poetologie
über
Kleine Formen nach Ponge (notula nova supplement X)
Ein Credo der notula nova (und zur Poetologie dieses Blogs).
(...) “...Ich habe mich entschieden”, schreibt Ponge in einer Vorbemerkung zur Buchausgabe der “Wort-Feige”, und zwar “für diesmal, ohne den geringsten Rückhalt, die ganze große Anzahl der Blätter vorzulegen, die ich habe vollschmieren müssen, um fertigzustellen (will sagen: um wirksam zu machen) – ja, was denn? Was für eine Art von Werk?” Und ironisch fügt er bei, es handle sich um einen “edizierten”, einen von ihm “befohlenen” Text, der ausschließlich seinem privaten Spaß zu dienen habe ...
Doch auch dieser private Spaß (wenn es denn ein solcher – ohne Anführungsstriche – gewesen sein sollte) gewinnt bei Ponge den Charakter eines “edizierten”, eines selbst-"befohlenen" Vergnügens, das einerseits darin besteht, grundsätzlich jedes zur Schrift gewordene Wort – und sei es auch noch so “banal”, noch so „derb, noch so “falsch” – für literaturfähig zu erklären, es in den Rang einer sakrosankten “Gravur” zu erheben; andererseits darin, der überkommenen Gattungstheorie wie auch der literarischen Rhetorik und Stilistik den Abschied zu geben zugunsten eines im eigentlichen Wortsinn poetischen, nämlich selbsttätig schöpferischen, also permanent im Entstehen begriffenen Diskurses, der sich – anders als die nach vorgegebenen Regeln instrumentierte “schöne Literatur” – dem zuwendet, was „nicht der Rede wert“ ist, wobei der scriptor lediglich die Aufgabe zu übernehmen hat, die „Ungeschicklichkeiten“ und „Verzerrungen der eigendynamischen Sprachbewegung durch willentliche “Imperfektionen, überflüssigen Flaum, Warzen, Mängel, Asche” zu verstärken.
Vom Spaß an derartiger “Imperfektion” sind auch die “Schreibpraktiken”, Ponges bislang letztes Werk, geprägt; es handelt sich dabei um eine Sammlung höchst disparater Texte, die vor der Drucklegung offensichtlich weder redigiert noch geordnet, sondern in dem – unabgeschlossenen – Zustand und in der – zufälligen – Reihenfolge veröffentlicht worden sind, wie der Verleger sie vom Autor übernommen hat. Ponge selbst charakterisiert diese Texte in einer knapp gefaßten Vorbemerkung zu seinem Buch als “Skizzen, Entwürfe oder Konzepte”, betont jedoch, daß sie, trotz ihrer formalen Unvollkommenheit, “Fragen zum Gegenstand” haben, die ihn “seit jeher und für immer in quasi obsessioneller Weise beschäftigen”, und daß sie – wohl gerade wegen ihrer Unvollkommenheit – geeignet seien, eine “neue literarische Gattung” zu begründen. (...)
Aus dem Nachwort von Felix Philipp Ingold zu Francis Ponge, Schreibpraktiken oder Die stetige Unfertigkeit (1988).
Zum Strukturappell der Texte
Dies dient nicht der Verbesserung der wissenschaftlichen Information.
Das ist durchschaubar und selbst als rhetorischer Winkelzug zum Scheitern verurteilt. Es ist schon schlimm genug, dass das passiert. Nach einer sachlichen und zweckdienlichen Auseinandersetzung mit einem Problem klingt das nicht. Im Namen des Fortschritts, natürlich. Es gibt keine Kreativität ohne Zerstörung. Der Moment der Schöpfung zerstört bestehende Kultur. Dummfug! Dass es aber nicht stimmt, sollte man schon mit in die Bewertung einbeziehen. Die Motivation verstehe ich. Ehrlich: Keine Ahnung. Ich bin dieser Niemand; ich leugne es gerade zu. Man ist nach der Lektüre etwas ratlos. Zunächst sind einige Behauptungen schlicht falsch oder wenigstens irrig. Worum geht es? Ginge es um Zölle auf Bier oder Weißkraut, schon längst wäre Tacheles geredet, das Schützenswerte wäre geschützt gewesen. Statt auf Polemik mit Gegenpolemik zu antworten, sei hier zu einer kurzen und nüchternen Bestandsaufnahme eingeladen. Zunächst dies, daß sie meint, es nicht nötig zu haben, auf »eine Polemik mit einer Gegenpolemik zu antworten«. Offenbar spürt sie den Wind des Fortschritts so sehr in den geblähten Segeln, daß sie sich in die staubigen Gefilde des Streites – und sind wir hier nicht tatsächlich auf solchem Terrain? Es handelt sich im genauen Sinn um eine politische Frage. In Äsops Fabel ruft der Schäferjunge um Hilfe vor dem Wolf, obwohl keine Gefahr droht. Als der Wolf tatsächlich kommt, um die Schafe zu reißen, eilt dem Jungen niemand zu Hilfe. Der Übergang vom Sollen zum Müssen beschreibt den Übergang vom individuellen Standpunkt (»aus meiner Sicht«) zur Kollektivaktion der Bewegung. In der tatsächlichen Welt ist das jedoch anders. Alle verfügbaren Analysen zeigen eines ganz gewiß: Das dritte Problem ist von kulturpolitischer Brisanz. Wir sind Zeugen einer großen Abwehrschlacht. Aber was heißt schon Schlacht? So textet kein gemeiner Dieb. So texten nur die wahren Freibeuter der Kultur: Was steht auf dem Spiel? Dies geschieht mitunter mit einer Vehemenz, die vermuten lässt, dass es weniger um den Austausch von Argumenten, vielmehr um die Durchsetzung einer ideologischen Doktrin geht. Diesem Satz muss man etwas länger nachschmecken. Es werden also so langsam die härteren Saiten der Sprache aufgezogen. Man kommt da teilweise aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Ein Rundumschlag, für den sich schnell Unterstützer fanden. Derzeit und in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge: Genau hierfür stellen die Allianz-Organisationen einen Teil ihres Budgets bereit. (Man beachte auch die Pamphlete, die rechts oben auf der Website verlinkt sind).
Ist das nicht ein eher theoretisches Problem?
Ganz und gar nicht. Diese Haltlosigkeit ist nicht hinnehmbar. Bitte beantworten Sie daher die folgenden Fragen: Nach langem Schweigen haben sich nun auch die angegriffenen Organisationen an die Öffentlichkeit gewandt. Ich habe spaßhalber dort meinen Namen eingegeben. Ich empfehle außerdem zur Einführung in die Problematik diesen Artikel. Daher betont das Aktionsbündnis im Unterschied zum Appell: Dümmer geht’s nimmer. Bezogen auf die erhobenen Vorwürfe hält die Allianz der Wissenschaftsorganisationen fest: Dies zu suggerieren, ist irreführend. Und diese dunkle Bedrohung kommt aus zwei Richtungen: Worum geht es? Man muss aufpassen, nicht als beleidigter Eiferer zu erscheinen, wenn es um die eigenen Texte und Standpunkte geht. Im Gegenteil. Der Mann hat schlichtweg keine Ahnung. Das ist großartig – Und dazu natürlich jede Menge Netzmusik. Mit seiner Meinung ist er nicht allein: Das ist nicht mehr als recht und billig. Es gibt viel Unnützes und Halbwahres im Netz. Deshalb kritisiert er die vorherrschende Form der Schuldzuweisung: Es gehört zu den miesen Tricks der Politik, Ursache-Wirkungs-Prinzipien weiträumig zu generalisieren, um leicht vermittelbare Feindbilder zu schaffen. In this discussion I would be interested in. Und so vermutet man gleich wieder eine pejorative Spitze, wo vielleicht gar keine gemeint ist. Die Frage für die Zukunft stellt sich eher so: Das kann man nicht mehr mit irgendeinem Unwissen der deutschen Medien erklären. Da steht einer nicht nur neben sich, sondern auch schon am Rande unserer geliebten freiheitlich-demokratischen Grundordnung, und liefert dabei auch noch das Paradebeispiel einer Projektion.
