taberna kritika

Die Jahre

Du kannst die Jahre

nicht zurückholen

Verstreutes Korn

in den Scheuern

der Kindheit

Vögel

auf einem schwarzen Ast

du biegst dich unter der Last

ihres Gefieders

Leichten Gefährten

deiner Reise

Die Toten

schreien laut auf

immer

wenn du an sie denkst

Wenn du nach Süden schaust

fällt Schnee dir

in die Augen

Die Jahre verwirbeln sich

in den Speichen

der Zeit

und langsam

ganz langsam gleichen

sie so

der Ewigkeit

Die Liebste sagt

Die Liebste sagt:

„Ich lieb‘ dich nicht“!

Ja, kann man das ertragen?

Der Liebsten klagt

der Liebeswicht:

„Wie kannst du so was sagen?“

Die Liebe fragt:

„Wer glaubt an mich?“

und das ganz ohne zagen.

Der Lieb‘ behagt

– was für sie spricht –

ganz unverwandt zu fragen.

Das Lieben nagt

als Herzens Gicht

mir in Gedärm und Magen

Die Liebste ragt

auf lange Sicht

heraus aus meinen Tagen.

Der Mensch

(für H. Grönemeyer)

Der Mensch

ist ein Speicher

je älter, je reicher

Was er sieht

mit den Jahren

das muß er bewahren

Der Mensch

und das behält er

wird voller und älter

Und was er behalten

das muß er verwalten

All diese Sachen

Die Träume im Wachen

Das Raunen der Träume

in seiner Scheune

die muß er ertragen

mit Knurren und Zagen

Der Mensch

ist ein Speicher

wird älter, wird weich er