kleine prosa

ebenfalls: rohzustände

Freitag, 24. Juli 2009

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Dies dient nicht der Verbesserung der wissenschaftlichen Information.

Das ist durchschaubar und selbst als rhetorischer Winkelzug zum Scheitern verurteilt. Es ist schon schlimm genug, dass das passiert. Nach einer sachlichen und zweckdienlichen Auseinandersetzung mit einem Problem klingt das nicht. Im Namen des Fortschritts, natürlich. Es gibt keine Kreativität ohne Zerstörung. Der Moment der Schöpfung zerstört bestehende Kultur. Dummfug! Dass es aber nicht stimmt, sollte man schon mit in die Bewertung einbeziehen. Die Motivation verstehe ich. Ehrlich: Keine Ahnung. Ich bin dieser Niemand; ich leugne es gerade zu. Man ist nach der Lektüre etwas ratlos. Zunächst sind einige Behauptungen schlicht falsch oder wenigstens irrig. Worum geht es? Ginge es um Zölle auf Bier oder Weißkraut, schon längst wäre Tacheles geredet, das Schützenswerte wäre geschützt gewesen. Statt auf Polemik mit Gegenpolemik zu antworten, sei hier zu einer kurzen und nüchternen Bestandsaufnahme eingeladen. Zunächst dies, daß sie meint, es nicht nötig zu haben, auf »eine Polemik mit einer Gegenpolemik zu antworten«. Offenbar spürt sie den Wind des Fortschritts so sehr in den geblähten Segeln, daß sie sich in die staubigen Gefilde des Streites – und sind wir hier nicht tatsächlich auf solchem Terrain? Es handelt sich im genauen Sinn um eine politische Frage. In Äsops Fabel ruft der Schäferjunge um Hilfe vor dem Wolf, obwohl keine Gefahr droht. Als der Wolf tatsächlich kommt, um die Schafe zu reißen, eilt dem Jungen niemand zu Hilfe. Der Übergang vom Sollen zum Müssen beschreibt den Übergang vom individuellen Standpunkt (»aus meiner Sicht«) zur Kollektivaktion der Bewegung. In der tatsächlichen Welt ist das jedoch anders. Alle verfügbaren Analysen zeigen eines ganz gewiß: Das dritte Problem ist von kulturpolitischer Brisanz. Wir sind Zeugen einer großen Abwehrschlacht. Aber was heißt schon Schlacht? So textet kein gemeiner Dieb. So texten nur die wahren Freibeuter der Kultur: Was steht auf dem Spiel? Dies geschieht mitunter mit einer Vehemenz, die vermuten lässt, dass es weniger um den Austausch von Argumenten, vielmehr um die Durchsetzung einer ideologischen Doktrin geht. Diesem Satz muss man etwas länger nachschmecken. Es werden also so langsam die härteren Saiten der Sprache aufgezogen. Man kommt da teilweise aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Ein Rundumschlag, für den sich schnell Unterstützer fanden. Derzeit und in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge: Genau hierfür stellen die Allianz-Organisationen einen Teil ihres Budgets bereit. (Man beachte auch die Pamphlete, die rechts oben auf der Website verlinkt sind).

Ist das nicht ein eher theoretisches Problem?

Ganz und gar nicht. Diese Haltlosigkeit ist nicht hinnehmbar. Bitte beantworten Sie daher die folgenden Fragen: Nach langem Schweigen haben sich nun auch die angegriffenen Organisationen an die Öffentlichkeit gewandt. Ich habe spaßhalber dort meinen Namen eingegeben. Ich empfehle außerdem zur Einführung in die Problematik diesen Artikel. Daher betont das Aktionsbündnis im Unterschied zum Appell: Dümmer geht’s nimmer. Bezogen auf die erhobenen Vorwürfe hält die Allianz der Wissenschaftsorganisationen fest: Dies zu suggerieren, ist irreführend. Und diese dunkle Bedrohung kommt aus zwei Richtungen: Worum geht es? Man muss aufpassen, nicht als beleidigter Eiferer zu erscheinen, wenn es um die eigenen Texte und Standpunkte geht. Im Gegenteil. Der Mann hat schlichtweg keine Ahnung. Das ist großartig – Und dazu natürlich jede Menge Netzmusik. Mit seiner Meinung ist er nicht allein: Das ist nicht mehr als recht und billig. Es gibt viel Unnützes und Halbwahres im Netz. Deshalb kritisiert er die vorherrschende Form der Schuldzuweisung: Es gehört zu den miesen Tricks der Politik, Ursache-Wirkungs-Prinzipien weiträumig zu generalisieren, um leicht vermittelbare Feindbilder zu schaffen. In this discussion I would be interested in. Und so vermutet man gleich wieder eine pejorative Spitze, wo vielleicht gar keine gemeint ist. Die Frage für die Zukunft stellt sich eher so: Das kann man nicht mehr mit irgendeinem Unwissen der deutschen Medien erklären. Da steht einer nicht nur neben sich, sondern auch schon am Rande unserer geliebten freiheitlich-demokratischen Grundordnung, und liefert dabei auch noch das Paradebeispiel einer Projektion.