Oder ist alles ganz anders?
Gut gebrüllt! Aber: Wofür eigentlich? Was nach Größenwahn oder Science Fiction klingt, ist schon nach wesentlich kürzerer Zeit sehr handgreiflich. Im Detail geht das so: Um es auf die Spitze zu treiben: Das Denken ist frei. Die Politik hat sich aus der Debatte bisher weitgehend herausgehalten. Die reicheren Länder geben so etwas an die Habenichtse ab. Das Denken ist frei. So macht er uns klar, wer die Bösen sind. Nein, es sei denn, Zeit wäre ein sachlicher Grund. Aber gibt es nicht doch auch Ähnlichkeiten? Im Sport würde man sagen: Natürlich: „Kunst kommt von Können“ und als ihre Zutaten gelten nach wie vor jene 10% Inspiration und 90% Transpiration. Es ist Zeit, daß diese Diskussion nun endlich polemisch frei und sachbezogen geführt wird. Denn rein logisch betrachtet knirscht die Beweisführung. Offensives Denken sei gefragt. Das ist ja nun schon einige Jahre bekannt. Wer sich über schlechten Journalismus und ahnungslose Dichter aufregen möchte, der sollte sich den Beitrag auf der Webseite der Tagesthemen ansehen. Weiterhin heißt es dort: Sehr klar, eindeutig, interessant – Als Feindbild bleibt aber Letzteres prominent: Zu ihrem Vorteil ist genau das zu hoffen. Ein intellektuelles Pfund also. Möglicherweise liegen die von Ihnen gesuchten Informationen inzwischen an einem anderen Ort oder die Seite existiert nicht mehr. Dies müssen die Politiker auf internationaler Ebene klar machen. Zwei Schwierigkeiten mit diesem Konzept werden dabei immer wieder gerne thematisiert: Starke Worte, krauses Denken. Das Gefäss der Pandora ist geöffnet, und wird sich nie wieder verschliessen lassen. Damit geht auch eine kulturelle Verarmung einher. Das geltende Recht, Ausdruck eines vernünftigen Kompromisses, schlichtet diesen Konflikt – allerdings ohne die Konsequenzen näher zu beleuchten. Man kann es auch so lesen: Er solle dichtend unter dem Regenschirm in seiner Mansarde liegen und ansonsten glücklich sein darüber, dass er dabei gemalt worden ist. Die Frage, die sich angesichts der absurden Verquickung derart verschiedener Themen unweigerlich stellt: In Deutschland wäre ein solches Szenario nicht denkbar. Meine Lieblingsfeinde sind Ignoranz und schlechte Recherche. Schön auch der Rückzug eines guten Freundes.
Die Politik muss dieses strukturierte Nachdenken moderieren.
