laufende verfahren
lyrik im rohzustand
Ansichten eines Fauns
Meine Schreibstube ist Schraubstube
Mein Nymphensittich nur
Ein durchgereister Gast
Meine Sprache schweisst dagegen Bücher ein
Ich mache eine
Vertiefung in die Breite
Tätige ein
Investitionsminimum
Denke nach über die
Zweifache Nachnutzung meiner Welt
Dann über diese
Meiner Selbst
Sei meiner Asche Friede
Auf dem Balkontisch liegt
Gespaltenes Haar
Sowie das Fehlerfinden und die
Späte Ernte meiner ungetanen Taten
Dagegen
Wäre ich der Liebe Gott
Ich würde mich wohl auch verdrücken
Hinein in so ein Nest
Den Schrebergarten Europas
Sagen sie auf der Idiotenrennbahn
“It’s only botox, Baby “
Und bleib
In deiner eignen Fanzone
Freund roter Nasen
Seht
Mein Schreiben richtet sich an
Menschen nur mit ehrlicher Lektur
Drum
Will ich nichts mehr planen
Will nun flexibel bleiben
Will andere Sprachen sprechen lernen
Flöten dazu
Impossible is nothing
They say
Und deuten auf ein sizilianisch
Igelgrab auf Sylt
Will weiter nichts dazu bemerken
Noch jede Ansicht trug ihr Ende
Im Gepäck
Ein Doppelrohr aus Schilf
über gemüse
kein reim auf spargel
leer bleibt sein platz im gedicht
dunkel sein wasser
entpfropfte erde
süsslich die schollen im herbst
rübenrot bluten
sattgelbe körper
mehlig bis fest kocht das fleisch
hautkranker knollen
ihr inneres ding
interessiert die bohne
kurz vor dem verzehr
immer ein gleiches
schicht um schicht abgetragen
fenchels geheimnis
form gegen inhalt
kürbisblick leuchtet den weg
zu seiner suppe
triumpf der natur
feldsalat ackert im wind
dazwischen gräser
Eine Frage der Teilzeit
Teile ich mir die Zeit ein: teile ich gedanklich meinen Nachbarn in zwei Hälften. Verwuschle ich sein Haar und in seine Uhrenkette mache ich Knoten. Der Uhr verpasse ich einen Kokon aus Resten von Gel. Die Flügel am Hinterkopf laufen ihm stromlinienförmig zusammen. Am unteren Ende befestige ich einen Manschettenknopf. Da sucht er nach seinem Fahrschein.
Teile ich mir die Zeit ein: klingelt mein Telefon volkstümlich. Bin ich ganz Dienstleister in der Dienergesellschaft. Meide ich Menschen ohne Sozialleben. Gemietete Leben. Auf Saubohnenplantagen.
Teile ich mir die Zeit ein: versuche ich mich an Wegen der Darstellung und Herstellung persönlicher Ordnung. Es ist eine Ordnung vergeblicher Zeichen. Aber immerhin wirksam der Schein meiner Dinge durch diese. Berücksichtigungen. Beschwichtigungen. Kontinuitäten.
Teile ich mir die Zeit ein: gewährleiste ich Existenz durch Klassifikation ins Vorhandene. Entdecke ich in Köln-Ehrenfeld nicht ein Kaufland sondern den Potsdam-Simulator.
Teile ich mir die Zeit ein: erbreche ich mein Vomitiv in Geschichten. Das Elend der Welt im jungen Pennerpärchen zum Beispiel. Er, schlafend, komatös in einem fremden Traum. Sie, streicht ihm den Speichel vom Kinn, liebevoll. Oder eine andere: Vom Tramnebenan, der in seinem Handy Anruflisten bedient. (Ein schräger Blick, meinerseits). Ein Blättern von „Schatz1“ zu „Schatz2“.
Teile ich mir die Zeit ein: teile ich mich, ich mich mit, mit mir selbst, und die Welt.
Wilener Haiku
Bruder Klaus
Körper aus Eisen
Eisen am Rand des Gartens
In einer Kiste
Flurbereinigung
Vier nasse Stümpfe
Ofenholz später Gäste
Aber die Stümpfe
Erwachen
Neugier der Knospen
Störkrautgespaltener Gneis
Wo ist die Schere?
Und nun zum Wetter
Dunst auf den Graten
Halb nur bedeckt das Gebirg
Säumige Landschaft
Display
Am Untersee Schilf
Fischbäuche glätten das Licht
Und eine Ente
Verloren
Drei Schatten am Hang
Streng bricht die Sonne das Tal
Zwei Kinder aus Schnee


