überschreibungen 12

(grosses gelände, rohstoffe)

zum einen: dass in diesem halbkapitel stark sichtbar wird, wie die ursprüngliche anlage des textes gedacht war. als novelle nämlich, die sich aber mehr und mehr aufplusterte, die sich sprachlich verselbständigte, die ausuferte ohne aber den plot stark zu komplexieren: die an terrain gewann und in verschiedenen parzellen nun übungen (deklinationen) vollführt. natürlich mehr spielraum. natürlich mehr oberfläche. befreiend zuerst, dann aber (ebenso natürlich) die frage, wo das hinführt. die zeitliche unabsehbarkeit (daraus, wenn etwas nicht am reissbrett gezeichnet wurde), die aber, wie in einem kommentar geschrieben wurde, auch gewinn sein kann. die zeitliche unabsehbarkeit muss nicht abschrecken. tat es vielleicht am anfang – das hat sich nun ein bisschen geändert. zu dem von dir (i.e. hediger) gemeinten projekt dranmor: wichtig ist (in meinem falle, da es für dieses projekt keine deadline gibt. und anders, als noch in der skizze dort angedeutet), dass ich mich nicht selbst zu sehr dränge, sodass mir die lust vergeht. wichtig ist auch, dass es nicht die einzige arbeit bleibt. dass es da etwas überschaubares gibt (oder i.m.f., oder auch in unserem: mehrere kleine manuskripte, die entstehen), das auch tatsächlich in absehbarer zeit umgesetzt und abgeschlossen werden kann (…), das in diesem stadium. (in einem jahr ist also diese frage noch einmal zu stellen).

ich gebe zu: das kapitel vier ist sicher eines der schwächeren kapitel, eines, an dem stärker gearbeitet werden muss, eines, das mit noch viel mehr erklärungsbedürftigen montagen arbeitet, eines, in dem die motive (von roman und dem erzähler) sehr verwirrend sind (und sich überlagern), eines, das darum noch sehr viel mehr mit typographischen elementen spielt (spielen muss), wirft sie mir vor. dann habe sie keine grosse lust verspürt, daran intensiv weiter zu lesen und schlage nun vor, gleich zum nächsten kapitel überzugehen. sie werde das aber nachholen, wenn dieser teil soweit sei. ich vermute allerdings auch, sie möchte mich etwas strafen.

aber zurecht: ohne das original wird auch diese stelle kaum lesbar sein. dabei skurril: einen pathetischen gedichttext dranmors [abb.: dranmor, edward gray (1. hälfte), in: gesammelte dichtungen, 4. a., 1900″> von roman (ich erinnere: eigentlich einem widerpart des erzählers, eigentlich aber: alter ego) inhaltlich in eine jugend- sprachliche szene (vielleicht der neunziger jahre) zu überführen. das beispiel (umsetzung titelung bis z. 4): Eddi is noch nich soweit // Nach Dranmor nach Alfred Tennysons Edward Gray // emma moreland und edward gray treffen sich auf der strasse // EMMA: hej eddi, alles klar? lange nicht gesehn. und, schon unter der haube, oder solln wir uns mal wieder treffen? (zwinkerzwinker). in dieser art. (). das ist natürlich starker tobak (oder: “das ist doch jugendtheater!“) und wirklich fraglich (fragwürdig), ob man das zeigen eines scheiterns einer semantischen übertragung jenseits aller formen so anpacken kann. das muss man sich wirklich noch überlegen. (und notfalls einfach streichen). andererseits: wie mir hier wieder auffällt, ist dieses vorgebliche verfahren romans natürlich auch wieder eine art überschreibung und zitiert im kern diesen text (und umgekehrt: reziprozität). vielleicht ist also nicht das verfahren generell verkehrt, sondern ich muss nur an dieser ganz konkreten umsetzung feilen. CONTAINER: dann natürlich auch wieder Beruhigung. Das Naturgemässe der Pathetizität von Jugendlieben – wie anders will man das in diesem Falle auch anpacken? Denn als Rohstoff.

(zu dranmor IV,1g-IV,3; übersicht überschreibungen)