Unfuturistischerweise kochen wir bis heute mit Topf und Löffel. Doch das Prinzip Raumschiff-Herd setzt sich an anderer Stelle durch. Eine gute Sache, meint man. Kritiker monieren seit dem Konsens zweierlei: Der goldene Mittelweg muß gefunden werden und daran beteiligen wir uns. Die Zahl ist das Maß der Dinge? Es erstaunt da schon sehr, daß dies in der Mehrheit absolut unkritisch von den Diskussionsteilnehmern hingenommen wird. Klar ist zunächst eines: Denn eines ist gewiss: Diese Fragen klingen irrwitzig. Doch sie sind zeitgemäß. Denn genau dieses Thema wird uns schon sehr bald beschäftigen. Es scheint allerdings, als ändere sich gerade die Gemengelage. Was die Wissenschaft angeht, ist dieses Bild schief. Unsere Kultur ist in Gefahr. Der Blickwinkel ist entscheidend. Genug. Ich möchte auf den einzigen Knackpunkt der ganzen Diskussion hinweisen - Die werfen alles in einen Topf. Genug. Dem ist aber nicht so. Aber in keinem Land scheint der Widerstand gegen Veränderung so tief zu sitzen und so vehement von allen gesellschaftlichen Bevölkerungsschichten geführt zu werden wie in Deutschland. Verwunderlich wäre das nicht: Der Resolutionstext macht keine halben Sachen. “Don’t be evil” ist das Motto des doch so anderen Betriebs. Wir haben uns mit dem Thema noch nicht beschäftigt. Und kommt ja nicht auf die Idee, mich wie ein Musiker auf Tournee zu schicken. Weitere Falschaussagen folgen: Dem kann nicht gefolgt werden. Diese Formulierungen sind so vollmundig wie problematisch. Die Vorstellung ist bestechend: Nicht nur in der Theorie.
Die Praxis ist schon in vollem Gang.
Wer das für eine böswillige Dystopie hält, möge einen Blick nach Frankreich werfen. Sie benötigen dafür die Mandate als Sicherheit und Unterstützung. Ich habe deshalb das Thema auf die Tagesordnung bei dem nächsten europäischen Kulturministerrat am 11. und 12. Mai 2009 in Brüssel setzen lassen, um möglichst ein gemeinsames europäisches Vorgehen zu erörtern. Der ungünstige Fall im Einheitsbrei wird dann zum Regelfall erklärt. Widersprochen haben dem Code nur wenige. In der Praxis sieht vieles ganz anders aus. Aus meiner Fichte-Lektüre leite ich u.a. die folgenden drei Ergebnisse ab: Ein wenig kommt mir diese Beschreibung aus dem Geschichtsunterricht bekannt vor. Es ist aber schon ein Problem, Normen zu erlassen, ohne deren Folgen abzuschätzen. Mit bloß befristeten Versuchsanordnungen ist es da meiner Ansicht nach nicht getan. Es gibt eine harte Konfrontation. Beide Seiten berufen sich in dieser Diskussion auf die Freiheit. Um es ganz deutlich zu sagen: So geht es nicht! Wirklich überzeugen kann sie dabei aber nicht. Dabei handle es sich um ein Instrument, das den Wettbewerb in hohem Maße beflügele. Ernsthaft eingehen kann auf solche Vergleiche jedenfalls nicht mehr. Doch auch in Einzelfragen kam man wenig weiter. Man muss das Seil fester halten, wenn der Wind stärker geht. Ihre Sorge erscheint nur zu berechtigt. Das wird sicher gelegentlich gefährlich werden. Kommt mir alles so bekannt vor. So hoffe ich dann auch, dass sich die besseren Argumente durchsetzen und die schlauen Köpfe von unsachlicher Hysterie nicht beeindrucken lassen werden. So sieht die Welt aus, wenn man auf seinen Beinen steht. Dass hier nämlich vor allem Panik vorherrscht, keine kritische Reflexion der Materie. Es gilt das gesprochene Wort! Das richtige Maß an Schutz zu finden, heißt auch, dass ein Zuviel zu vermeiden ist.
Wie berechtigt sind diese Befürchtungen?
