. guten rutsch (und ich durfte eben lernen, dass der von hebr. “rosch"= anfang herrührt)

hab  am  31.12.08
#12

die sprache ist eine mischpoke, die zu gebrauchen es einiger chuzpe bedarf. ich leg’ steine auf das alte (sah heut’ ein foto von celans grab), damit das neue nicht so schwer wiege. alles gute!

parallalie  am  01.01.09
seite 1 von 1 seite(n)

name:

email (erforderlich):

url (optional):

cookie?

benachrichtigen?

bitte die zeichenfolge eingeben: