15. Schachtel (Gott in Dir)

Spezifischere Gefässe: Die Hutschachtel. Der Schuhkarton. Der Instrumentenkoffer. Die Musikbox. Die Obstkiste. Undsoweiter. Und deren Zweckentfremdung. Weniger noch durch ihre Befüllungen, als durch das Präfix.

die verstauungen der verstauenden. der körper. der töne. der nährstoffe. alles wird von unzähligen schichten umlagert oder überzogen. man muss da an eine unbestimmte menge an kernen glauben. am ende an einen kern und seinen abglanz. man wird gläubig. geradezu religiös.

14. Schachtel (Indikatoren)

Ein Sarg muss her – man will alles gut beerdigt wissen. Man will, sollte man ihn wieder öffnen, gäbe es ihn noch, darin aber weiterhin fündig werden. Das kann vielleicht so aussehen, wie es einmal ausgesehen hat, oder mehr oder weniger sein, oder ein bis zur Unkenntlichkeit Entstelltes. Man will nur nicht leere Luft, das wäre uninteressant, und: wurde etwas beerdigt, hat es also das Zeitliche gesegnet, sagt man da eigentümlicherweise. Wurde es Zeichen ehemaligen Kümmerns.

ein tröstliches zeichen. ein zeichen, dass man mensch war und versuchte, anständig zu sein. anhaltspunkt für einen abgleich, sollte man die nägel aus dem noch nicht verrotteten deckel ziehen. nur wenige momente danach.

13. Schachtel (Kolonien)

Zwei Truhen stehen zwischen der letzten Schachtel und einem Koffer. Sie wurden lange nicht bewegt, geschweige denn geöffnet, was nicht wundert, denn es liegt in der buchstäblichen Natur ihrer Sache. Sie liegen in Ruhe und Übersee, das einmal auserkorene Ziel, ihre sprachlichen Bestimmungen für einmal, wenn nicht für immer jenseits des Erwartbaren. Wenn Welt zusammenwächst, auf Koffergrösse schrumpft, bleibt nicht mehr viel Raum zu atmen. Jenseits der Truhen. Im Weltinneren.

atemlose welt. welt jenseits der welt. weltenwelt. mit wenig platz nur für einen straffen gurt, der sie zusammenhält. einer kette. einer schnur aus zeichen. der zeichen dieser 13. schachtel.

12. Schachtel (Hide & seek)

Die Schachtel von der man sprach, ist eigentlich auch als Etui zu bezeichnen und hat an der Oberseite ein kleines Fenster. Schon deswegen möchte man sie nicht Monade nennen. Die zuoberst liegende Karte ist gut lesbar. Wir sprechen von einer nicht durchsichtigen, aber doch teilweise einsehbaren Schachtel. Das nur als Ergänzung.

sie zeigt die oberfläche der vorderseite des zuoberst liegenden. sage einer, was in einer schachtel liege, wolle sich ausdrücklich verbergen. man muss da einiges revidieren.

11. Schachtel (Identitäten)

Die kleine, durchsichtige Plastikschachtel mit dem Visitenkartenmustern ist angekommen. Einhundert Mal ein weisses Kärtchen mit ein paar Informationen zu einem Projekt, darüber Name, Telefonnummer und weitere Hinweise zu meiner Person. So dünn kann man sein, so wenig braucht es, um mit mir in Kontakt zu treten.

ich habe mir überlegt, diese karten zu nummerieren und zu zeichnen. sie also als limitierte edition herauszugeben, ohne dass die empfänger davon wüssten. ein hundertfaches gedicht, wird man vielleicht einmal sagen. etwas sehr konkretes und darum völlig frei von bedeutung. dann müsste ich mich aber von ihm trennen, einhundert mal, und sein behältnis, der einband eines buches mit dem immerselben loseblatt, oder – wenn man will – einer sammlung von kurzgeschichten, einer sammlung der immergleichen kurzgeschichte aus namen und kontaktdaten – er stünde leer, das vielleicht einzige, was hier etwas bedeutete. ich werde sie gar nicht erst öffnen.