laufende verfahren

lyrik im rohzustand

Donnerstag, 03. Juli 2008

Ansichten eines Fauns

Meine Schreibstube ist Schraubstube
Mein Nymphensittich nur
Ein durchgereister Gast
Meine Sprache schweisst dagegen Bücher ein

(Ich schöpfe Fabeln, Geister: Eine Frau bringt einen zuhause auffällig gewordenen Käfer aus Mitleid in den Zoo. Setzt ihn da aus im Palmenhaus. (Wo niemand wandelt, ungestraft ...). Erfährt drei Wochen später aus der Zeitung, dass Fauna und Flora dieses Zoos urplötzlich an einer unbekannten Ursache zugrunde gingen.)

Ich mache eine
Vertiefung in die Breite
Tätige ein
Investitionsminimum

(In Vogelfleisch Bäume lange Nächte)

Denke nach über die
Zweifache Nachnutzung meiner Welt

Dann über diese
Meiner Selbst

(Löst sich die Lust wie Licht im Abendrot)

Sei meiner Asche Friede
Auf dem Balkontisch liegt
Gespaltenes Haar

Sowie das Fehlerfinden und die
Späte Ernte meiner ungetanen Taten

(Meine Beute ist das zufällig Gefundene und stets ein Fest)

Dagegen
Wäre ich der Liebe Gott
Ich würde mich wohl auch verdrücken

(In die Schatten der Vulkane oder)

Hinein in so ein Nest
Den Schrebergarten Europas

(Rosen Lilien undsoweiter)

Sagen sie auf der Idiotenrennbahn
“It’s only botox, Baby “

Und bleib
In deiner eignen Fanzone
Freund roter Nasen

(Heute Nacht habe ich im Traum eine fremde Wohnung möbliert. Sehr rustikal, für meinen Geschmack. Und mit ganz unerhörten, nie gesehenen Möbeln. Da war ein Zugang zur Terrasse und statt der Grenze gab es Wald an Wald. Beton davor. Und junge Menschen zogen ein. Die Tür zu meinem Zimmer war ausgehängt. Ich wurde Durchgangszimmer. Am nächsten Tag: ein Low-Fi Männerabend.)

Seht
Mein Schreiben richtet sich an
Menschen nur mit ehrlicher Lektur

Drum
Will ich nichts mehr planen
Will nun flexibel bleiben
Will andere Sprachen sprechen lernen
Flöten dazu
Impossible is nothing
They say

Und deuten auf ein sizilianisch
Igelgrab auf Sylt

(Ein Dünensingen findet statt. Geleitet von dem ungewissen Herrn von Strate.)

Will weiter nichts dazu bemerken
Noch jede Ansicht trug ihr Ende
Im Gepäck
Ein Doppelrohr aus Schilf

text #4831 (hab) ∈ laufende verfahren
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Montag, 05. Mai 2008

über gemüse

kein reim auf spargel
leer bleibt sein platz im gedicht
dunkel sein wasser

entpfropfte erde
süsslich die schollen im herbst
rübenrot bluten

sattgelbe körper
mehlig bis fest kocht das fleisch
hautkranker knollen

ihr inneres ding
interessiert die bohne
kurz vor dem verzehr

immer ein gleiches
schicht um schicht abgetragen
fenchels geheimnis

form gegen inhalt
kürbisblick leuchtet den weg
zu seiner suppe

triumpf der natur
feldsalat ackert im wind
dazwischen gräser

text #4794 (hab) ∈ laufende verfahren
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Sonntag, 20. April 2008

Eine Frage der Teilzeit

Teile ich mir die Zeit ein: teile ich gedanklich meinen Nachbarn in zwei Hälften. Verwuschle ich sein Haar und in seine Uhrenkette mache ich Knoten. Der Uhr verpasse ich einen Kokon aus Resten von Gel. Die Flügel am Hinterkopf laufen ihm stromlinienförmig zusammen. Am unteren Ende befestige ich einen Manschettenknopf. Da sucht er nach seinem Fahrschein.

Teile ich mir die Zeit ein: klingelt mein Telefon volkstümlich. Bin ich ganz Dienstleister in der Dienergesellschaft. Meide ich Menschen ohne Sozialleben. Gemietete Leben. Auf Saubohnenplantagen.

Teile ich mir die Zeit ein: versuche ich mich an Wegen der Darstellung und Herstellung persönlicher Ordnung. Es ist eine Ordnung vergeblicher Zeichen. Aber immerhin wirksam der Schein meiner Dinge durch diese. Berücksichtigungen. Beschwichtigungen. Kontinuitäten.

Teile ich mir die Zeit ein: gewährleiste ich Existenz durch Klassifikation ins Vorhandene. Entdecke ich in Köln-Ehrenfeld nicht ein Kaufland sondern den Potsdam-Simulator.

Teile ich mir die Zeit ein: erbreche ich mein Vomitiv in Geschichten. Das Elend der Welt im jungen Pennerpärchen zum Beispiel. Er, schlafend, komatös in einem fremden Traum. Sie, streicht ihm den Speichel vom Kinn, liebevoll. Oder eine andere: Vom Tramnebenan, der in seinem Handy Anruflisten bedient. (Ein schräger Blick, meinerseits). Ein Blättern von „Schatz1“ zu „Schatz2“.

Teile ich mir die Zeit ein: teile ich mich, ich mich mit, mit mir selbst, und die Welt.

text #4780 (hab) ∈ laufende verfahrenpoetologie
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Dienstag, 01. April 2008

Wilener Haiku

Bruder Klaus
Körper aus Eisen
Eisen am Rand des Gartens
In einer Kiste

Flurbereinigung
Vier nasse Stümpfe
Ofenholz später Gäste
Aber die Stümpfe

Erwachen
Neugier der Knospen
Störkrautgespaltener Gneis
Wo ist die Schere?

Und nun zum Wetter
Dunst auf den Graten
Halb nur bedeckt das Gebirg
Säumige Landschaft

Display
Am Untersee Schilf
Fischbäuche glätten das Licht
Und eine Ente

Verloren
Drei Schatten am Hang
Streng bricht die Sonne das Tal
Zwei Kinder aus Schnee

text #4767 (hab) ∈ laufende verfahren
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