taberna kritika

Nachtphantasie

Stell’ dir ruhig etwas vor

Etwas außerhalb deiner Welt

Fern von deinem Viertel

und deinen alltäglichen Schritten

mit denen du von A nach B gehst

Deine Häuser werden schon von Fremden bewohnt

und dein Kleid wäscht der Tod

Während du noch die Gabel biegst

liegt auf deinem Teller bereits der Schnee

Dein Haar wächst jeden Tag

aber du spürst nichts als

dieses Rauschen im Ohr

Niemand sagt dir: So nicht mein Freund!

Und doch glaubst du manches Mal, falsch zu liegen

Im Sand der Zeit kriecht die Schlange

ihr Mund ist voller Zuversicht

Er spricht. Er spricht zu dir, und wenn du

dein Ohr zum Herzen neigst, vernimmst du Stimmen

doch es ist nur dein Blut und du bist zu alt um noch zu glauben

daß Seligkeit Wasser und Feuer ist

und es ist nur das Rollen deines Bluts

das du hörst

wie ferner Donner

dem kein Blitz zugrunde liegt

Liebe Erde

Ein Spatenstich tief unter meine Füßen

wimmelt eine Welt

fast ärger noch als hier:

Liebe Erde

ich lasse Dich schön grüßen

Und mit dir Dein Getier

das unter meine Füßen

im Staub zu Kreuze kriecht

Auch meinen Nacken wird des Spatens Blatt einst küssen

Dann

wenn mein Fleisch nach Erden riecht

Aber die Bäume

(In Memoriam Salvatore Quasimodo)

Aber die Bäume,

die Bäume haben’s mir angetan:

wenn im August

ihr bereits gesättigtes Grün

den Sommer sprengt

und die Wälder

nordwärts wandern wollen

Die Welt

hat es mir angetan

daß ich mich so matt fühle

so matt und so elend

mit mein Luftwurzeln

so dicht über der Erde

und so elend haltlos

wenn der Abend kommt