schachteln

Sonntag, 15. April 2007

22. Schachtel (Abweichungen)

Wenn es doch möglich ist darüber zu schreiben, warum man schreibt, muss es doch möglich sein zu schreiben, warum man über Schachteln schreibt. Wo viele behaupten erst zu schreiben, warum man schreibt, sei schreiben. Eigentliches Schreiben. Erst wenn das plausibel erklärt werden konnte, und was am eigenen Schreiben das Spezifische sei. Glaube ich, schreibe ich über diese Gefässe. Warum? Vielleicht um sie zu füllen?

ich. opfer einer phobie. der angst vor leeren gefässen. nun müsste man ernst-wilhelm händlers die frau des schriftstellers zur hand haben. darin: eine seitenlange liste mit angstterminologien und ihrer beschreibungen. ich könnte mich darin wiederfinden. ich habe das buch verliehen. ich habe vergessen an wen. ich schreibe weiter.

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Montag, 09. April 2007

21. Schachtel (7-6-7)

Zünde ich mir eine Zigarette an. Die Zigarettenschachtel – die erste Schachtel am Morgen, ich meine: meine erste bewusste Schachtelbegegnung, ein Zuhandensein, Raumbild zukünftiger Lungenzüge und künftiger Asche. Jede Menge Asche. Rauch. Schwaden. Exhalat aus zehn mal zwanzig Atemzügen. Und zigfaches Aufblitzen und Funkenflug. Und die Reste: zerstossen passten sie mühelos in die Streichholzschachtel daneben. Ins Urnenäquivalent. Sargnägel, nennt man sie auch.

ein kleines spiel mit der ewigkeit. mit dem, was man sich darunter vorzustellen vermag. mir fällt ein buch von nicholson baker ein. ich schreibe den titel auf. a box of matches. ich notiere dazu: „kleine phänomenologie der morgenstunde“. und: „mehr dazu bald“.

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Freitag, 30. März 2007

20. Schachtel (In Samt und Seide)

Körperkisten und Gedankensärge, gleichermassen. Wirksam, kommen zum Einsatz nur offensichtlich, nur oberhalb der Erde, Gefässe der Abschiednahme, gleichermassen.
Die Urnen dagegen: abstimmungshalber, und fürs Regal. Für den gedachten Wiedergebrauch. Für den Widerspruch.

noch jeden meiner familie habe ich zweimal unter die erde gebracht. noch jeden zweimal verabschiedet, in die kiste gegrüsst und den kopf gesenkt bei der einlotung des metallboliden in die erde. ein ritual, zwei rituale, die nie hinterfragt wurden – bei uns. ein gruss an den körper, einer an den inhalt, der allmählich entweicht.

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Mittwoch, 21. März 2007

19. Schachtel (Draussen ist nichts)

Ein Rollkoffer oder nicht. Nichtrollender Koffer. Wird da Raum durch Gegend getragen? Oder gerollt? Entgegen der Bezeichnung: geschoben? Ein Rollraum? Oder rollender Raum? Raum auf Rollen? Überhaupt: kann etwas noch als Raum bezeichnet werden, wenn es abgeschlossen oder wenigstens angedeutet wurde. Und sich in Bewegung befindet. Ist bewegter Raum noch Raum? Sind dessen Gefässe nicht schlechthin als nur angedeutete Räume zu bezeichnen?

auf zwei rollen werden sie hinter sich hergezogen. auf vieren führt man sie seitlich mit sich, was auf einer ebene eleganter aussehen kann. auch auf dreien habe ich sie schon gesehen. auf einem bahnhof. ein halter rauchte gerade eine zigarette. über mögliche fortbewegungsarten kann ich nur spekulieren.

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