taberna kritika

sonntag

sonntag dampfbad aquarelle

endreim steputat als quelle

leiber wasser fleischmodelle

sonntag dampfbad aquarelle

wegrands spiesser treten stelle

fragen staunen nicht sehr helle

nackte fluten blauflanelle

rüstung vorher im hotelle

marsch proteste menschgebelle

fragen deutung kulturelle

interpretationskartelle

meinung weder originelle

noch besonders visuelle

sonntag dampfbad aquarelle

endreim steputat als quelle

bademäntel blaupastelle

eintritt klarluft nebelschwelle

grüsse hallo virtuelle

offizielle sexuelle

substantiell und punktuelle

führung klärung frikadelle

bier und dampfbad aquarelle

menschen lachen aus der zelle

schunkeln tratschen blaskapelle

sinn und unsinn wortduelle

endreim steputat als quelle

sonntag dampfbad aquarelle

(zu: “I love the NPF”)

nachtrag

(25.10.)

dieses, abgelichtet, vorgetragen an den zwei orten, darum zwei versionen “sonntag” (v1: im dampfbad, marks blond | v2: im qc, jew. wav, 2,2/2,5 MB, 2:22/2:50 min.), gelesen, garantiert unbehandelt, ungeschnitten – natürlich wie immer schon öfter in gnadenlos schreddriger, dampfschwangerer, akustisch suboptimaler, aber gerade darum authentischer qualität von siewissenjaschon





Paare am Morgen XII

Sie ist im Begriff nach einem Filter zu suchen. Ihm gegenüber, von ihm durch eine Mauer getrennt – würde sie durch die Schranktüre, vorbei an Töpfen, durch Rückwand, Tapete, Stein, die Holztäfelung, Bücherregal, vorbei an den Büchern schauen können, der Blick sich winden und durchdringen können, sie würde sehen, dass er sich in diesem Moment über seinen Schreibtisch beugt. Sie würde sehen, wie sich sein Rücken krümmt und seine rechte Hand nach einem Stift, die linke nach einem kleinen Stück Papier greift, würde vermuten, er wolle etwas aufschreiben, etwas, das ihm gerade in den Sinn gekommen war, was er nicht vergessen, womit er sich später noch beschäftigen will. Was es wohl wäre, würde sie sich fragen.

Buch, Regal, Verkleidung, Stein, Tapete, Schrankwand, Topf und Türe – diese Dinge puffern den Verdacht der Frage. Der, die Last des ungeraden Blicks an seinem Rücken dennoch Spürende, diesen Blick in einem Spiegel knapp verfehlend, der, zurückgeworfen, jene Frage falsch verstände, atmet ein.

Dranmor VII,4d

(Bar Brasil)

Ein letztes Bier, schlägt Fernando vor. … noch einen nehmen, so sagte er es.  Hier, diese Bar habe neu eröffnet. Eine brasilianische Bar, wahrscheinlich viele Einwanderer und Asylsuchende, aber hier in diesem Viertel sei nicht mehr so viel geöffnet, nicht an einem Montag um diese Uhrzeit, es sei ja auch schon drei. Und es sah freundlich und harmlos aus, von aussen. Ein bisschen billig auch, die Fenster verklebt, mit knalligen Aufschriften in grün und gelb. Wir treten durch eine abgedunkelte, schwere Glastüre – ein süsser Dunst schlägt uns entgegen. Kitschiges Ambiente. Tropfsteinhöhlenrequisiten aus Pappmachee. In der Ferne ist ein DJ-Pult, dahinter eine etwas ältere Frau in hautengem Etwas zu vermuten, angestrahlt, leuchtend, hinter ihr eine barbusige Comicfigur, eine Frau mit Vampirzähnen und Fledermausflügeln. Aha, eine Mottobar, meine ich zu Fernando, From Dusk till Dawn – für Arme und noch nicht mal was los hier, entgegnet er, aber gut, für ein Cervesa sollte das reichen. Wir müssen uns beinahe anschreien, so laut die Musik, Hiphopmusik mit brasilianischen Anspielungen. Wir nehmen Platz an einem nächstbesten Tisch in der Mitte des Raumes, hinter uns, das fällt mir jetzt erst auf, eine Stange auf einem kleinen Podium, ausgeleuchtet, der Hintergrund, eingefasst in rotem Samtimitat. Es sei einmal ein Puff hierin gewesen, man habe nicht viel verändert. Die Besucher. Meine Frage an Fernando, ob es sich nicht vielleicht doch immer noch um einen Puff oder so etwas ähnliches handelte, nachdem ich in einer Nische vier herumalbernde Mädchen in nur äusserst spärlicher Bekleidung gesehen habe. Eine steht nun auf, läuft zu dieser Stange und räkelt und windet sich um sie und und an ihr ich vermute, dass es sich hierbei um keinen neuen Tanzstil handelte. Überhaupt, nur halbnackte Mädchen, hier. Aber es sei ja eine brasilianische Bar, und, wie ich vielleicht wüsste, sei dort ja prinzipiell alles ein bisschen zwangloser. Ich entgegne nichts. Und dass vielleicht die eine oder andere … eine Bedienung kommt an unseren Tisch, auch sie sozusagen in zwangloser Strandkleidung. Wir bestellen zwei Biere. Augenpaare suchen meinen Blick, von allen Seiten. Fernando hat nichts zu sagen, im Moment, hält die Hände unter dem Tisch und sieht alles in allem etwas in sich versunken aus. Dort drüben, eine dunkle Langhaarige, sitzt alleine und schlägt die Beine übereinander, blinzelt. Ich schaue weg. In einer anderen Ecke, ein Mädchen löst sich aus ihrer Mädchengruppe und kommt zu uns herüber, nein, kurz vor unserem Tisch bleibt sie stehen und fängt zu tanzen an. Unsere Getränke werden gebracht, ein Kassenausdruck wird diskret unter die Schale mit Nüssen geschoben. Sie murmelt etwas, streicht mit der Hand über eine Ecke des Tisches, lacht und trippelt wieder zurück an ihre Bar. Mir fallen ihre hochhackigen Schuhe, die eigentlich nur Absätze sind, auf. Eine Gruppe junger Männer tritt ein. Vier Jungs, die sich hier bestens auszukennen scheinen, grüssen das Mädchen an der Bar, die neben uns Tanzende und gehen zu der Sofaecke neben dem Mischpult. Die Frau hinter den Plattentellern grüsst sie mit einem knappen Blick, der nichts bedeutete. Ich bin etwas nervös, Fernando scheint sich zu langweilen.

Paare am Morgen – live

Sie hat heute Preise bekommen. Den Dritten, den Fünften, den Achten und den Zehnten. Eine öffentliche Preisverleihung fand nicht statt.

Köln, 09.10.04: Christina Messner (v) und Inka Ehlert (vc) improvisieren im Grünen Salon zu hab und den Paaren am Morgen I, VI, VIII, IX, X und XI. Einen furchtbar übersteuerten und verrauschten Live-Mitschnitt in mangelhafter iTalk/ Griffin-Qualität (wav, 16 Mb, 16 min.), mit Handygeklingle, Räuspern, Husten und dergl. und das ganze garantiert unbehandelt, gibt es hier. Aber, ich warne Sie! Tun Sie sich das lieber nicht an …