kleine zettelkunde

zur (eud)

Freitag, 24. August 2007

We are open: edition taberna kritika

die edition taberna kritika ist im umfeld der weblog- und netzliteratur entstanden. während jedoch die „digitale bohème“ sich langsam in angesagten clubs warmtanzt, bringen wir unsere kinder ins bett, schalten die nachttischlampe ein und blättern in einem buch. diesem umstand und dem glauben daran, dass manche texte zu einer finalen und somit gedruckten version tendieren, trägt die etk rechnung.

auf den seiten der etk erhalten sie die jüngst erschienenen titel „urban studies“ und „Enzyklopädie der ungeraden Dinge (EuD)“ sowie hinweise zu anderen publikationen und geplanten produktionen, die auch unter diesem label vertrieben werden.



einige der titel sind über den buchhandel erhältlich. es werden allerdings auch immer wieder bücher in kleinauflagen angeboten, die nur exklusiv über den verlag bzw. die druckerei erhältlich sind.

details zu den titeln sowie deren bestell- und lieferbarkeit entnehmen sie bitte der editionsseite ...

bitte beachten sie weiter: das lieferbare programm der etk wird auch am 1. september an der werkschau #3 präsentiert werden.

text #4576 (hab) ∈ etkbookskleine zettelkundenotabeneurban studies
(0) kommentareprintpermalink
Montag, 04. Juni 2007

Alphabet des anarchistischen Amateurs

Bleibt hier noch festzuhalten, dass obiger Titel von Herbert Müller-Guttenbrunn (neu ediert bei Matthes & Seitz, Berlin 2007; ursprünglich und in anderer Form im „Nebelhorn“, 1931/32) eine kaum zu übersehende, strukturelle Ähnlichkeiten mit der EuD aufweist, wie ich jetzt erst feststelle. Sowohl die Verwendung zeitgenössischer Äusserungen und Zitate, als auch die Durchsetzung dieses – ebenso als Quasi-Enzyklopädie angelegten - Texts mit kleinen Reflexionen, Störungen, Aphorismen und Verweisen sind dort ähnlich umgesetzt. Auch, was das Kreisen um ein vage vorgegebenes Sinnzentrum angeht. Zur Qualität der (hier aber überwiegend eigenen) Einträge: bei Müller-Guttenbrunn gehen sie dann doch oft ins Halbkomische. Bsp. zweier sehr kurzer Einträge:

Dadaismus / Eine literarische Richtung, deren Jünger wenigstens zugeben, daß sie lallen.

bzw.

Expressionismus / Behauptet, etwas auszudrücken. Aber niemand weiß, was.

Diese Art Humor ist denn wohl auch sehr der Zeit geschuldet. Ale Ergänzung hier noch etwas Verlags- bzw. Klappentext

Bürgerseele, Cunnilingus, Defloration, Dollar, Fernsehen, Frauenemanzipation, Geburtenrückgang, Geld, Todesstrafe, Vorhaut Christi: Keine Peinlichkeit und keine Scheinheiligkeit bleibt unentdeckt vom wachen und gnadenlosen Blick Herbert Müller-Guttenbrunns, der sich in diesem vergnüglichen Alphabet schonungslos über verschiedenste unserer Alltäglichkeiten hermacht. Und Herbert Müller-Guttenbrunn ist nicht irgendwer: als gefürchteter Satiriker und Pamphletist führte er eine Zeitschrift ähnlich wie Karl Kraus fast in Alleinregie: Das Nebelhorn. Darin übertraf er jenen sogar an Schärfe der Beobachtung und des Ausdrucks. Kaum einen Sachverhalt, den er nicht unter die Lupe der Satire (die auch mal grobianische Polemik sein kann) legt. Ziel seiner aphoristischen Klinge ist der »Mord«, nämlich der »Mord am Schwachsinn, d.i. an der – mit ihm leider schon identischen – Autorität.« (...)

bei dem mich vor allem diese Passage stutzig macht

Herbert Müller-Guttenbrunn, anarchistisch, querulantisch und absolut individualistisch, wurde 1887 in Wien als Sohn des mit antisemitisch-deutschnationalem Geruch behafteten Banater Erfolgsschriftstellers Adam Müller-Guttenbrunn geboren. Zwischen 1927 und 1934 erschien seine Karl Kraus gewidmete Zeitschrift »Das Nebelhorn«. 1945 wurde er irrtümlich erschossen.

text #4500 (hab) ∈ kleine zettelkunde
(2) kommentareprint ≈ (0) trackbackspermalink
Freitag, 09. Februar 2007

Kleine Zettelkunde V (EuD)

(Wie Nachschlagen?)

Hin und her überlegt, was - nach der GestaltundGenesePassage - dem Text noch mitzugeben ist. Es handelt sich ja hierbei nicht (wie üblich) um eine Enzyklopädie des Suchens, sondern eine des Findens, und dieses “Aufs Finden gehen” braucht einen Impuls. (Vielleicht handelt es sich aber auch nur um ein gefühltes Nutzerbedürfnis). Genau das liesse sich wieder paraphrasieren und theoretisieren und vornanstellen. Ich fand aber, dass so eine Passage den Haupttext etwas belästigen würde. Ein Verschweigen und Übergehen dieses Gedankens schien mir aber auch nicht glücklich. Was mir nun weitaus geschickter scheint, ist das Herausgreifen eines Zitates, eines “Eintrags” also, der gleichsam einleitet, buchstäblich einführt ("→"), und selbst in seiner Art und Weise die Poetik des Textes vertritt, also bspw. dieser:

Du brauchst nur kreuz und quer durch mein Lexikon zu lesen, so wie Du Dich ja auch an Deinen Feldwebel, die erste Flaschenmilch und Dein zukünftiges Zimmer im Altersheim durcheinander erinnern kannst. Das ist die Welt. In der vorgeschriebenen Reihenfolge vorgeschriebene Blicke zu werfen, ist hingegen klassische Lektüre oder vortauwetterlicher Ost-Tourismus. Ich will Dich - versuchen wir es einmal - aus der Lektüre in die Welt befreien.
Quelle: Andreas Okopenko, Lexikon Roman - eine sentimentale Reise zum Exporteurtreffen in Druden, 1970
→ Enzyklopädie

text #4407 (hab) ∈ kleine zettelkunde
(8) kommentareprint ≈ (0) trackbackspermalink
Sonntag, 21. Januar 2007

Kleine Zettelkunde IV (EuD)

dann, vielleicht an der stelle eines vorworts

Gestalt und Genese
Die hier als Nachschlagewerk präsentierte Enzyklopädie der ungeraden Dinge (EuD) war zunächst ein kleines Weblog mit Fundstücken und eigenen Texten, die sich grob und bisweilen auch sehr assoziativ einer vorgegebenen, wenn auch unpräzisen Definition ergaben.
Wahrheit und Schärfe waren hierbei kein Sammelkriterium, eher ging es vielleicht um eine noch zu formulierende Poetik des Herausgebers und Autors, ganz sicher aber um eine Poetik des Findens, Sammelns, Aufbereitens und Nachschlagens.
Die im Weblog vorhandenen Möglichkeiten der Generierung von Links, Verweisen und Zusammenhängen sind natürlich in dieser analogen Umgebung so nicht gegeben. Das Konvolut der Einträge, der oft auch ins Leere schiessenden Verweise und Quellen bemüht sich aber dennoch um eine eigene Qualität.

text #4401 (hab) ∈ kleine zettelkunde
(2) kommentareprint ≈ (0) trackbackspermalink
seite 1 von 2 seite(n)  1 2 >