Dabei handle es sich um ein Instrument, das den Wettbewerb in hohem Maße beflügele. Wenn Alternativen am Horizont auftauchen, dann dauert es erfahrungsgemäß nicht mehr lange, bis diese Alternativen auch realisiert werden. Die neuesten Verhandlungen um Kompromisse machen da Hoffnung. Man darf eben nicht vergessen: Es ist wie beim Rennen zwischen Hase und Igel: Solche Befürchtungen sind unbegründet. In Österreich ist die Entwicklung sehr langsam vorangegangen, es gibt kaum Initiativen. Deshalb geht es uns zwar ebenfalls um Geld, aber nicht um Subventionen. Darauf, dass sich im Kapitalismus nicht so einfach wirtschaften lässt, kamen auch schon andere. Das herausgefunden zu haben, ist nichts, worauf ich stolz sein könnte. Es gibt zur Zeit noch kein Patentrezept, wie die anstehende Transformation zu leisten ist. Dann müssten aber auch ein paar grundsätzliche Fragen gestellt werden: Zwei grundsätzliche Interessen stoßen aufeinander: Vielleicht ist es ein Zeichen der Hoffnung, wenn eine Debatte den Punkt erreicht hat, an dem man glaubt, dümmer könne es nun wirklich nicht werden. Ich bin mit meiner Arbeit akut nicht gefährdet. Konnte es sein, dass hier ein Effekt griff, den man sonst von Handy-Verträgen oder Geldanlagen kennt? Du musst laut schreien, sonst gehst du unter. So ganz simpel rollen die Würfel dann aber doch nicht zum Sechserpasch für alle. Das Jahr 1989 ist in politischer und besonders kultureller Hinsicht ein Schlüsseljahr, ein Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit.
Die wollen schlicht Geld machen.
Letztlich also geht es um Herrschaft, und die ist in unseren Tagen eine Sache vor allem des Geldes. Das muss sich ändern in einer globalisierten Welt. Starke Worte, die der Realität aber nicht Stand halten. Das Prinzip ist denkbar einfach. Einerseits ist das natürlich eine feine Sache: Es geht uns gut. Im Gegenteil: Dies zu suggerieren, ist irreführend. Die Entrechteten sollten ihre Argumente mit Bedacht wägen und dennoch zügig auf den Weg bringen. Ja! Erst schien es, als hätten sie das Thema verschlafen. Diese Analogie indes trifft daneben. Die Tugend zielt auf die Mitte. Es gibt durchaus rege Tätigkeit auf diesem Feld. Höchste Zeit, die Spielregeln zu klären. Es geht hier nicht darum, ob Veränderungen dieser Art gut oder schlecht sind. Sie geschehen einfach. Dies ist eine so seltsame Verzerrung, dass ich sie noch nirgendwo anders gelesen habe. In der Tat, ein neues Vorurteil. Warum eigentlich nicht von Wegelagerern, Schlagetots, Tunichtguts und Fürchtenixen reden? Die Gesellschaft sollte auf einem breitestmöglichen Fundament stehen. Wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht ganz dicht. Wieso eigentlich nicht? Da kann nichts passieren. Da werden zwei Dinge verquickt, die miteinander ziemlich wenig zu tun haben. Das Ende ist nah – Sie nicht als - durchaus geschickte - “Leimrute” zu bezeichnen, fällt schwer. Ein Sonderfall ist die wissenschaftliche Tätigkeit. Das ist eine Art geistiger Ausbeutung oder gar Enteignung.