Oder ist alles ganz anders?

Gut gebrüllt! Aber: Wofür eigentlich? Was nach Größenwahn oder Science Fiction klingt, ist schon nach wesentlich kürzerer Zeit sehr handgreiflich. Im Detail geht das so: Um es auf die Spitze zu treiben: Das Denken ist frei. Die Politik hat sich aus der Debatte bisher weitgehend herausgehalten. Die reicheren Länder geben so etwas an die Habenichtse ab. Das Denken ist frei. So macht er uns klar, wer die Bösen sind. Nein, es sei denn, Zeit wäre ein sachlicher Grund. Aber gibt es nicht doch auch Ähnlichkeiten? Im Sport würde man sagen: Natürlich: „Kunst kommt von Können“ und als ihre Zutaten gelten nach wie vor jene 10% Inspiration und 90% Transpiration. Es ist Zeit, daß diese Diskussion nun endlich polemisch frei und sachbezogen geführt wird. Denn rein logisch betrachtet knirscht die Beweisführung. Offensives Denken sei gefragt. Das ist ja nun schon einige Jahre bekannt. Wer sich über schlechten Journalismus und ahnungslose Dichter aufregen möchte, der sollte sich den Beitrag auf der Webseite der Tagesthemen ansehen. Weiterhin heißt es dort: Sehr klar, eindeutig, interessant – Als Feindbild bleibt aber Letzteres prominent: Zu ihrem Vorteil ist genau das zu hoffen. Ein intellektuelles Pfund also. Möglicherweise liegen die von Ihnen gesuchten Informationen inzwischen an einem anderen Ort oder die Seite existiert nicht mehr. Dies müssen die Politiker auf internationaler Ebene klar machen. Zwei Schwierigkeiten mit diesem Konzept werden dabei immer wieder gerne thematisiert: Starke Worte, krauses Denken. Das Gefäss der Pandora ist geöffnet, und wird sich nie wieder verschliessen lassen. Damit geht auch eine kulturelle Verarmung einher. Das geltende Recht, Ausdruck eines vernünftigen Kompromisses, schlichtet diesen Konflikt – allerdings ohne die Konsequenzen näher zu beleuchten. Man kann es auch so lesen: Er solle dichtend unter dem Regenschirm in seiner Mansarde liegen und ansonsten glücklich sein darüber, dass er dabei gemalt worden ist. Die Frage, die sich angesichts der absurden Verquickung derart verschiedener Themen unweigerlich stellt: In Deutschland wäre ein solches Szenario nicht denkbar. Meine Lieblingsfeinde sind Ignoranz und schlechte Recherche. Schön auch der Rückzug eines guten Freundes.

Die Politik muss dieses strukturierte Nachdenken moderieren.

