taberna kritika

augenschauer

die nähe des regens ein sommergewitter

das strenge herz es fühlt sich mild und

weich wenn dein blau es mit blicken

kühlt die tropfen unter meiner haut wie

aus einem himmel fallen tief in mich du

die netzhaut deiner hände spannst um

meinen körper mich nie mehr aus den

augen zu verlieren nach ihrem schauer

(Albert Ostermaier, Solar Plexus, S. 61, 2004)

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Morgenlied

Mit deinen Silberstiefeln

aus Tau

trittst du

Morgenspinne

meinen Schlaf

in den Tag

Wäre die Welt

wie ich sie wünschte

Liebste

Leichte Spindel

wärst du

und ich

Roter Wein

dein dunkler Gefährte

Immer kürzer

Immer kürzer werden die Tage

Der Schatten, den dein Körper

wirft

wenn die Glockenblume

wieder ein Ostern einläutet

wird länger

Immer länger wird

dein Warten auf die Nacht

Im Schein einer Laterne

deren Licht seine Quelle nicht kennt

wirfst du das Ende eines Seils

ans dunkle, andere Ufer

Immer kürzer deine Ungeduld

Immer kürzer die Nacht

Immer kürzer

der Schwanenhals

der weißgefiederte

an dem deine Sehnsucht

hinuntergleitet

In die Nacht

Ganz plötzlich

Ganz dunkel plötzlich

Ganz dunkel plötzlich

ein schwarzer Hengst

erleuchtet Dich

die Angst

von der Sonne aufgestochert

mit ihrem Schürhaken

aus Gold

auch nachts

auch dann

wenn vom Ast die Blüte schneit

und einen hellen Teppich

den Hufen zu Füßen streut