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themenklüngel

Donnerstag, 14. Januar 2010

Schöftland: Der Schein trügt

Es bleibt offen, wen oder was dieses Publikum da taxiert, beobachtet, ablichtet, im Hintergrund Zitate einer malerischen Altstadt. Geschichte. Auf dem Bild von Floh von Grünigen, Sänger und Musiker der Berner Gruppe Schöftland, ist dieses Hauptakteur und damit werkgewordene Rezeptions- und Systemtheorie schlechthin.

Musikalisch, kann man sagen, liedtextlich nehmen Schöftland ebensolche Konstruktionen auf und spielen sie an und durch, wie etwa in “Der Schein trügt”, das auch Titelpate für das jüngste Release wurde.

(..)
doch der schein trügt
und der freund lügt
und trotzdem
und trotzdem
wollen alle auf die bühne

Das Kunstwerk (die Band, die Musik, das Ereignis, der Rahmen) formiert also ein Gegenüber und erhebt dieses selbst zum Sujet. Das zu erinnernde, festzuhaltende Ereignis ist sein Stattfinden und Dabeisein. Die Bühne wird, aus dieser Perspektive, so zur Scheinbühne, erlogen, und ihr Gegenpart, die Gegenbühne, auf die alle wollen, ist wahr und reell.
Doch auch so trügt der Schein, denn der Ansatz setzt für den Betrachter dieser Situation eine Dialektik in Gang, die in Blickwechseln auf die Bühnen, die Frage nach eigener Bühnenhaftigkeit und Inszenierung stellt.
Objektivierung könnte man diesen Vorgang nennen, und die Frage, ob man nun auf diese Bühnen wollte, wird prekär und zum Thema von Identität ... Zu solchen Überlegungen laden Schöftlandlieder ein.

“Element of Blumfeld” wurden sie in Foren und bei Twitter genannt, und sicherlich nicht zu unrecht. Tatsächlich müsste man noch Namen wie Fink und Kante hinzuaddieren, alles Bands, die sich gewissermassen in Beobachtungen 2. Ordnung ausgewiesen haben, um das Koordinatensystem zu vervollständigen.

Kaum zu glauben, dass dieses Projekt ein Bernerisches ist. Auf den Tracks sind solche Spuren musikalisch verwischt. Auf der Bühne jedoch kommen sie wieder klar zum Tragen. Die Publikumsadresse, live und in Mundart, gibt der Musik wieder einen konkreten Ort, und verleiht ihr eher Authentizität, als dass sie genommen wird.

In jedem Fall hörens-, sehens-, empfehlenswert:

http://www.schoeftland.com/
http://www.myspace.com/schoeftland
http://www.chop.ch/

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Dienstag, 21. April 2009

Marxistische Bierbrauer aus Bayern

Kurz und gut, der alte zittrige Professor (Regenwurmologe) gefiel mir sehr. Erstens war er gar nicht aus Freiburg, sondern aus Bern. Und das bedeutete nicht wenig. Bern leidet unter dem alten, mitteleuropäischen Vorurteil, etwas kleiner als der jüdische Friedhof von Prag, aber um einiges freudloser zu sein. Doch das ist nicht richtig. Und die Berner sind nicht übel. Sie haben den fast mediterranen Charakter einiger marxistischer Bierbrauer aus Bayern, sind zugleich aber weniger aufdringlich. Und sie haben mit uns Inselgebürtigen etwas gemeinsam: ein gesundes Misstrauen gegen Autos mit dem Kennzeichen AG, das in ihrem Fall das Kennzeichen des Kantons Aargau ist (in Sizilien steht AG für Agrigento, n.d.t.). Dieses wird dort mit “Achtung Gefahr” übersetzt. Diejenigen, die ich gar nicht ausstehen kann, sind die Zürcher, die Genfer und die Freiburger. Auch der Alte erträgt sie nicht!

Passage / Übers. v. A. Impedovo: Die Mordfälle der Via Medina-Sidonia. (Santo Piazzese, I delitti di via Medina-Sidonia, Sellerio Editore Palermo, 1996, S.213f.)

text #4974 (hab) ∈ conditio helveticabernensia
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Samstag, 25. Oktober 2008

Theaterkulissen

Ich lief einige Stunden durch die zerstörten Aussenquartiere Neu-Berns, durch Breitenrain und Lorraine, dann linker Hand über den Behelfsponton wieder hoch in Richtung der recht gut erhalten gebliebenen Altstadt. Die Träger der von Deutschen gesprengten Lorrainebrücke ragten wie graue Gräten aus den eisigen Wassern der Aare. Der Bärengraben war leer, die Faschisten hatten die Tiere vor langer Zeit verhungern lassen. Bei einigen bombardierten Häusern waren nur Hausfronten übriggeblieben, Fassaden. Sie standen am Strassenrand oder etwas weiter hinten auf einem Feld, ohne Dach, nur die Hausmauer selbst war zu sehen. Durch die Löcher der Fenster sah man auf das, was dahinter lag, man sah wie durch eine Kastenkamera in das weissbestäubte Grünbaum, dort auch in das schneebedeckte Stoppelfeld, dahinter der blaue Himmel. Es war erneut, als seien diese ruinierten Häuser Theaterkulissen, die jemand dort hingeschoben oder –gezogen hatte, neben den von deutschen Granaten aufgeworfenen Erdhügeln und den zerborstenen Holzbalken, deren Enden schwarz verkohlt und schartig aufwärts ragten.

In: Christian Kracht, Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten, S.26, 2008

text #4880 (hab) ∈ conditio helveticabernensia
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Freitag, 30. Mai 2008

Lenz und die Bachmann

Nach Christoph Simon (2005) tritt nun innert kurzer Zeit auch ein zweiter Berner im Wettlesen um den Bachmannpreis an. Was Pedro Lenz, Simon und die Bachmann (meines Wissens: keine Bernerin; den Preis hat sie aber auch nie gewonnen) allerdings verbindet, ist mir bis heute noch schleierhaft. Es muss an den Neuerungen liegen, und die sind wahrscheinlich und vor allem: sprachlich. Der Lesemarathon wird straffer, gleichzeitig aber publikumswirksamer und internationaler gestaltet. Ich selbst arbeite noch an meiner Straffheit und Internationalität und stehe daher erst ab 2011 zur Verfügung. (Vielleicht lebe ich dann ja auch wieder publikumswirksam in Stuttgart).

text #4810 (hab) ∈ conditio helveticabernensia
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