Unfuturistischerweise kochen wir bis heute mit Topf und Löffel. Doch das Prinzip Raumschiff-Herd setzt sich an anderer Stelle durch. Eine gute Sache, meint man. Kritiker monieren seit dem Konsens zweierlei: Der goldene Mittelweg muß gefunden werden und daran beteiligen wir uns. Die Zahl ist das Maß der Dinge? Es erstaunt da schon sehr, daß dies in der Mehrheit absolut unkritisch von den Diskussionsteilnehmern hingenommen wird. Klar ist zunächst eines: Denn eines ist gewiss: Diese Fragen klingen irrwitzig. Doch sie sind zeitgemäß. Denn genau dieses Thema wird uns schon sehr bald beschäftigen. Es scheint allerdings, als ändere sich gerade die Gemengelage. Was die Wissenschaft angeht, ist dieses Bild schief. Unsere Kultur ist in Gefahr. Der Blickwinkel ist entscheidend. Genug. Ich möchte auf den einzigen Knackpunkt der ganzen Diskussion hinweisen - Die werfen alles in einen Topf. Genug. Dem ist aber nicht so. Aber in keinem Land scheint der Widerstand gegen Veränderung so tief zu sitzen und so vehement von allen gesellschaftlichen Bevölkerungsschichten geführt zu werden wie in Deutschland. Verwunderlich wäre das nicht: Der Resolutionstext macht keine halben Sachen. “Don’t be evil” ist das Motto des doch so anderen Betriebs. Wir haben uns mit dem Thema noch nicht beschäftigt. Und kommt ja nicht auf die Idee, mich wie ein Musiker auf Tournee zu schicken. Weitere Falschaussagen folgen: Dem kann nicht gefolgt werden. Diese Formulierungen sind so vollmundig wie problematisch. Die Vorstellung ist bestechend: Nicht nur in der Theorie.

Die Praxis ist schon in vollem Gang.

Wer das für eine böswillige Dystopie hält, möge einen Blick nach Frankreich werfen. Sie benötigen dafür die Mandate als Sicherheit und Unterstützung. Ich habe deshalb das Thema auf die Tagesordnung bei dem nächsten europäischen Kulturministerrat am 11. und 12. Mai 2009 in Brüssel setzen lassen, um möglichst ein gemeinsames europäisches Vorgehen zu erörtern. Der ungünstige Fall im Einheitsbrei wird dann zum Regelfall erklärt. Widersprochen haben dem Code nur wenige. In der Praxis sieht vieles ganz anders aus. Aus meiner Fichte-Lektüre leite ich u.a. die folgenden drei Ergebnisse ab: Ein wenig kommt mir diese Beschreibung aus dem Geschichtsunterricht bekannt vor. Es ist aber schon ein Problem, Normen zu erlassen, ohne deren Folgen abzuschätzen. Mit bloß befristeten Versuchsanordnungen ist es da meiner Ansicht nach nicht getan. Es gibt eine harte Konfrontation. Beide Seiten berufen sich in dieser Diskussion auf die Freiheit. Um es ganz deutlich zu sagen: So geht es nicht! Wirklich überzeugen kann sie dabei aber nicht. Dabei handle es sich um ein Instrument, das den Wettbewerb in hohem Maße beflügele. Ernsthaft eingehen kann auf solche Vergleiche jedenfalls nicht mehr. Doch auch in Einzelfragen kam man wenig weiter. Man muss das Seil fester halten, wenn der Wind stärker geht. Ihre Sorge erscheint nur zu berechtigt. Das wird sicher gelegentlich gefährlich werden. Kommt mir alles so bekannt vor. So hoffe ich dann auch, dass sich die besseren Argumente durchsetzen und die schlauen Köpfe von unsachlicher Hysterie nicht beeindrucken lassen werden. So sieht die Welt aus, wenn man auf seinen Beinen steht. Dass hier nämlich vor allem Panik vorherrscht, keine kritische Reflexion der Materie. Es gilt das gesprochene Wort! Das richtige Maß an Schutz zu finden, heißt auch, dass ein Zuviel zu vermeiden ist.

Wie berechtigt sind diese Befürchtungen?