Die Lösung:
Es ist einigermaßen unangenehm, wenn man erkennt, dass man einen Fehler gemacht hat, aber ich hoffe, dass ich diesen korrigieren kann. Die Antwort ist so simpel, so sehr sie vielen Menschen weh tun wird: Viel Spass beim hören. Was daran am meisten verblüfft, ist, wie unisono der Untergang vorbeugend beschworen wird, noch lange bevor die befürchtete Krise spürbar, geschweige denn sachlich abschätzbar ist, und ohne auch nur anzudeuten, wie Zukunftskonzepte aussehen könnten, die nicht nur aus Verboten, Verschärfungen und Restriktionen gegen alles Neue bestehen. Da gibt’s was, der Vierte holt es ab. Welch ein Unfug! Entsprechend nehmen Frequenz und Menge der Äußerungen zum Thema zu und eine systematische Sichtung erfordert fast eine Art Vollzeitbeschäftigung. Doch auch in Einzelfragen kam man wenig weiter. Nota Bene: Der Text, wiewohl fünf Jahre alt, ist nach wie vor aktuell. Man nimmt verständlicherweise an: Fast immer ist das Ergebnis als Analysen verstecktes Wunschdenken in eigener Sache. Wichtiger ist doch in zwischen nicht mehr Frage ob und überhaupt, sondern in welcher Form und mit welcher Finanzierung. Meiner Überzeugung nach leben wir also in einer Übergangsgesellschaft. Aber das ist eine Lappalie, dichterische Freiheit. Sicher richtig ist aber auch, dass man der dramatischen Veränderung des Marktes mit ängstlichen Schritten nicht lange wird folgen können. Es gibt ein riesiges Interesse der Allgemeinheit daran. Und nun muß man schlicht feststellen: Er argumentiert stark mit verfassungsrechtlichen Wertungen, ohne freilich den Stand der verfassungsrechtlichen Dogmatik hinreichend zu berücksichtigen. Aber der Trend ist abzusehen. Aus einer Weltverschwörung inkl. Apokalypse würde eine Utopie eines neuen Gesellschaftsentwurfes entstehen. Andere stellen jedoch fest: Polemisch ausgesprochen: Aus dem Pressetext: Wir zählen darauf, dass sich auch unsere Leserschaft selbst mit so harten Bandagen geführten Debatten nicht in Freund-Feind-Schemata vergräbt, sondern Interesse an einer Debatte hat, die zunächst alle Argumentationslinien gleichberechtigt als legitime Bestandteile des Diskurses akzeptiert, um sie dann auf ihre jeweilige Stichhaltigkeit zu prüfen. Wir gehen davon aus, dass sich das bessere Argument durchsetzt und nicht die lautere Stimme. In dieser kulturkampfartigen Lage könnte man einmal bei einer Feststellung ansetzen, der eigentlich ausnahmsweise alle Seiten zustimmen müssten: Leute könnten es ändern, es könnte in Zusammenhängen stehen, die ihm nicht behagen. Ihren Alpdruck kennen sie nicht so genau und der zeitgemäße Ausdruck für solche Unschärfen ist: ein Dokument der Angst und Faktenferne.
Deshalb meine Fragen:
Besteht die Möglichkeit einer Klage vor der WTO gegen dieses Unterfangen? (Ehrlich gesagt, ich glaube das, ja.) Vom Argument hat man sich dagegen ziemlich verabschiedet. Da weiß ich gar nicht, welche Stilblüte ich faszinierender finde. Wir sehen einem Dinosaurier beim Sterben zu und überlegen uns, wie wir ihn wenigstens noch so lange am Leben halten können wie uns selbst. Dann würde wenigstens jeder auf Anhieb merken, was da für ein Unsinn geredet wird. Frei übersetzt: Gemessen an den kulturellen und finanziellen Werten, die auf dem Spiel stehen, sind jedoch Eile und Klartext geboten. Aber Versachlichung ist vielleicht auch nicht immer angemessen. Zugegeben, das war jetzt übertrieben formuliert. Eine Fokussierung des Betrachtungsfeldes hilft dabei zusätzlich. Möglicherweise war dieses verwandte Gebiet der Ministerin zu heikel. Es klang nach Kulturkampf in “finsterer Zeit”: Denn alles ist gesagt und der letzte Tanz ist getanzt.
Hinweise / Texte:
Dank an:
http://delicious.com/CH_/heidelberger_appell
Und:
Zitat ist das eine und jeder Satz dem anderen ...
