taberna kritika

Der Weimarer Briefwechsel

Zum 254. Geburtstag des Herrn Goethe

Entzweiung …

Goethe schrieb an Eckermann:

Du gehst mir auf den Wecker, Mann!

Eckermann schrieb gleich zurück:

Leck mich doch, du blödes Stück!

Da schrieb Goethe Schiller an:

Nie mehr Post an Eckermann!

Der Wurm wird forthin boykottiert.

Er hat mich derart provoziert,

am liebsten würde ich ihn töten.

Alles Gute! Grüße! Goethen

Schiller griff trotzdem zum Stift:

Eckermann, du Wicht, nimm Gift!

Und lass Hans-Wölfel bloß in Ruh.

Eckermann, ein Doof bist du!

Eckermann darauf an Schiller:

Blöder Schreiberling! Was will er?

Was geht mich sein Gemecker an?

Halt er die Klappe! Eckermann

… und Versöhnung

Goethe schrieb an Eckermann:

Ich schmeiß jetzt meinen Trecker an

und fahr mit dir zu Neckermann.

Da hat’s ein tolles Schnapsprogramm.

Hört sich das nicht lecker an?

Klar! Beeil dich! Eckermann

P.S. Bring Fritz mit, wenn er kann!

taz > (GROa)

Zartes Wesen

Ein Männerlied

Glaub mal nicht, du kleine Schöne,

dass ich dich auch noch verwöhne.

Bei mir, da musst du Socken stopfen,

Betten machen, Teppich klopfen,

putzen, spülen, waschen, kochen.

Ja, Hausarbeit geht auf die Knochen.

Doch nicht auf meine, das steht fest.

Ich hasse Arbeit wie die Pest!

Also hau rein, mein zartes Wesen,

hier ist der Kittel, da der Besen.

Hab nichts verloren in der Küche,

hasse Kohl- und Fleischgerüche.

Du glaubst doch nicht, dass ich mich quäle,

indem ich die Kartoffeln schäle.

Mach du das mal, dir liegt das eher.

Ich bewach den Fernseher.

Steh auf! Der Sessel gehört mir.

Wo du grad stehst, hol mal ein Bier.

Maloche? Arbeit? Geld ranschaffen?

Ich mach aus mir doch keinen Affen.

Dafür gibt’s den Prolomob.

Besorg dir bitte selbst ‘nen Job!

Du bist das Faulste, was ich kenn’.

Wie? Keine Zeit? Ja, glaubst du denn,

die Kohle kommt allein ins Haus?

Denk doch mal nach! Ich ruh mich aus.

Ja, die Welt ist groß, mein Kleines!

Komm mal her! Dann gibt’s was Feines.

Jetzt zeig ich dir mal ein paar Sachen,

die manche nur im Dunkeln machen.

Was lallst du da von Müdigkeit?

Frauen sind doch stets bereit.

Die kümmern sich um ihre Gatten

und verwöhnen deren Latten.

Aufstehn, Schätzchen, Frühstückszeit!

Komm, hopp! Hast du die Schlafkrankheit?

Soll ich gar selbst den Kaffee machen?

Wo bist du? Wo sind deine Sachen?

Scheiße! Einfach abgehauen!

Eine Crux ist’s mit den Frauen.

Ich habe sie doch so gemocht.

zumindest das, was sie so kocht.

taz > (GROa)

Verse von den fünf Versuchungen

I. Prahlerei

Der berühmte Entdecker

Entdecker Neidhardt von der Quandt

entdeckte manches neue Land.

Fand hier ein neues Flußgerinsel

und dort dann eine Palmeninsel.

Erstöberte Meere und Berge.

Sah fremde Völker, Riesen, Zwerge.

So an die sechzehn Kontinente

fand Neidhardt bis zu seiner Rente!

Wen das besonders faszinierte,

war König Kurt, der Quandt regierte.

Sein Reich wuchs durch das neue Land,

was er als angenehm empfand.

So wurde Quandt, zurückgekehrt,

von seinem König hoch geehrt,

gelobt, belohnt und andres mehr.

Ins neue Land zog dann ein Heer,

um mittels der Gewalt von Waffen

sich dies erobernd zu beschaffen.

Doch meistens kam es nicht so weit.

An einer Schwervergeßlichkeit

litt der berühmte von der Quandt,

der’s neue Land nicht wiederfand.

wilhelm-busch-preis > (GROa)

Knochenharte Weihnacht

Die Stadt schon morgens zugeparkt.

Japaner auf dem Weihnachtsmarkt.

In allen Fenstern Christkindfratzen.

Erst Schneeschippen. Dann Eiskratzen.

Auf die Kalorien achten.

Oder nachher Wochen schmachten.

Tannen fällen. Gänse schlachten.

“Stille Nacht” für Oma singen.

Um die Gänsekeule ringen.

Voll gestopft darniederliegen.

Warten aufs Geschenkekriegen.

Auf harten Kirchenbänken hocken.

Dann Krawatten. Oder Socken.

Punschgefüllt durchs Zimmer schlingern.

Schokolade an den Fingern.

Knochenharte Kekse kauen.

Fürchterliche Filme schauen.

Knabenchor und Liederschallen.

Kann Weihnacht nicht mal ausfallen?

taz > (GROa)