Dabei handle es sich um ein Instrument, das den Wettbewerb in hohem Maße beflügele. Wenn Alternativen am Horizont auftauchen, dann dauert es erfahrungsgemäß nicht mehr lange, bis diese Alternativen auch realisiert werden. Die neuesten Verhandlungen um Kompromisse machen da Hoffnung. Man darf eben nicht vergessen: Es ist wie beim Rennen zwischen Hase und Igel: Solche Befürchtungen sind unbegründet. In Österreich ist die Entwicklung sehr langsam vorangegangen, es gibt kaum Initiativen. Deshalb geht es uns zwar ebenfalls um Geld, aber nicht um Subventionen. Darauf, dass sich im Kapitalismus nicht so einfach wirtschaften lässt, kamen auch schon andere. Das herausgefunden zu haben, ist nichts, worauf ich stolz sein könnte. Es gibt zur Zeit noch kein Patentrezept, wie die anstehende Transformation zu leisten ist. Dann müssten aber auch ein paar grundsätzliche Fragen gestellt werden: Zwei grundsätzliche Interessen stoßen aufeinander: Vielleicht ist es ein Zeichen der Hoffnung, wenn eine Debatte den Punkt erreicht hat, an dem man glaubt, dümmer könne es nun wirklich nicht werden. Ich bin mit meiner Arbeit akut nicht gefährdet. Konnte es sein, dass hier ein Effekt griff, den man sonst von Handy-Verträgen oder Geldanlagen kennt? Du musst laut schreien, sonst gehst du unter. So ganz simpel rollen die Würfel dann aber doch nicht zum Sechserpasch für alle. Das Jahr 1989 ist in politischer und besonders kultureller Hinsicht ein Schlüsseljahr, ein Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit.

Die wollen schlicht Geld machen.

Letztlich also geht es um Herrschaft, und die ist in unseren Tagen eine Sache vor allem des Geldes. Das muss sich ändern in einer globalisierten Welt. Starke Worte, die der Realität aber nicht Stand halten. Das Prinzip ist denkbar einfach. Einerseits ist das natürlich eine feine Sache: Es geht uns gut. Im Gegenteil: Dies zu suggerieren, ist irreführend. Die Entrechteten sollten ihre Argumente mit Bedacht wägen und dennoch zügig auf den Weg bringen. Ja! Erst schien es, als hätten sie das Thema verschlafen. Diese Analogie indes trifft daneben. Die Tugend zielt auf die Mitte. Es gibt durchaus rege Tätigkeit auf diesem Feld. Höchste Zeit, die Spielregeln zu klären. Es geht hier nicht darum, ob Veränderungen dieser Art gut oder schlecht sind. Sie geschehen einfach. Dies ist eine so seltsame Verzerrung, dass ich sie noch nirgendwo anders gelesen habe. In der Tat, ein neues Vorurteil. Warum eigentlich nicht von Wegelagerern, Schlagetots, Tunichtguts und Fürchtenixen reden? Die Gesellschaft sollte auf einem breitestmöglichen Fundament stehen. Wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht ganz dicht. Wieso eigentlich nicht? Da kann nichts passieren. Da werden zwei Dinge verquickt, die miteinander ziemlich wenig zu tun haben. Das Ende ist nah – Sie nicht als - durchaus geschickte - “Leimrute” zu bezeichnen, fällt schwer. Ein Sonderfall ist die wissenschaftliche Tätigkeit. Das ist eine Art geistiger Ausbeutung oder gar Enteignung.

Die Lösung:

