taberna kritika

Großes Finale

Es beginnt leicht, locker, lose.

Viererkette. Flache Bälle.

Ein paar Schwalben. Ein paar Fälle.

Gelb gegen Ziege (wegen Meckern)

Kein Klotzen. Nur ein bisschen Kleckern.

Eins Rivaldo. Eins von Klose.

Verlängerung! Härte im Spiel.

Geschrei. Auch Jancker möchte spielen.

Schade, Carsten! So geht’s vielen.

Manch Schienbein wird jetzt klein gehäckselt,

Kaiser Franz noch eingewechselt.

Doch diesmal nützt auch das nicht viel.

Zum Schluss wird Kahn zwölf Elfer halten,

darauf selbst einen noch versenken

und der Nation den Titel schenken.

Die Welt versinkt im Schrei der Massen.

Brasilien kann’s gar nicht fassen.

Dann toben höhere Gewalten.

Der Himmel wird entzwei zerreißen.

Siebenmähnige Hyänen

mit solchen wie Ronaldos Zähnen

gehen nieder. Seraphims

auf die Fans und Teams

nasse Adiletten schmeißen.

Der Fußballgott wird niederfahren,

Walters Fritz zu seiner Rechten,

und dann alle jene schächten,

die an ES nicht glauben wollten,

die mit den Augen zweifelnd rollten,

die Rudi niemals hörig waren.

Es wird das Ende aller Arten.

Es wird das große grause Richten

mit Hagel, Feuer, Rauch, Vernichten

und ekelhaften Elixieren.

Die Erde wird zugrunde gehen

und als Fußball neu entstehen!

Kerner wird dann kommentieren:

“Das war so nicht zu erwarten!”

taz > (GROa)

Der Zeichen Deutung bin ich müde

Der Zeichen Deutung bin ich müde:

Freunde, die Welt: sie sei so wie sie sei –

Ich klink mich aus und meine Attitüde

sei die des großen: Einerlei!

Was schert es mich, wenn Reiche fallen,

die Erde bebt und wenn der Stern,

auf dem man lebt ein leises Knallen

von sich gibt: ich hör‘ es gern!

Und hör den Tinnitus im Herzen:

das schrillt und pfeift – so spür‘ ich sie

Ich blas‘ mich aus: Ein Docht von Kerzen

der ausgebrannt und weiß nicht wie

Die Erde länger an mich halten,

Freunde, warum und was und wo noch Welt,

Ein Brand von Zeichen, die erkalten:

Eine Deutung, die zerfällt…

Der Weimarer Briefwechsel

Zum 254. Geburtstag des Herrn Goethe

Entzweiung …

Goethe schrieb an Eckermann:

Du gehst mir auf den Wecker, Mann!

Eckermann schrieb gleich zurück:

Leck mich doch, du blödes Stück!

Da schrieb Goethe Schiller an:

Nie mehr Post an Eckermann!

Der Wurm wird forthin boykottiert.

Er hat mich derart provoziert,

am liebsten würde ich ihn töten.

Alles Gute! Grüße! Goethen

Schiller griff trotzdem zum Stift:

Eckermann, du Wicht, nimm Gift!

Und lass Hans-Wölfel bloß in Ruh.

Eckermann, ein Doof bist du!

Eckermann darauf an Schiller:

Blöder Schreiberling! Was will er?

Was geht mich sein Gemecker an?

Halt er die Klappe! Eckermann

… und Versöhnung

Goethe schrieb an Eckermann:

Ich schmeiß jetzt meinen Trecker an

und fahr mit dir zu Neckermann.

Da hat’s ein tolles Schnapsprogramm.

Hört sich das nicht lecker an?

Klar! Beeil dich! Eckermann

P.S. Bring Fritz mit, wenn er kann!

taz > (GROa)

Zartes Wesen

Ein Männerlied

Glaub mal nicht, du kleine Schöne,

dass ich dich auch noch verwöhne.

Bei mir, da musst du Socken stopfen,

Betten machen, Teppich klopfen,

putzen, spülen, waschen, kochen.

Ja, Hausarbeit geht auf die Knochen.

Doch nicht auf meine, das steht fest.

Ich hasse Arbeit wie die Pest!

Also hau rein, mein zartes Wesen,

hier ist der Kittel, da der Besen.

Hab nichts verloren in der Küche,

hasse Kohl- und Fleischgerüche.

Du glaubst doch nicht, dass ich mich quäle,

indem ich die Kartoffeln schäle.

Mach du das mal, dir liegt das eher.

Ich bewach den Fernseher.

Steh auf! Der Sessel gehört mir.

Wo du grad stehst, hol mal ein Bier.

Maloche? Arbeit? Geld ranschaffen?

Ich mach aus mir doch keinen Affen.

Dafür gibt’s den Prolomob.

Besorg dir bitte selbst ‘nen Job!

Du bist das Faulste, was ich kenn’.

Wie? Keine Zeit? Ja, glaubst du denn,

die Kohle kommt allein ins Haus?

Denk doch mal nach! Ich ruh mich aus.

Ja, die Welt ist groß, mein Kleines!

Komm mal her! Dann gibt’s was Feines.

Jetzt zeig ich dir mal ein paar Sachen,

die manche nur im Dunkeln machen.

Was lallst du da von Müdigkeit?

Frauen sind doch stets bereit.

Die kümmern sich um ihre Gatten

und verwöhnen deren Latten.

Aufstehn, Schätzchen, Frühstückszeit!

Komm, hopp! Hast du die Schlafkrankheit?

Soll ich gar selbst den Kaffee machen?

Wo bist du? Wo sind deine Sachen?

Scheiße! Einfach abgehauen!

Eine Crux ist’s mit den Frauen.

Ich habe sie doch so gemocht.

zumindest das, was sie so kocht.

taz > (GROa)