Montag, 05. Mai 2008

über gemüse

kein reim auf spargel
leer bleibt sein platz im gedicht
dunkel sein wasser

entpfropfte erde
süsslich die schollen im herbst
rübenrot bluten

sattgelbe körper
mehlig bis fest kocht das fleisch
hautkranker knollen

ihr inneres ding
interessiert die bohne
kurz vor dem verzehr

immer ein gleiches
schicht um schicht abgetragen
fenchels geheimnis

form gegen inhalt
kürbisblick leuchtet den weg
zu seiner suppe

triumpf der natur
feldsalat ackert im wind
dazwischen gräser

text #4794 (hab) ∈ laufende verfahren
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kommentare

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#1

hätte nicht gedacht, dass ein gedicht über “gemüse” in irgendeiner form interessant wirken könnte! nun, sie haben mich eines besseren belehrt…

 am  05.05.08
#2

dabei ist gemüse ein unheimlich interessantes thema, das wirklich sehr stiefmütterlich (s.a. zeile 2) behandelt wurde und wird. nicht ganz im feld der naturlyrik, da der mensch ja erst natur zu gemüse macht. aber auch nicht relevanter realismus jenseits der kochtöpfe. eine kulturanthropologische leerstelle, die es noch zu bepflanzen gilt. ein anfang ...

hab  am  05.05.08
#3

Auf Spargel reimt sich:
- Haargel (!!)
- Quargel (Sauermilchkäse mit Rotschmiere)
- Gargel (irgendso eine Pastete mit Schwein)

Auf das erste kann ich gut verzichten, aber ein Teller ganz ohne tierische Produkte löst bei mir schwerste Depression sowie Verdauungsstörungen aus (letzteres nur, falls es mir gelänge, reines Grünzeug runterzuwürgen - das ist bestenfalls Beilage.)
Das Gedicht ist kulinarischer Nonsens, aber als Gedicht wunderbar.

La Tortuga  am  06.05.08
#4

na, das lässt sich doch fast alles bestens in schweineschmalz frittieren. wär das dann formal so in ordnung?

hab  am  06.05.08
#5

Ja, so würds gehen. Das Gemüse muss einfach so verkocht sein, dass man davon nichts mehr schmeckt, und mit Unmengen Käse überbacken.
(Ich habe eben ein Trauma. Es hat mich mal jemand zum Essen eingeladen und ich merkte erst, als ich nicht mehr rückwärts raus konnte, dass wir in einem Vegirestaurant sassen. Was für ein Alptraum.)

 am  06.05.08
#6

darauf noch nen nachtisch. Deep fried Mars-Bar - frittierter marsriegel im backteig. glasgow lässt grüssen ...

hab  am  06.05.08
#7

Iiiihh! Also das ist schon wieder kulturlos. Ausserdem ebenfalls nicht-carnivor. Aber der Schwierigkeitsgrad “simpel” gefällt mir.

 am  06.05.08
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