Es ist einigermaßen unangenehm, wenn man erkennt, dass man einen Fehler gemacht hat, aber ich hoffe, dass ich diesen korrigieren kann. Die Antwort ist so simpel, so sehr sie vielen Menschen weh tun wird: Viel Spass beim hören. Was daran am meisten verblüfft, ist, wie unisono der Untergang vorbeugend beschworen wird, noch lange bevor die befürchtete Krise spürbar, geschweige denn sachlich abschätzbar ist, und ohne auch nur anzudeuten, wie Zukunftskonzepte aussehen könnten, die nicht nur aus Verboten, Verschärfungen und Restriktionen gegen alles Neue bestehen. Da gibt’s was, der Vierte holt es ab. Welch ein Unfug! Entsprechend nehmen Frequenz und Menge der Äußerungen zum Thema zu und eine systematische Sichtung erfordert fast eine Art Vollzeitbeschäftigung. Doch auch in Einzelfragen kam man wenig weiter. Nota Bene: Der Text, wiewohl fünf Jahre alt, ist nach wie vor aktuell. Man nimmt verständlicherweise an: Fast immer ist das Ergebnis als Analysen verstecktes Wunschdenken in eigener Sache. Wichtiger ist doch in zwischen nicht mehr Frage ob und überhaupt, sondern in welcher Form und mit welcher Finanzierung. Meiner Überzeugung nach leben wir also in einer Übergangsgesellschaft. Aber das ist eine Lappalie, dichterische Freiheit. Sicher richtig ist aber auch, dass man der dramatischen Veränderung des Marktes mit ängstlichen Schritten nicht lange wird folgen können. Es gibt ein riesiges Interesse der Allgemeinheit daran. Und nun muß man schlicht feststellen: Er argumentiert stark mit verfassungsrechtlichen Wertungen, ohne freilich den Stand der verfassungsrechtlichen Dogmatik hinreichend zu berücksichtigen. Aber der Trend ist abzusehen. Aus einer Weltverschwörung inkl. Apokalypse würde eine Utopie eines neuen Gesellschaftsentwurfes entstehen. Andere stellen jedoch fest: Polemisch ausgesprochen: Aus dem Pressetext: Wir zählen darauf, dass sich auch unsere Leserschaft selbst mit so harten Bandagen geführten Debatten nicht in Freund-Feind-Schemata vergräbt, sondern Interesse an einer Debatte hat, die zunächst alle Argumentationslinien gleichberechtigt als legitime Bestandteile des Diskurses akzeptiert, um sie dann auf ihre jeweilige Stichhaltigkeit zu prüfen. Wir gehen davon aus, dass sich das bessere Argument durchsetzt und nicht die lautere Stimme. In dieser kulturkampfartigen Lage könnte man einmal bei einer Feststellung ansetzen, der eigentlich ausnahmsweise alle Seiten zustimmen müssten: Leute könnten es ändern, es könnte in Zusammenhängen stehen, die ihm nicht behagen. Ihren Alpdruck kennen sie nicht so genau und der zeitgemäße Ausdruck für solche Unschärfen ist: ein Dokument der Angst und Faktenferne.

Deshalb meine Fragen:

Besteht die Möglichkeit einer Klage vor der WTO gegen dieses Unterfangen? (Ehrlich gesagt, ich glaube das, ja.) Vom Argument hat man sich dagegen ziemlich verabschiedet. Da weiß ich gar nicht, welche Stilblüte ich faszinierender finde. Wir sehen einem Dinosaurier beim Sterben zu und überlegen uns, wie wir ihn wenigstens noch so lange am Leben halten können wie uns selbst. Dann würde wenigstens jeder auf Anhieb merken, was da für ein Unsinn geredet wird. Frei übersetzt: Gemessen an den kulturellen und finanziellen Werten, die auf dem Spiel stehen, sind jedoch Eile und Klartext geboten. Aber Versachlichung ist vielleicht auch nicht immer angemessen. Zugegeben, das war jetzt übertrieben formuliert. Eine Fokussierung des Betrachtungsfeldes hilft dabei zusätzlich. Möglicherweise war dieses verwandte Gebiet der Ministerin zu heikel. Es klang nach Kulturkampf in “finsterer Zeit”: Denn alles ist gesagt und der letzte Tanz ist getanzt.

Hinweise / Texte:

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Dank an:
http://delicious.com/CH_/heidelberger_appell

Und:
Zitat ist das eine und jeder Satz dem anderen ...

text #5165 (hab) ∈ kleine prosapoetologie
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Dienstag, 09. Januar 2007

Die Bilder (Varianten, Entwurf)

I. Der Nachbar

Mein Nachbar ist Tourist. Ihn zieht es in fremde Städte, die er nach einem mir unbekannten Schema bereist. Er ist süchtig nach deren Abbildung. Mehr noch: deren Abbildung mit seiner Person. Allerdings habe es keinerlei Sinn, diese lediglich mit ihm abzubilden, oder einzufangen, wie er sagt, da die Städte dadurch ihren Charakter verlören.

Er müsse sich dagegen in so viel wie mögliche Sujets anderer Fotographen drängen, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Um sich und das Bild der Stadt schadlos zu erhalten. Dass er nie das Ergebnis der Aufnahmen und deren Ort zu Gesicht bekäme, störe ihn nicht.

II. Kontingenz

A: Aber warum photographieren Sie all diese fremden Menschen, wenn Sie auf Reisen sind? Sie haben sie doch noch nie gesehen und werden Ihnen doch wahrscheinlich nie wieder begegnen in Ihrem Leben, oder sind Sie etwa daran interessiert, regionale Typen zu archivieren?

