taberna kritika

ohne Titel

Ein Sonnenblitz,

vom Nebel gelöscht.

Du siehst den Himmel anders.

Seitwärts gebeugt

fällt er herab.

(Alfred Kolleritsch, Befreiung des Empfindens, S. 30, 2004)

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Dr Gotthäuf – Vorbehalte

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr jö dr jö dr

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr jö dr jö dr

Jö dr jö dr jö dr

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr Gotthäuf!

Jö dr jö dr jö dr

Jö dr jö dr jö dr

Jö dr jö dr jö dr

Jö dr Gotthäuf!

Jööööööö dr Gotthäuf!

(Beat Sterchi, Bitzius – Ein Gotthelfprogramm mit Musik, ohne Seitenangabe, 2004)

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Orkan

Der Wald blitzt hell

von vielen Splitterstrümpfen.

Ein Menschenalter brach,

vielleicht auch zwei.

Da liegen sie,

die Gewinnfaktoren,

wirr

wie ein makabres Spiel.

(Christa Hagmeyer, Hier und jenseits der Hügel, S.12, 2004)

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Mein Universum

Ein wenig Latein

Drei Semester lang

Sechs Stunden die Woche

(ohne die Zeit für Vor- und Nacharbeit)

Davor gelernt

Wie man Zahlen so wendet

daß der Saldo stimmt

Kennzahlen und Kontokorrent

auch eine der septem artes liberales

Von Büchern den Staub gewischt

Und von Metallteilen den Ölfilm

Ein wenig Betten geschoben

in irgendeinem Sterbehaus

in Hamburgs Norden

Transit ohne die Bedenken

die man heute damit verbindet

Aber was für ein Aufbruch

der ganze Überschwang der Jugend

in einem Kartenhaus voller Bücher

Theater vom Feinsten

Glanz der frühen Jahre

Später dann: eher Langeweile

ein Mißbehagen

verursacht durch

zuviel Rückblick

Ich neige heute dazu

Vieles dem Zufall zuzuschreiben

Eine Formel

die wenig erklärt

Im Alter hören die Fragen auf

sagt mir eine, die’s wissen muß

Ein Andrer, daß

nicht alles Gold war, was glänzte

Gott sagt mir Nichts

ER schweigt

Das stört mich aber nicht

Im Gegenteil

so bleibt es spannend

Woher dann aber

– manches Mal –

der Überdruß

vor oder nach der Rasur

Mit oder ohne Bart

ändert nicht die Haltung

Vor dem Spiegel ist

hinter dem Spiegel

All its the same, Alice

Komisch nur, daß

in all dem keine Lehre steckt

Weder davor noch dahinter

Mein Geheimnis

bleibt mir unergründlich

Was ich weiß

passt in einen Fingerhut

Meine Nußschale

mit dem grünen Segel

Was ich weiß

ist in nuce

Ist mein Universum

Neapel im Frühling

Die Stadt liegt träg am Ankerplatz von Träumen.

Ein Lächeln steht den Kindern im Gesicht.

Der Wind geht um und löscht das Licht,

das hängenblieb in Winterbäumen.

Aus hundert Kirchen summt die Trauer,

Vervielfacht sich, steigt auf und fällt

auf morsche Dächer, wo das Geld

im Kasten schimmelt, wie auf Lauer.

Ein Staunen geht von Tür zu Tür,

kreuzt Katzen, die die Nacht durchschleichen

und sieht wie die Gespenster weichen

durch Ritzen in den Mauerfalten.

Verfall hält tanzend Hochzeit hier

In dieser Stadt, der heiligen, uralten.