Donnerstag, 15. Juni 2006

Wait & see

Die Welt ableben, die Jahre herunterreissen, die Strafe absitzen.
Wir Knastbrüder. Die Zeit und ich.

text #4242 (hab) ∈ epigramme
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kommentare

hinweis: bitte erst denken, dann schreiben! kleine tippfehler werden von uns stillschweigend korrigiert. unflat wird kommentarlos gelöscht.

#1

Danach:
Freiheit oder Gefängnisfriedhof?

mah  am  15.06.06
#2

weder noch, also: nix. stifter, erfinder, benenner, eicher (oder wie man will) der zeit bin ja ich. kein ich (wie ich das sehe), also: keine zeit, also kein danach. kein danach, also: kein davor. im grunde löst sich die formel oben selbst auf. sie gibt es einfach nicht.

hab  am  15.06.06
#3

mich natürlich auch nicht.

hab  am  15.06.06
#4

hm. knast-"brüder" heisst es in der formel, die somit ausschliesst, dass das “ich” erzeuger der zeit ist. ein bruder lebt weiter, wenn der andere stirbt. es sei denn, die brüder seien nicht-operierte siamesische.

mah  am  15.06.06
#5

1. paradox: noch alles hat das zeitliche gesegnet. warum sollte eine personifizierte zeit nicht sterben können. also wird der eine bruder vielleicht den anderen nur kurz überleben ... 2. ja, so, wie du das liest, steckt da irgendwie eine inzestuöse beziehung dahinter. aber leiten sich nicht alle beziehungen aus ursprünglich inzestuösen ab?

hab  am  15.06.06
#6

"Oder: als würde es von außen zugewiesen, z.B. mit dem Namen vergeben. Ein Platz, eine Stelle. Dann aber fürchte ich mich wieder.

hab  am  15.06.06
#7

das 1. paradox: das zeitliche segnet alles, ja. segnet es sich selbst, ergibt sich ein theologisches problem: der vater segnet den sohn, nicht der sohn sich selbst. (der vermutete inzest käme also auch hier zum zug.) weiter in der theologie: nicht einmal sie wagt es zu behaupten, gott habe sich selbst erschaffen. sie löst das problem dadurch, dass sie gott einen anfang abspricht. “ich” und die zeit benötigen also einen ursprung, der ausserhalb ihrer selbst liegt. es sei denn, es habe sie schon immer gegeben.

mah  am  15.06.06
#8

hupps. da überschnitten sich unsere kommentare in der zeit.

mah  am  15.06.06
#9

“ich" und die zeit benötigen also einen ursprung, der ausserhalb ihrer selbst liegt. es sei denn, es habe sie schon immer gegeben.
wir rühren hier genau an dem punkt der fichteschen ich-setzung. ich kenne keine exakte stelle, vermute aber, dass, sobald wir so etwas wie zeit entdeckt (vernommen, akzeptiert) haben, fängt die kleine maschine an zu laufen. die frage nach dem anfang (auch, wenn es nur der anfang einer fiktion ist, etwas, das nicht ausserhalb liegt) - ich weiss nicht, ob das damit beantwortet wird. interessante gedankenkette hier. sollte zeit aus einer rein ökonomischen idee entsprungen sein? daraus dann die idee eines anfangs? daraus dann eine (bestimmte) religion? hm.

hab  am  15.06.06
#10

eine grundsatzentscheidung: postuliert man die zeit als fiktion, muss man allem dieselbe freiheit zugestehen. ich liebe diesen gedanken, weil er verführerisch ist.
sieht man die zeit als gegeben an (von ausserhalb gesetzt) wird man ihr gefangener. nichts entzieht sich ihr, nicht einmal gott, von dem thomas von aquin (war es, glaube ich) sagte, dass er - nicht einmal er - in der lage sei, eine frau, die einmal die vorzüge der körperlichen liebe erfahren habe, in den zustand einer jungfrau zurückzuversetzen. ich habe da meine zweifel (nicht aus gottesgläubigkeit, wohlgemerkt, sondern weil mir die erste annahme verlockender erscheint.)

mah  am  15.06.06
#11

um es noch einmal verlockend zu formulieren:
im zweifelsfalle also nicht gegen die zeit.
im zweifelsfalle für die zeit - als fiktion.

hab  am  15.06.06
#12

oder so?
die zeit manifestiert sich in der fiktion. alles andere ist zeitlos.

mah  am  15.06.06
#13

genau so! und: auf der höhe der forschung.

hab  am  15.06.06
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