B: Sicherlich nicht. Ich sehe in diesen Menschen keine Typen bestimmter Regionen oder Länder und sammle diese auch nicht, wie andere Leute Konzertkarten, Bustickets oder Speisepläne ... überhaupt sind auf meinen Bildern keine Menschen oder Bauten, die stellvertretend sein sollen für ein Land, das ich besucht oder bereist habe, die also wiederum meine Reise, meine Weltbeweglichkeit bezeugen sollen.

Ich werde es Ihnen erklären. Schauen Sie, hier zum Beispiel, hier ist eine ältere Frau zu sehen, wohl in ihren Fünfzigern, die genauso ausschaut – so stelle ich es mir zumindest vor – wie die Schwester meiner Partnerin, jetzt in ihren frühen Dreissigern, aussehen könnte, in zwanzig Jahren; erstaunlich, nicht?

Oder hier ein anderes: eine junge Frau, die, so ahne ich, die Züge einer Bekannten trägt – wie aus dem Gesicht geschnitten. Aber eben zehn, fünfzehn Jahre jünger – ich habe nie ein Jugendbild der Bekannten gesehen.

Zu Hause habe ich Bilder von Menschen, die alle mit den von mir vorgestellten zukünftigen oder vergangenen Gesichtszügen oder anderen Auffälligkeiten oder Ähnlichkeiten von Personen aus meinem Verwandten- oder Freundeskreis ausgestattet sind – fein säuberlich sortiert, in seriellen und parallelen Biographien gesammelt und archiviert, aber nie hatte die Herkunft dabei eine besondere Rolle gespielt.

Ich habe Bilder meines Bruders, zukünftige und ältere, darauf sind Schwarze oder Japaner zu sehen. Es scheint wohl Ausdruck oder Mimik zu sein, die sie zusammenhalten, die universell und zeitlos Biographien schreiben, nicht der betroffenen, darzustellenden Person, aber wohl meiner Ahnung möglicher Zukünfte und Vergangenheiten von Freunden und Anverwandten, die ich dokumentieren möchte ... Aber, Sie haben recht, diese Sichten und Sammlungen sagen wohl mehr über mich, als über alle anderen Beteiligten aus.

A: Ein seltsames Hobby haben Sie da.

B: Ich muss Sie korrigieren. Das ist nicht mein Hobby, sondern mein Beruf.

III. Brief

Ich flehe Sie an, helfen Sie mir. Ich habe ein anonymes Paket erhalten, darin, Sie werden es kaum glauben, eine grosse Anzahl von Photographien, auf denen ich abgebildet bin. Ja, seit meiner frühen Kindheit wurde ich dokumentiert. Das letzte kann nur wenige Tage alt sein. Ich befinde mich darauf gerade bei einem Einkauf an der Supermarktkasse. Ich habe keine Ahnung, wer mir dieses Paket geschickt haben könnte, ja, wer überhaupt auf die Idee käme, mich mein Leben lang zu verfolgen. Bitte weisen sie mich nicht zurück. Sie sind der letzte, der mir noch helfen könnte.

text #4395 (hab) ∈ kleine prosa
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Montag, 01. Januar 2007

Ein Gleiches

Nach einem harten Arbeitstag in den Weihnachtswochen kam zu einem Buchhändler, den wir der Kürze halber B. nennen eine Kundin, die wir der Kürze halber K. nennen mit einem Kind in seinen kleinen Laden in der Vorstadt und es ereignete sich folgende Geschichte.
Sehr erzürnt und etwas umständlich nestelte K. unter mürrischen Beilauten des Kindes ein Bilderbuch aus einem Leinensack und präsentierte B. einen Kassenbon, der den Kauf dieses Buches in eben diesem Laden vor ein paar Tagen quittierte.
Man wollte es umtauschen in ein anderes dieser Reihe, oder eben dasselbe, wenn es dieses denn ohne Schreibfehler gäbe. Zum Beweis ihres argen Vorwurfs öffnete sie eine mit einem Zeitungsausschnitt markierte Seite und wies auf den bildbegleitenden Text, der tatsächlich das Wort Ganse enthielt, obwohl es Gänse heissen müsste, schliesslich beschreibe es ein Rudel Gänse auf der gegenüberliegenden Seite und das, wie K. nun beschwor, in einem Verlag, der sich bekanntermassen auf besonders didaktische Bücher verstieg, und sie als Lehrerin, wie sie nun betonte, doch Recht- und Genauschreibung vermitteln müsse, kreidete diesen Fehler an und erweiterte ihre Forderung, doch gleich das investierte Geld wieder ausgezahlt zu bekommen.

