taberna kritika

Tanzliedchen

Alles, was noch übrig ist

bleibt dir in der Gnadenfrist

Ist ein Stein, ein Baum, ein Haus

und ein Wurf noch, Spiel dann aus

Nur ein Tanz noch, zwei im Reigen

Licht geht an und an hebt Schweigen

Hüsteln im Orchestergraben

Stoff, der raschelt, Eile haben

Das Leben strebt zur Garderobe

das Leben, das gedacht als Probe

Und alles, was noch übrig bleibt

ist diese schwache Hand, die schreibt

Schreibt in ihrer Gnadenfrist

Von dem, was war, von dem, was ist

Die Wärme einer Hand

Die Wärme einer Hand in meiner

Des Urknalls Feuer schwacher Glanz

Die Finger Gottes in so reiner

und lethaler Transsubstanz

Was sie trug und wer sie führte,

Gott, wer weiß, ich weiß es nicht

Wer so wie ich die Hände spürte

schlägt sie nieder als Gedicht

und umschließt mit seinen Reimen

was der Hand wie Schnee zerfloß

und sammelt Kraft wie Saat im Keimen

im Gedicht wie einem Schoß

So geht‘s

Die Kunst liegt darin

ganz bei sich selbst

zu sein

Den Flug eines Vogels zu betrachten

als den Flug eines Vogels

Und nichts anderes darin zu sehen

als den Flug eines Vogels

im Blau der Luft

Reingewaschen

vom Feuer der Nacht

Die Jahre

Du kannst die Jahre

nicht zurückholen

Verstreutes Korn

in den Scheuern

der Kindheit

Vögel

auf einem schwarzen Ast

du biegst dich unter der Last

ihres Gefieders

Leichten Gefährten

deiner Reise

Die Toten

schreien laut auf

immer

wenn du an sie denkst

Wenn du nach Süden schaust

fällt Schnee dir

in die Augen

Die Jahre verwirbeln sich

in den Speichen

der Zeit

und langsam

ganz langsam gleichen

sie so

der Ewigkeit