Unverständlichkeit / Unleserlichkeit
An der Schwelle zum 19. Jahrhundert dagegen kann ein romantischer Ästhetiker wie Friedrich Schlegel schon einen ganzen Aufsatz der Unverständlichkeit widmen und dieses Phänomen nicht nur ironisch feiern, sondern ins Zentrum der ästhetischen Theorie rücken. Und das Bemühen der Autoren, gezielt unverständliche Texte zu produzieren - d.h. daß um 1800 gerade umgekehrt das unverständliche Schreiben zur ästhetischen Norm avancieren kann -, kann nun schon zum Thema der Literatur selbst werden. In gelungener Ironie stellt uns ein aufmerksamer Beobachter der zeitgenössischen literarischen Schreibpraxis - Jean Paul - einen Autor - das vergnügte Schulmeisterlein Maria Wutz (1790) - vor, der aus der Not heraus, auf der semantischen Ebene keinen unverständlichen Text zustandezubringen, darauf zurückgreift, auf der Ebene der Materialität des Mediums - der Schrift - einfach „Unleserlichkeit“ herzustellen (dies gelingt ihm aber nur im Medium der Handschrift (Hervorhebung, H.A.), im gedruckten Text dürfte dies kaum noch eine erfolgreiche Option sein). An die Stelle der Unverständlichkeit tritt einfach die Unleserlichkeit (sicherlich auch eine schöne Selbstparodie der Romantik und seiner eigenen Schreibpraxis, die hier Jean Paul gelingt):
… denn da alles in Hexametern, und zwar in solchen, die nicht zu verstehen waren, verfasset sein sollte: so musste der Dichter, da ers durch keine Bemühung zur geringsten Unverständlichkeit bringen konnte ..., aus Not zum Einfall greifen, daß er die Hexameter ganz unleserlich schrieb, was auch gut war. Durch diese poetische Freiheit bog er dem Verstehen vor. (Jean Paul 1995/1790, 35)
In: Tim Hoinkis, Lektüre. Ironie. Erlebnis. System- und medientheoretische Analysen zur literarischen Ästhetik der Romantik. Bochum, 1997. S.35f.
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Eine Frage der Teilzeit
Teile ich mir die Zeit ein: teile ich gedanklich meinen Nachbarn in zwei Hälften. Verwuschle ich sein Haar und in seine Uhrenkette mache ich Knoten. Der Uhr verpasse ich einen Kokon aus Resten von Gel. Die Flügel am Hinterkopf laufen ihm stromlinienförmig zusammen. Am unteren Ende befestige ich einen Manschettenknopf. Da sucht er nach seinem Fahrschein.
Teile ich mir die Zeit ein: klingelt mein Telefon volkstümlich. Bin ich ganz Dienstleister in der Dienergesellschaft. Meide ich Menschen ohne Sozialleben. Gemietete Leben. Auf Saubohnenplantagen.
Teile ich mir die Zeit ein: versuche ich mich an Wegen der Darstellung und Herstellung persönlicher Ordnung. Es ist eine Ordnung vergeblicher Zeichen. Aber immerhin wirksam der Schein meiner Dinge durch diese. Berücksichtigungen. Beschwichtigungen. Kontinuitäten.
Teile ich mir die Zeit ein: gewährleiste ich Existenz durch Klassifikation ins Vorhandene. Entdecke ich in Köln-Ehrenfeld nicht ein Kaufland sondern den Potsdam-Simulator.
Teile ich mir die Zeit ein: erbreche ich mein Vomitiv in Geschichten. Das Elend der Welt im jungen Pennerpärchen zum Beispiel. Er, schlafend, komatös in einem fremden Traum. Sie, streicht ihm den Speichel vom Kinn, liebevoll. Oder eine andere: Vom Tramnebenan, der in seinem Handy Anruflisten bedient. (Ein schräger Blick, meinerseits). Ein Blättern von „Schatz1“ zu „Schatz2“.
Teile ich mir die Zeit ein: teile ich mich, ich mich mit, mit mir selbst, und die Welt.