Der Buchhändler B. war nach diesem harten Arbeitstag nicht sehr glücklich über die Einlassungen seiner Kundin und konnte sich aber, trotz zunehmender Ungeduld des Kindes zu einem Scherz durchringen, nahm einen Faserstift und ergänzte flugs die fehlenden Punkte über dem Vokal mit der Bemerkung in etwas onkelhaftem Ton, nun könnte das Buch, fänden sich nicht etwa weitere Fehler darin, unbesorgt zur Lektüre weitergereicht werden.
Dies brachte die Kundin derart in Rage, dass sie B. mit einem längeren Sermon über die Verantwortung von Verlagen und ihren Helfershelfern insbesondere für die Sprache vereinnahmte, und den armen Buchhändler, nachdem er ihr bald eine Gutschrift, bald einen Umtausch samt Korrespondenz mit dem Verlag, endlich die Herausgabe des von ihr gezahlten Geldes sowie einer sehr unterwürfigen Entschuldigung abnötigte, worauf diese den Laden mit dem inzwischen blau angelaufenen Kind und grusslos verliess.

Anmerkung: Das Ereignis mutet uns wie ein Gleichnis an und es schlössen sich fast erzwungenermassen ein paar wichtige Fragen und Diskussionen zu den verschiedenen Fehlleistungen der Kundin K., aber auch des Buchhändlers und anderer Beteiligter an.
Man könnte schnell über die Fallhöhe von Fehlern und ihre Behebbarkeiten ins Verhandeln kommen. Über pragmatische versus grundsätzliche Problembehandlungsansätze auf einem äusserst schwierigen Terrain sinnieren.
Man könnte diese Geschichte als eine Allegorie auf den Umgang mit dem Fehlenden Anderen begreifen, und solchen, die ohne dies nicht leben könnten oder wollten.
Aber wir ziehen es vor, für heute unseren kleinen Laden zu schliessen, denn den Gänsen, die davon gänzlich unbeirrt in diesem Buch weiter schnattern, wie sie es auch mit dem Mangel ihrer Bezeichnung getan hatten, ist es ein Gleiches.

text #4391 (hab) ∈ kleine prosa
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Samstag, 07. Oktober 2006

Fette Kapitälchen

Führen zu langen Diskussionen mit Lektorinnen und Lektoren. Darüber beispielsweise, ob man diese gleich zu Beginn eines Romans setzen sollte, vor allem in Verbindung mit einer wörtlichen Rede, die nur ein End-, keinesfalls aber ein Anführungszeichen beinhaltete (beinhält? beinhielt? beinhülte?). Der Roman begönne damit also nicht einmal nur hypothetischerweise mit einem Schlusszeichen, liesse man den ersten Satz ausser Betracht, sondern tatsächlich. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass der erste Buchstabe als fettes Kapitälchen gesetzt wurde und man deshalb auch auf das Anführungszeichen verzichtet habe, weil mit ihm das ganze unschön, und überhaupt: dass man dafür nicht unbedingt den Autoren, sondern viel wahrscheinlicher das Lektorat in die Verantwortung nehmen müsse. Natürlich könne man sich ein Anführungszeichen in einer Kapitälchenreihe auch mühelos im Kopf ergänzen, aber, so im weiteren Verlauf der Diskussion, bliebe da immer noch ein ästhetisches Unbehagen, für die- oder denjenigen, der sein Fehlen entdeckte. Sind die Lektorinnen und Lektoren aber nur ausgedachte, dann lösche man an dieser Stelle das Licht und versuche zu schlafen. Dieses Thema bietet Stoff für lange Winternächte und wir haben doch erst Oktober.

text #4338 (hab) ∈ kleine prosa
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