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Ich möchte wieder hören können. Also insistiere ich und bitte sie noch einmal von ihrem Appartement zu erzählen, das sie wegen mir verliess. Es sei kein grosser Verlust gewesen. Nur ein seltenes Nachhängen eines Zustands dessen Unerträglichkeit ihr manchmal fehle, mache ihr dann zu schaffen. Beim letzten Besuch, erst gestern wieder: das Wohnzimmer, ein kleiner einfacher Raum, immer noch nicht aufgeräumt, nicht Staub gewischt.

In der Küche fand einmal eine Party statt. Die leeren Flaschen weisen darauf hin, nicht mehr die Neigen, die sind verdunstet. Das Klo sei immer noch verstopft, und ein Plakat hänge schief neben einem Fenster. Oder das Fenster. Alles in allem sehr ungelüftet, was es da noch zu sehen gäbe. Einen Ort, den man gerne besuche, aber nicht darüber spreche. Etwas, das man niemandem vermieten würde.

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So würden sich die Dinge ändern, sich dann aber bei nächster Gelegenheit wieder treffen. Zusammenhängen, sagst du. Und fragst, warum ein Traum denn etwas mit dem Unterbewussten zu tun haben sollte. Dass er doch eher ein sich aufdrängendes Bewusstsein habe, ein richtiger Aufdränger sei und nur zu kleinsten Teilen von uns. Und nicht in unserem Steuerungsvermögen, nein, nicht einmal in uns.

Die Dinge führten Zwiegespräche über unseren Köpfen. Und manchmal gäbe es auch Beschlüsse: Dass ein Traum gar kein Traum sei, dort unten, sagen sie einhellig. Mit dem Begriff der Verschiebung könnten sie aber leben, sagen sie. Aber sonst mischen sie sich nicht sonderlich in unsere Vorstellungen ein. Wir sind ihnen einfach egal.

gedicht nr.4

betreff: zustand des patienten

diagnose 0:1

       26. 10. 1931

                     zuständiger arzt: yisang

(Yisang, Mogelperspektive, S.16, 2005)

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